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Schnell wieder fit sein lautet auch bei Freizeitsportlern die Devise.
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Als Sofortbehandlung bei Muskelverletzungen hat sich die einfache und praxisnahe PECH-Regel durchgesetzt.

 
Sportmedizin 10. Oktober 2012

Hilfe für verletzte Muskeln

Prellungen und Zerrungen sind häufige Sportverletzungen, die meist konservativ heilen.

Verletzungen des Skelettmuskels sind die häufigsten Sportverletzungen überhaupt. Meist treten Überdehnungen/Zerrungen und Prellungen auf, weniger oft Schnittverletzungen. Eine schnelle Wiederherstellung ist sowohl für die weitere Sportausübung als auch für die Arbeitsfähigkeit der Betroffenen wünschenswert.

Etwa zehn bis 55 Prozent aller Sportverletzungen ereignen sich im Muskelbereich, wobei unter chronischen und akuten Muskelverletzungen unterschieden wird, wie Kieb et al. in einer Übersicht über Diagnostik und Behandlungen feststellen. „Eine für Kontaktsportarten typische akute Muskelprellung ereignet sich, wenn der Muskel eine plötzliche schwere Kompressionskraft erfährt, z. B. einen direkten Schlag auf den Muskel. In Sprint- und Sprungsportarten findet man im Gegensatz dazu eher akute Muskelzerrungen, welche oft durch traumatische, plötzlich exzessive oder chronische Überbelastung und Muskeldyskoordination hervorgerufen werden.“

Unfallhergang und Symptome als Hinweis auf Verletzungsart

Ist der Schaden nun einmal angerichtet, gilt es aufgrund der Ursache herauszufinden, welche Erstmaßnahmen und welche weitere Behandlungsschritte ergriffen werden sollen und können. Häufig ist aufgrund des Verletzungshergangs und der Hauptsymptome Schmerz, Schwellung, Funktionsverlust und Hämatom die Zuordnung zu Prellung oder Zerrung gut möglich. In den meisten Fällen ist eine konservative Therapie der Muskelverletzung ausreichend und führt zu guten Ergebnissen.

Erstes Ziel einer sofortigen Intervention ist, die Einblutung in die Verletzungsstelle zu minimieren. Dafür hat sich allgemein als Sofortbehandlung die einfache und praxisnahe PECH-Regel durchgesetzt: Pause, Eis, Kompression und Hochlagerung. Auch wenn die Wirksamkeit nicht nach wissenschaftlichen Studienprinzipien Evidenz basiert abgesichert ist. „Ein kurzzeitiger Einsatz von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) innerhalb der ersten fünf bis sieben Tage nach Verletzung zeigt“, so Kieb et al. „überwiegend positive Ergebnisse.“ Dabei sei jedoch stets auf die unerwünschten Arzneimittelnebenwirkungen wir Hypertonie, Veränderung der Nierenfunktion, peptische Ulzerationen und eine erhöhte Herzinfarktrate zu beachten.

Heilung als Reparaturprozess

Die Heilung des verletzten Muskels entspricht jedenfalls, wie die meisten Heilungsprozesse im menschlichen Körper, einem Reparaturprozess, stellen die Autoren fest. Die Heilung verläuft unabhängig vom Verletzungshergang in drei teilweise überlappenden Phasen ab. Das Verständnis dafür erleichtert auch, die jeweils phasengerechte Unterstützung dieses Heilungsprozesses zu finden. Diese drei Phasen sind:

  • Die Destruktionsphase, in welcher bereits eine Nekrose- und Hämatombildung sowie die Zellentzündungsreaktion erfolgen. Eingerisssene Blutgefäße schwemmen, so die Autoren, die im Blut enthaltenen Entzündungszellen direkt in die Verletzungsstelle ein.
  • Die Reparaturphase, in welcher die Phagozytose des nekrotischen Gewebes, die Muskelfaserregeneration mit begleitender Narbengewebebildung und Kapillareinsprossung in die verletzte Region stattfindet.
  • Die Remodellingphase, in der die Reifung der erneuerten Muskelfasern, die Kontraktion sowie Reorganisation des Narbengewebes und die Erholung der Muskelfunktion erfolgt.

Die Regeneration von Muskelfasern, Nerven und Blutgefäßen auf der einen Seite und die bindegewebige Narbenbildung, die nach der Destruktionsphase ablaufen, konkurrieren sich, aber sie unterstützen sich auch, erklären Kieb at al. Um den verletzten Skelettmuskel in seiner Regeneration zu unterstützen, ist es essentiell, die Revaskularisation bzw. die Reinnervation zu fördern.

Wichtig ist, im Heilungsverlauf die Phasen der Immobilisation und der Re-Mobilisation optimal einzuhalten, um eine möglichst rasche Wiederherstellung zu ermöglichen. Speziell die Ruhigstellung erweist sich in der Praxis häufig als schwer einzuhalten, wobei hier auch psychische Faktoren entscheidenden Einfluss haben. Ein Aspekt, der in der Praxis häufig unterschätzt wird. Für die Ruhigstellung bei Muskelverletzungen 1. Grades ist eine initiale Versorgung mit einem funktionellen Tape ausreichend, stellen die Autoren fest, ab einem Verletzungsgrad 2 ist allerdings eine striktere Einhaltung einer absoluten Immobilisation anzuraten.

Ebenso wichtig ist aber auch der richtige Zeitpunkt für den Beginn der Mobilisation. Die Mobilisation erfolgt stufenweise über ein schmerzadaptiertes aktives Training des verletzten Muskels, wobei Schmerzfreiheit die Voraussetzung für jede Trainingssteigerung ist. Eine gut durchgeführte, nicht-operative Therapie führt in der überwiegenden Zahl von Muskelverletzungen zu guten Ergebnissen, stellen Kieb et al fest. Daher hat das Leitprinzip „Muskelverletzungen heilen konservativ“ durchaus seine Berechtigung.

Quelle: M. Kieb, O. Lorbach, M. Engelhardt: Muskelverletzungen: Diagnostik und Behandlungen, in: Orthopäde 2010 · 39:1098-1107

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