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Allgemeinmedizin 8. Oktober 2012

Schwung für die Gelenke

Den Symptomen entgegenwirken: Schmerz bekämpfen, die Funktion wieder herstellen

Als Abnützungserscheinung steigt die Häufigkeit einer Arthrose mit zunehmendem Alter, je nach Be- und Überlastung kann sie aber auch als posttraumatische Form vor allem in sportlich hochaktiven jüngeren Altersgruppen auftreten. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa eine Million Menschen in Österreich von einer abnützungsbedingten Gelenkserkrankung betroffen sind. Verschiedene Möglichkeiten der konservativen Behandlung stehen zur Auswahl.

Die medikamentösen Therapien wurden in den vergangenen Jahren wesentlich erweitert, sollten jedoch hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen sorgfältig ausgewählt werden .

Ab dem 55. Lebensjahr nimmt die Prävalenz symptomatischer und im Röntgen nachweisbarer nicht-entzündlicher Gelenksveränderungen exponentiell zu, stellen Grifka et al. fest. Ziel der medikamentösen Behandlung ist, „die klinisch manifeste, dekompensierte Arthrose symptomatisch effektiv (schmerzlindernd und funktionsverbessernd), gleichzeitig möglichst nebenwirkungsarm und ökonomisch“ zu behandeln, um die Notwendigkeit eines Gelenkersatzes möglichst weit hinauszuschieben. Daher nennen die Autoren als wichtigste Medikamente jene aus der symptommodfizierenden, also den Schmerz lindernden und die Funktion verbessernden Gruppe, wozu die klassischen nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID), reine Analgetika, intraartikuläre Kortikosteroide, Topika sowie nichtklassische nichtsteroidale Antiphlogistika und Phytopharmaka zählen.

Die klassischen nichtsteroidalen Antiphlogistika wirken antipyretisch, antiphlogistisch und analgetisch (antinozizeptiv). Die Vielzahl an unterschiedlichen Substanzgruppen unterscheiden sich vor allem hinsichtlich der Nebenwirkungen, wobei die selektiven COX-2-Hemmer gegenüber den anderen Präparaten Vorteile im Bereich der gastrointestinalen Nebenwirkungen aufweisen, allerdings mit kardiovaskulären und renalen Nebenwirkungen assoziiert sind. Bei Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen sollten, so die Autoren, COX-2-Hemmer nur in Einzelfällen verwendet werden. Grundsätzlich müsse der Einsatz von NSAIDs aufgrund ihres Nebenwirkungspotenzials in jedem Einzelfall kritisch bewertet werden: „Gerade bei den oft älteren Patienten sollten anamnestische Probleme im Gastrointestinaltrakt sowie eine eingeschränkte Leber- und Nierenfunktion beachtet werden.“

Reine Analgetika wie Paracetamol werden vor dem Hintergrund eingesetzt, dass die endogene Pro-staglandinsynthese dabei praktisch nicht gehemmt werden soll, weshalb auch niedrig dosiertes Ibuprofen als Analgetikum verwendet wird. Grundsätzlich werden reine Analgetika heute in Nichtopioidanalgetika und Opioidanalgetika eingeteilt, wobei letztere bei Arthrosen nur ausnahmsweise zum Einsatz kommen sollten, stellen Grifka et al fest.

Salben und Gele werden von den Patienten oft bevorzugt

Bei Betroffenen besonders beliebt sind topisch andwendbare Medikamente gegen Arthrose, die vor allem NSAID, aber auch andere, beispielsweise hyperämisierende Wirkstoffe in Form von Salben und Gelzubereitungen umfassen. Aus der Gruppe anderer antiphlogistisch wirksamer Substanzen liegen für Glucosaminsulfat, Chondroitinsulfat, Hyaluronsäure, Diacerein und Avocado-Soja-Extrakt und neuerdings auch für Hagebuttenpulver Belege für die Reduktion der entzündlichen Symptomatik bei Arthrose vor. Für Glucosaminsulfat (GS) ist die symptommodifizierende Wirkung mit Verbesserung subjektiver wie objektiver Parameter belegt, berichten die Autoren.

Quellen: J. Grifka,· U. Müller-Ladner: Medikamentöse Therapie bei Arthrose, Orthopäde 2004 · 33:809-815; www.rheumatologie.at  (Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie)

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