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Hypoglykämien verursachen bei älteren Menschen häufig Stürze.
 
Allgemeinmedizin 5. November 2012

Gefahr Unterzucker

Alte Menschen erkennen die Symptome oft nicht

Jeder Dritte bis Vierte in der Altersgruppe der 75- bis 80-Jährigen leidet an Diabetes. Ab einem Lebensalter von 65 Jahren stellt Diabetes Typ 2 die häufigste Begleiterkrankung dar. Alte Patienten sind besonders gefährdet, eine Unterzuckerung zu erleiden, weil sie die Symptome einer Hypoglykämie häufig falsch deuten.

Die Folgen sind dramatisch: Sinkt der Blutzuckerspiegel bei ihnen stark ab, steigt die Sturzgefahr. Zudem drohen Schlaganfall und Herzinfarkt. Besondere Aspekte bei der Behandlung alter Diabetespatienten werden bei der 6. Diabetes Herbsttagung vom 16. bis 17. November 2012 in Berlin diskutiert.

Besonders gefährlich ist für älteren Menschen die Hypoglykämie. Die Live-Geri-Studie, die Daten aus 32 ambulanten und 40 stationären Pflegeeinrichtungen auswertete, zeigte, dass 6,2 Prozent der Senioren eine schwere Hypoglykämie hatten. „Die Betroffenen fühlen sich dann hilflos, können leicht stürzen und sind akut gefährdet, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden“, erklärt Dr. med. Ann-Kathrin Meyer, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Geriatrie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und Chefärztin der Abteilung für Geriatrie an der Asklepios Klinik Wandsbek, Hamburg. „Typische Warnzeichen der Unterzuckerung wie Zittern oder Schwindel bringen sie oft nicht mit dem Diabetes in Verbindung, sondern schieben sie auf ihr Alter oder andere Erkrankungen.“

Bei alten Menschen ist es besonders wichtig, die Hypoglykämie zu verhindern. Was bei Jüngeren in der Diabetestherapie gut funktioniert, ist für ältere Menschen zum Teil nicht geeignet. Alten Menschen beispielsweise zur Behandlung des Diabetes mehr Bewegung zu empfehlen, ist in der Praxis häufig nicht zielführend. Manche Patienten sind durch eine Hüft- oder Knie-Arthrose stark eingeschränkt. Auch in Jahrzehnten gefestigte Ernährungsgewohnheiten können nur begrenzt beeinflusst werden. „Deshalb sollte die Therapie in erster Linie bei der Gabe der Medikamente ansetzen und auf die optimale Einstellung des Blutzuckers abzielen“, betont Meyer. Vor allem die Vielzahl an Medikamenten bei mehreren Krankheiten birgt die Gefahr von Wechselwirkungen. Dem Apotheker kommt hier eine wesentliche Rolle in der Beratung zu. Er kann bei möglichen Risiken auch mit dem behandelnden Arzt Kontakt aufnehmen, um mögliche unerwünschte Wechselwirkungen zu vermeiden.

Die medikamentöse Diabetestherapie muss individualisiert, möglichst einfach und praxistauglich sein. Die Zielwerte bei älteren Patienten liegen höher als bei jüngeren. So sollte der Nüchtern-Blutzucker-Wert zwischen 120 und 180 mg/dl liegen, der HbA1c-Wert sollte bei Senioren um 7 bis maximal 8 Prozent betragen und ist damit ebenfalls deutlich höher als die pauschale Empfehlung eines Wertes unter 6,5 Prozent. Damit lassen sich die Risiken des Unterzuckers mit seinen oft fatalen Folgen wesentlich reduzieren.

Quelle: Pressseaussendung Deutsche Diabetes Gesellschaft

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