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Ist die komplexe Zusammensetzung der Darmflora gestört, gibt es Probleme.
 
Allgemeinmedizin 4. Dezember 2012

Synergistische Wirksamkeit gefragt

Multispezies-Probiotika bei der Antibiotika-Assoziierten Diarrhoe

Metaanalysen der vergangenen Jahre zeigen bei den verschiedenen Arten der Diarrhoe – speziell der Antibiotika-Assoziierten Diarrhoe (AAD), der Clostridium difficile assoziierten Diarrhoe und akuter Diarrhoe – signifikante Verbesserungen durch den Einsatz qualitativ hochwertiger Probiotika.

Die Ergebnisse einzelner Bakterienkombinationen können allerdings nicht auf „die Probiotika“ im Allgemeinen übertragen werden, sondern müssen für jedes Präparat evidenzbasiert nachgewiesen werden. Darüber waren sich Univ.-Prof. Dr. Günter Krejs und Univ.-Prof. Dr. Winfried Graninger in einer Pro und Contra Probiotika Diskussion anlässlich der Jahrestagung der ÖGIM 2012 in Graz ebenso einig wie darüber, dass die Zeit der alten, einstämmigen probiotischen Mittel vorbei zu sein scheint. Die Darmflora, die sich aus einer Vielzahl von Mikroorganismen zusammensetzt, die miteinander symbiotisch wirken, erfordert komplexere Multispezies Probiotika, um gestörte Funktionen wieder aufnehmen zu können. Eine Wirkung, die auch durch Studien zunehmend unterstützt wird (1).

Antibiotika-Assoziierte Diarrhoe (AAD): Die Bedeutung der AAD als kostenintensive Begleiterscheinung infektiologischer und onkologischer Therapien steigt. Die Literatur nennt eine Häufigkeit des Auftretens von 25 bis 50 Prozent der Fälle während, aber vor allem bis zu acht Wochen nach einer Antibiotika-Therapie (2)

Clostridium-Difficile-Assoziierten Diarrhoe (CDAD): Einen rasanten Anstieg (25%) verzeichnet man in der Inzidenz der CDAD, die immer wieder Colektomien notwendig macht. Die häufigsten Ursachen dafür sind die Reduktion der Darmflora sowie die damit verbundene gestörte Immunabwehr.

„Leaky gut“:Ein relativ neuer Aspekt ist die Schädigung der Mukosa durch den Einsatz von Antibiotika, die innerhalb kürzester Zeit zu einem „leaky gut“ führen kann. In Artikeln in „Nature“ und in PNAS wurde im Jahr 2011 nachgewiesen, dass der Einsatz von Antibiotika wesentlich zum deutlichen Anstieg an Autoimmunerkrankungen wie Diabetes und Morbus Crohn aber auch an psychiatrischen Erkrankungen wie dem Burn out Syndrom beigetragen haben dürfte (3, 4).

Prävention und Therapie

Der Nachweis für die Stabilisierung der Darmflora durch den parallel geführten Einsatz von spezifischen Probiotika bereits während der Antibiotikagabe wird durch molekulargenetische Analysen wie PCR oder DGGE erbracht (5) Neben der Prävention erlangt die Therapie der AAD und der CDAD immer größere Bedeutung. Dafür werden heute spezielle Keimstämme in Kombinationen eingesetzt, die nicht nur die Pathogeninhibition von Clostridium difficile als Kriterium erfüllen, sondern auch die Bildung von Toxin A und B verhindern, was vor allem bei rezidivierenden Erkrankungen von Bedeutung ist.

In Österreich wurden zu diesem Einsatzgebiet zwei Pilotstudien unter Einsatz von OMNi-BiOTiC 10 AAD, dem ersten Probiotikum der 3. Generation, durchgeführt. Prim. Dr. Friedrich Lang zeigte an der Chirurgischen Abt des LK Neunkirchen eine Reduktion der Antibiotika-Assoziierten Diarrhoe nach chirurgischen Eingriffen von durchschnittlich 30 auf 0,5 Prozent (6). Der Infektiologe OA Dr. Markus Hell konnte am Landesklinikum Salzburg die hohe Wirksamkeit von OMNi-BiOTiC 10 AAD bei rezidivierender CDAD nachweisen (7).

Literatur:

1. Ritchie ML, Romanuk TN: PLoS ONE 7(4)2012: e34938.

2. McFarland LV, Am J Gastroenterol 2006: 812-822

3. Blaser M, Nature 2011 ; 476 :393-394

4. Bravo J et al, PNAS 2011 ; 108 :16050-16055

5. Koning K et al, Am J Gastroenterology 2008; 3152-3158

6. Lang C et al, J. Gastroenterologie und Hepatologie, 2009,

7. Hell et al, Beneficial Microbes, in print

Quelle: Presseaussendung Institut Allergosan/Mag. Anita Frauwallner

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