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© Yuri Arcurs/shutterstock.com
Dauer- und Multimedikation bedeuten hohen Beratungsbedarf und Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker.
 
Allgemeinmedizin 6. Dezember 2012

OÖ als Pionier

Ärzte und Apotheker im Dialog der Gesundheitsberufe

Gemeinsam wollen Apotheker und Ärzte ihren Beitrag zur Verbesserung der Patientenversorgung und des Gesundheitssystems leisten. Wie alle Gesundheitsberufe an diesem Weg beteiligt werden können stand kürzlich bei einer Expertenrunde auf Einladung der oberösterreichischen Apothekerkammer auf dem Programm. Dabei wurde auch der besondere Stellenwert der Gesundheitsvorsorge und Krankheitsprävention betont.

„Wir sollten weniger reparieren, sondern Krankheiten möglichst verhindern“, stellte Felix Hinterwirth, Obmann der oberösterreichischen Gebietskrankenkasse fest. Der diesjährige Vorsorge-Schwerpunkt des Landes unterstreicht das wachsende Bewusstsein der Politik. Auf die Notwendigkeit verstärkter Zusammenarbeit verwiesen die oberösterreichische Apothekerkammer-Präsidentin Mag. pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr und Dr. Erwin Rebhandl, Hausarzt in Oberösterreich und Begründer von AM PLUS, der Initiative für Allgemeinmedizin und Gesundheit. Derzeit passiere zu viel nebeneinander, es gebe Nachholbedarf. Mursch-Edlmayr: „Wir wollen uns noch mehr einbringen und die Kooperation zwischen Ärzten und Apothekern leben.“

Die Zusammenarbeit müsse auch zwischen niedergelassenen Ärzten und ihren Kollegen im Spital funktionieren, ergänzte Dr. Julia Röper-Kelmayr, Radiologin und SP-Gesundheitssprecherin in Oberösterreich.

Lokale, integrierte Versorgung durch Ärzte und Apotheker

Es geht nicht darum, Aufgabengebiete anderer Berufsgruppen zu übernehmen, sondern eine bessere Vernetzung von Leistungen und vor allem Übergänge sicherzustellen. Diagnose und Therapie müssen zweifelsfrei in der Oberhoheit des Arztes verbleiben. Andererseits haben die Apotheker neben ihrer hohen pharmazeutischen Expertise ein breites Leistungspotenzial, so Mursch-Edlmayr. Durch nicht vorhandene Wartezeiten könne ein Ratsuchender sehr rasch und unkompliziert mit einem Gesundheitsexperten reden. Dies führe dazu, dass die Früherkennung einer Krankheit oft in einer Apotheke stattfindet. Dem Betroffenen wird dann der Besuch beim Arzt empfohlen und zusätzlich kann Motivationsarbeit in Richtung eines positiveren Lebensstils geleistet werden.

Weiters befugt die pharmazeutische Expertise die Apothekerschaft, die Wechselwirkungen der Medikationen zu bewerten und erkennen. Die konstante und richtige Einnahme von Medikamenten werde durch die aktive Beratung der Apotheken deutlich gesteigert. Vielen Patienten sei nur mangelhaft bewusst, dass vor allem bei chronischen Krankheiten eine Medikation oft keinerlei Wirkung zeigt, wenn sie nur ein bis zwei Monate eingenommen wird.

Teures Gesundheitssystem in Österreich - viel Potential

Österreich liegt bei den Gesundheitsausgaben an dritter Stelle unter den so genannten hochentwickelten Nationen. Werden diese Länder in Bezug auf die in Gesundheit verbrachten Lebensjahre ihrer Bürger analysiert, dann erreicht Österreich nur einen Rang im unteren Mittelfeld. In den Niederlanden liegen die Kosten für das Gesundheitssystem um 15 Prozent unter jenen Österreichs, die Bürger der Niederlande verbringen aber deutlich mehr Lebensjahre in Gesundheit.

Aufgrund des in Österreich gepflegten - ungesunden - Lebensstils, ist in nächster Zukunft eine weitere Zunahme an Folgeerkrankungen zu erwarten. Die Ursachen: Rauchen, Übergewicht, zu wenig Bewegung und die vernachlässigte Kommunikation mit den Patienten. Das Primary Health Care (PHC)-Konzept von AM PLUS, der Initiative für Allgemeinmedizin und Gesundheit, zeigt noch eine Reihe weiterer Problemfelder auf. Teuer mache das Gesundheitssystem auch die Spitalslastigkeit des österreichischen Systems, eine technikorientierte Maximalversorgung anstelle einer personenorientieren Optimalversorgung, eine unzureichende Koordination zwischen den Schnittstellen und eine mangelhafte Berücksichtigung des familiären, sozialen und kulturellen Umfeldes in der medizinischen Betreuung.

Quelle: Presseaussendung Apothekerkammer Oberösterreich

PA Apothekerkammer, Apotheker Plus 10/2012

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