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Infektiologie 23. August 2016

Virale Meldungen

Ein Virus, das beim Mensch Erkältungen verursacht, stammt ursprünglich aus Kamelen – genauso wie das gefürchtete MERS-Virus. Das haben Forscher der Universitäten Bern und Bonn herausgefunden.

Das Middle East Respiratory Syndrome (MERS)-Virus löst schwere Atemwegsinfektionen aus und kann zum Tod führen. Bekannt ist seit einiger Zeit, dass es seinen tierischen Ursprung in Dromedaren hat. Forscher um Volker Thiel von der Uni Bern und Christian Drosten vom Universitätsklinikum Bonn haben daher rund tausend Kamele auf verschiedene Viren der gleichen Familie (Coronaviren) hin untersucht. Dabei stießen sie erstaunlicherweise bei knapp sechs Prozent der untersuchten Tiere auf einen engen Verwandten eines menschliches Erkältungsvirus namens HCoV-229E, wie die Uni Bern mitteilte. Es gibt vier menschliche Coronaviren, die auf der ganzen Welt verbreitet sind und ebenso wie Rhinoviren für Erkältungen verantwortlich sind.

Durch molekulargenetische Vergleiche zwischen Erkältungsviren in Fledermäusen, Menschen und Dromedaren stellten die Wissenschafter fest, dass HCoV-229E offenbar tatsächlich in Kamelen entstand und dann auf den Mensch übertragen wurde. Die Kamel-Erkältungsviren können auch in menschliche Zellen eindringen, wie die Forschenden im Fachjournal „PNAS“ berichten. Eine Epidemie-Gefahr gehe von den Kamel-Viren jedoch nicht aus, da die menschliche Bevölkerung durch die weite Verbreitung des Erkältungsvirus HCoV-229E auch gegen die Kamel-Variante weitgehend immun sei, schrieb die Uni Bern.

Zu denken gibt die Tatsache, dass diese weite Verbreitung des Schnupfenvirus wahrscheinlich durch eine vergangene Pandemie zustande kam, bei der HCoV-229E von Mensch zu Mensch übertragen wurde. Die Frage ist, ob sich das MERS-Virus in Zukunft ähnlich entwickeln könnte.

An dem Kamel-Virus und HCoV-229E wollen die Forschenden daher genauer untersuchen, welche Hürden ein Virus beim Übertritt vom Tier auf den Menschen nehmen muss. Bei dem Schnupfenvirus dürfte dieser Übertritt vor mehreren hundert Jahren stattgefunden haben. „Es wird wichtig sein zu verstehen, ob das MERS-Virus denselben Weg gehen kann“, ließ sich Thiel in der Mitteilung zitieren.

Zika bedroht auch Erwachsene

Ein anderes Virus, das seit geraumer Zeit negative Schlagzeilen macht, ist das Zika-Virus. Dieses kann sich nicht nur schädlich auf Ungeborene, sondern auch auf das Gehirn von Erwachsenen auswirken. Das geht aus einer in der US-Fachzeitschrift Cell Stem Cell veröffentlichten Studie hervor, die sich auf Experimente an Mäusen stützt. Demnach können erwachsene Zellen, die für Lernen und Erinnerung zuständig sind, durch das Virus zerstört werden.

Bisher war vor allem bekannt, dass das Virus bei Babys zu Mikrozephalie führen kann. Eine der Ko-Autorinnen der Studie, Sujan Shresta vom kalifornischen La Jolla Institute of Allergy and Immunology, sagte, Forscher wüssten, dass Zika für die frühe Entwicklung des Gehirns „katastrophal“ sein könne. Mit dem Virus infizierte Erwachsene wiesen aber häufig keine Symptome außer Beschwerden wie Hautausschlag, Gliederschmerzen und rote Augen auf. Die Auswirkung des Virus auf das erwachsene Hirn sei „subtiler“. „Wir wissen jetzt, auf was wir uns einstellen müssen“, sagte Shresta.

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