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Nach dem dritten Schwangerschaftsmonat sind Flugreisen im allgemeinen kein Problem.
 
Allgemeinmedizin 14. August 2012

Ausnahmezustand

Die Veränderungen in der Schwangerschaft bedürfen erhöhter Achtsamkeit

Jede Schwangerschaft bedeutet einen Ausnahmezustand für den Körper der Mutter und erfordert erhöhte Achtsamkeit. Viele Frauen, die aktiv im Beruf, in der Gesellschaft und im Kulturleben sind, versuchen so lange wie möglich, sich von den körperlichen Veränderungen nicht einschränken zu lassen. Manche Aspekte sollten jedoch bedacht und beachtet werden.

Zu allererst stellt die Schwangerschaft eine Zeit besonderer Ernährungsbedürfnisse dar. So wurde die Versorgung des mütterlichen und kindlichen Organismus mit ausreichend Nährstoffen während der Schwangerschaft als wichtigster Umweltfaktor für den Verlauf der Schwangerschaft festgestellt. Dabei ist es nicht nur die Nahrungsaufnahme selbst, die die Ernährung und das Wachstum des Fötus beeinflussen, sondern auch Faktoren wie die mütterliche Absorption, der Stoffwechsel, die endokrine Funktion und der Nährstoff-/Energietransfer in die Plazenta.

Veränderte Verdauung - Übelkeit Erbrechen, Durchfall, Verstopfung

Das veränderte physiologische Gleichgewicht kann auch zu Veränderungen der Verdauung führen. Übelkeit und Erbrechen vor allem in den ersten Schwangerschaftswochen sind ein häufiges Phänomen, das im allgemeinen keine gravierenden Folgen hat, sich jedoch auf die Lebensqualität der Betroffenen ziemlich negativ auswirkt. Bei drei Prozent der schwangeren Frauen verändern sich die Leberwerte, was Schwangerschafts-spezifische, aber auch andere Ursachen haben kann.

So wie das Schwangerschaftserbrechen zählt auch die intrahepatische Schwangerschaftscholestase zu den milderen Schwangerschaftsbeschwerden. Während das HELLP-Syndrom (hemolysis, elevated liver tests, low platelets) und die akute Schwangerschaftsfettleber ein für Schwangere und Kind erhebliches Risiko darstellen, das zu einer erhöhten Mortalität für Mutter und Kind führt.

Meist im fortgeschrittenen Trimester der Schwangerschaft leiden viele Frauen an Refluxbeschwerden. In diesen Fällen ist eine gezielte Ernährungsberatung besonders wichtig. Etwa 30 bis 50 Prozent der Frauen sind betroffen. Der Hauptauslöser für die gestörte Säureabsorption sind Hormone.

Neben der Wirkung der Magensäure selbst können auch duodenogastraler Reflux, Motilitätsstörungen der Speiseröhre oder Hiatushernien an der Entstehung der Beschwerden beteiligt sein. Und auch ein Reflux kann Übelkeit verursachen, wobei die Reflux bedingte Übelkeit eher im späteren Schwangerschaftsstadium auftritt.

Viele Auslöser - viele Beeinträchtigungen

Häufig ist in der Schwangerschaft die Verdauung insgesamt gestört, was teilweise durch die veränderte Hormonlage aber auch durch die empfohlenen ergänzenden Mikronährstoffe verursacht sein kann. So kann die empfohlene Eisensubstitution zu Verstopfung, Magnesium hingegen eher zu Diarrhoe führen. Wie bei anderen Formen banaler Verdauungsstörungen ist die erste Empfehlung an die Betroffenen die ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Oft kann auch Stress zu einem beschleunigten Stoffwechsel und Durchfall führen. Hält der Durchfall über mehrere Tage an und lässt sich mit Maßnahmen zur Unterstützung der Darmflora nicht in den Griff bekommen, sollte der Betroffenen unbedingt der Besuch bei ihrem Arzt empfohlen werden, um schwere Infektionen als Ursache auszuschließen.

Für viele Frauen ist die Schwangerschaft, vor allem wenn es die erste ist, die vorerst letzte Gelegenheit, einer auf sich konzentrierten Zeit und damit auch für Reisen vielleicht in ferne Länder. Abgesehen von der entsprechenden Impfprophylaxe je nach Zielland, ist der sicherste Zeitraum für Flugreisen nach dem dritten Schwangerschaftsmonat, denn Untersuchungen haben gezeigt, dass Frauen, die sehr früh - allerdings auch sehr häufig und sehr lange - geflogen sind, ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten haben. Regionen, in denen ein hohes Risiko einer Reisediarrhoe besteht, stellen für Schwangere ebenfalls ein erhöhtes Risiko dar. Vorbeugend sollten daher Hygienemaßnahmen möglichst strikt eingehalten werden. Im Ereignisfall gilt auch hier, dass auf einen Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes zu achten ist und die Wiederherstellung einer physiologischen Darmflora unterstützt wird. Antibiotika sind in der Schwangerschaft nicht angebracht.

Sport in Maßen und nicht riskant

Sportliche Aktivitäten können solange fortgesetzt werden, solange sich die Frau damit wohlfühlt, wobei regelmäßige, mit maximal mittlerer Intensität durchgeführte Sportarten empfohlen werden. Dagegen sollten Sportarten, die ein erhöhtes Verletzungsrisiko mit sich bringen, in der Schwangerschaft nicht betrieben werden.ki

Quellen: Noel Chavez: Supplemental Nutrition Programs During Pregnancy and the Early Postnatal Period, in: A. Handler et al. (Hrsg): Reducing Racial/Ethnic Disparities in Reproductive and Perinatal Outcomes: The Evidence from Population-Based Interventions, Springer 2011

P. Bung: Lifestyle in der Schwangerschaft in: Gynäkologe 2012, 45:71-78

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