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© Uwe Zucchi /dpa
Bert Ehgartner ist Dokumentarfilmer und Autor populärwissenschaftlicher Bücher, zuletzt „Dirty Little Secret – die Akte Aluminium“.
 
Impfen 2. November 2015

„Ich kann nicht ungestraft unsere alten Freunde ausrotten und glauben, man werde dadurch gesünder“

3 Fragen, 3 Antworten

Deutlich weniger Antibiotika-Verschreibungen wären eine gute Sache, meint Wissenschaftsjournalist Bert Ehgartner. Freilich aus den richtigen Gründen. Bedeutet: Nicht die Resistenzen sind das eigentliche Problem, sondern der Vernichtungsfeldzug gegen das eigene Mikrobiom, den menschlichen Zoo.

Zitat aus Ihrem Buch: Augmentin macht alles hin. Lieben Ärzte Antibiotika?

Ehgartner:Absolut. Das ist eines der wenigen wirklichen Heilmittel, das auch bei schwersten Krankheiten, die früher unheilbar waren, die Patienten gerettet hat. Das Problem ist eben, und das meine ich auch mit „Hygiene Falle“, wenn ich dieses Prinzip: es wirkt, es macht etwas, es tötet die bösen Bakterien, wenn ich das übertreibe und als Grundprinzip einsetze, dass ich vorsichtshalber immer Antibiotika verschreibe, um auf der sicheren Seite zu sein, dann kommt es zu einem Übereinsatz von Antibiotika. Man redet viel von der Resistenzproblematik. Diese wird extrem übertrieben. Viel wichtiger ist der Haupteffekt der Antibiotika und das ist eben der Kahlschlag, den die Antibiotika im Mikrobiom verursachen. Das beeinflusst das Immunsystem, das Nervensystem, ich kann nicht ungestraft unsere alten Freunde ausrotten und glauben man wird dadurch gesünder. Es gibt so viele Symbiosen zwischen Bakterien und Immunsystem, zwischen Bakterien und Nervensystem, sodass wir hier erst am Anfang stehen, diesen Dschungel, den jeder in sich trägt, zu verstehen.

Sie sind kein Impfgegner, aber ein Impfkritiker, was stört Sie an den gängigen Schutzimpfungen?

Ehgartner:Beim Impfthema ist es immer leicht, jemanden als Kritiker abzuwerten. Das Thema Impfen, das so viele historische Verdienste hat, ist bei uns eine Art heilige Kuh geworden, bei der schon leise Kritik als Majestätsbeleidigung angesehen wird. Wir haben Impfstoffe, die sind fast 100 Jahre alt und basieren auf dem Denken des tiefsten 20. Jahrhunderts. Man muss schauen, was passiert, wenn ich nur das Immunsystem scharf mache, wenn ich mit Aluminium-Verbindungen als Wirkverstärker arbeite, wenn ich eine Aggression in das System bringe, die sich gegen das eigene Immunsystem richtet, bei Pneumokokken- und Meningokokken-Impfung.

Sollen Kinder, statt geimpft zu werden, Masern durchmachen?

Ehgartner: Es gibt viele Menschen, die skeptisch gegenüber Impfungen sind und die kann ich nicht immer mit Angstparolen zum Impfarzt treiben. Man weiß, dass die Masernimpfung positive Effekte hat auf das Immunsystem. Wenn man in den Vordergrund stellen würde, dass die Abwehrkräfte besser werden, dass auch die lebenden Impfviren einen gewissen Trainingseffekt bieten, dann wäre das für einen Teil der Eltern ein besserer Grund, um mit ihren Kindern zum Arzt zu gehen. Oder wenn ich eine Inhalationsimpfung anbiete und nicht mehr drei verschiedene Viren unter die Haut spritze, sondern die Impfungen dem natürlichen Infektionsweg anpasse. Dann würde man ein besseres Verständnis erzielen, dass Impfungen etwas Modernes und Gutes sind.

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