zur Navigation zum Inhalt
© Christian Darkin
Der Darm als eigenes Organ.
 
Immunologie 4. Dezember 2012

Darmbakterien

Wichtig für das Immunsystem

Bakterien im Verdauungssystem spielen eine wichtige Rolle im Körper. Auf dem 1. Weltgipfel „Gut Microbiota for Health“, der heuer in Evian in Frankreich stattfand, wurden sie sogar als eigenes Organ bezeichnet, da sie vielfältige Funktionen, nicht nur für die Verdauung, haben.

Mindestens 1014 Mikroorganismen leben symbiotisch im Darm. Zusammen wiegen sie rund 1,5 bis 2 Kilogramm. „Mehr als 1000 Bakterienspezies wurden bereits identifiziert, insgesamt bestehen sie aus zehnmal mehr Zellen als der menschliche Körper“, erklärte Prof. James Versalovic, Baylor College of Medicine, Houston, USA.

Nicht alle Bakterienspezies sind schädlich

Für das Immunsystem ist der Verdauungstrakt die wichtigste Körperregion, dort finden sich 70 Prozent aller Immunzellen. Epithel- und Immunzellen kommunizieren mit Darmbakterien, diese untereinander - dieses komplexe Netzwerk von Signalwegen ist wesentlich für die Aktivierung von Abwehrmechanismen gegen pathogene Erreger.

Nicht alle Darm-Bakterienspezies seien schädlich, so Prof. Balfour Sartor, University of North Carolina, USA: Einige Spezies seien neutral, andere sogar nützlich. So inhibieren manche Bakterien das Wachstum pathogener Keime, bauen deren Nährstoffe ab oder stimulieren Immunantworten. Darmbakterien haben auch eine Schlüsselrolle, indem sie das Immunsystem trainieren, zwischen „gut“ und „böse“ zu unterscheiden. Bereits in frühester Kindheit beginnt diese Kooperation beider Systeme; so wird eine orale Toleranz aufgebaut. Gelingt dies nicht, können Allergien und entzündliche Krankheiten die Folge sein.

Bei bestimmten Fällen von M. Crohn induziert ein Defekt des Gens NOD2 eine Überreaktion des Immunsystems auf bestimmte Bakterienbestandteile. „Wir glauben, dass Morbus Crohn das Produkt einer Interaktion von genetischer Prädisposition, Umweltfaktoren wie Ernährung oder Antibiotikabehandlung und bestimmten Bakterien ist, die Antigene präsentieren, die zu einer Immunantwort und schließlich zur Krankheit führen“, so Sartor.

Bei gesunden Menschen ist die Zusammensetzung der Bakterien im Darm sehr vielfältig mit vielen schützenden und wenig pathogenen Keimen. Bei M. Crohn oder Colitis ulcerosa ist das Verhältnis umgekehrt. Ein besseres Verständnis dieser Zusammenhänge könnte zu besseren und weniger aggressiven Therapien führen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben