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Infektiologie 22. Februar 2016

Sinusitis

Wenn die Nebenhöhlen bei Erkältungskrankheiten unter Druck geraten

Ein typisches Symptom von Erkältungen ist die meist durch humane Rhinoviren ausgelöste Rhinitis, die sich durch eine brennende oder kribbelnde Nasenschleimhaut ankündigt.

Die Ausschüttung von Entzündungsmediatoren führt ab dem zweiten Erkältungstag zu Symptomen wie Niesreiz und Fließschnupfen. Am dritten Tag erreicht der banale Erkältungsschnupfen den Höhepunkt und klingt in der Regel nach sieben bis neun Tagen wieder ab − auch ohne Therapie.

Ursachensuche. Klagt der Erkältete jedoch über ein Druckgefühl oder pochende Schmerzen hinter der Stirn und im Bereich zwischen Nasenwurzel und Wangenknochen, so hat der Infekt die Nasennebenhöhlen erreicht – eine Rhinosinusitis ist entstanden. Die Schleimhaut der Nebenhöhlen hat sich entzündet, fast immer ist die Nasenatmung behindert, Geruchs- und Geschmackssinn sind gestört. Dazu können Fieber, Abgeschlagenheit und allgemeine Infektanfälligkeit kommen. Hauptursache für eine Sinusitis ist zwar ein Erkältungsschnupfen, doch auch Allergien, eine Besiedlung durch Pilze, enge anatomische Verhältnisse oder vorliegende Nasenpolypen können eine Rolle spielen.

Höhlensysteme. Die paarig angelegten Nasennebenhöhlen finden sich beim Erwachsenen üblicherweise oberhalb der Augenbrauen (Stirnhöhlen/Sinus frontalis), im Oberkieferknochen rechts und links der Nase (Kiefernhöhlen/Sinus maxillaris), zwischen Nase und innerem Augenwinkel (Siebbeinlabyrinth/Sinus ethmoidalis) und hinter den Siebbeinzellen (Keilbeinhöhlen/Sinus sphenoidalis). Alle Nasennebenhöhlen sind wie die Nase selbst mit einem Flimmerepithel ausgekleidet und stehen über schmale Kanälchen, die Ostien, mit der Nasenhaupthöhle in Verbindung. Eine Schwellung der Schleimhaut führt schnell zum Verschluss der Ostien. Durch mangelnde Belüftung und Abflussbehinderungen wird das Sekret visköser, sein pH-Wert saurer – eine Besiedlung durch pathogene Keime, z.B. Streptokokken, wird erleichtert.

Therapiemöglichkeiten

Durchschnittlich 80 Prozent der Erkältungspatienten bekommen ein Antibiotikum verschrieben – doch aktuelle klinische Studien zeigen, dass Antibiotika bei der unkomplizierten akuten Rhinosinusitis keinen signifikanten Vorteil gegenüber einer rein symptomatischen Therapie haben. Die deutsche AWMF-Leitlinie spricht sich für ein „watchful waiting“ über zehn bis 14 Tage aus. Erst bei Risikofaktoren, etwa einer Verstärkung der Beschwerden oder Fieber über 38,3° C empfiehlt sie eine Antibiotikatherapie. Zur symptomatischen Behandlung der akuten Sinusitis werden vor allem abschwellende Nasensprays (Wirkstoffe z. B. Xylometazolin, Oxymetazolin – am besten konservierungsmittelfrei) sowie schleimlösende und entzündungshemmende Arzneimittel empfohlen.

Pflanzenpower

Aufgrund der Studienlage werden in der DEGAM-Leitlinie „Rhinosinusitis“ zur Symptomlinderung und Heilungsbeschleunigung bei akuter Erkrankung vor allem pflanzliche Sekretolytika mit Myrtol und Cineol sowie Gentianaextrakten empfohlen. Die AWMF-Leitlinie weist darüber hinaus auf positive therapeutische Effekte bei akuter bakterieller Rhinusinusitis durch eine Extraktmischung aus fünf Phytotherapeutika (Primelmischung) hin. Eine Studie habe zudem für einen Pelargonienextrakt einen Effekt auf die Rhinusinusitissymptomatik nachgewiesen.

Gegen die drückenden Schmerzen im Gesichtsbereich, die sich beim Bücken und Auftreten verstärken („Bückschmerz“), helfen wiederum analgetische/antiphlogistische Wirkstoffe wie ASS und Ibuprofen oder Paracetamol. Als Therapieergänzung kommen salz- oder hyaluronsäurehältige Nasensprays infrage, sowie eventuell homöopathische Einzel- bzw. Komplexmittel.

Was sich sonst noch tun lässt – Tipps für den Kunden

• beim Naseputzen das Sekret nicht kraftvoll „heraustrompeten“, sondern ein Nasenloch zuhalten und das andere sanft, ohne Druck, ausschnäuzen

• das Niesen nicht unterdrücken, sondern ins Taschentuch oder ggf. in den Ärmel niesen

• durch Wärme, z. B. mittels Infrarotlampe, den Verlauf der Entzündung beschleunigen und die Heilung unterstützen.

springer-gup

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