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Foto: Privat
Dr. Holger Flick, Klinische Abteilung für Lungenkrankheiten, UKIM-LKH Universitätsklinikum /MedUni Graz
 
Pulmologie 19. April 2011

TBC: Tendenz fallend

Verbesserte Diagnosemöglichkeiten helfen, Tuberkulose-Infektionen frühzeitig zu erkennen.

Weltweit ist keine weitere Steigerung der Tuberkulose-Neuinfektionen zu verzeichnen und auch hierzulande ist die Zahl fallend: 2009 erkrankten österreichweit 700 Menschen an Tuberkulose, im Jahr davor waren es noch 830. Knapp die Hälfte der Betroffenen sind nach wie vor Patienten mit Migrationshintergrund.

 

Intensive internationale Bemühungen im Kampf gegen Tuberkulose (TB) und HIV haben in den vergangenen Jahren weltweit zur Eindämmung der Zahl der Neuinfektionen geführt. Trotzdem bleibt die TB mit 9,4 Millionen Neuerkrankungen im Jahr 2009 die weltweit am häufigsten zum Tode führende heilbare Infektionskrankheit. Weiterhin sterben rund 1,7 Millionen Menschen pro Jahr an TB, das sind ca. 4.600 Menschen pro Tag. Erste Anzeichen einer möglichen TB-Erkrankung sind Husten, Fieber und Gewichtsverlust.

Niedriges Niveau

„In Österreich bleibt die Zahl der Neuerkrankungen mit leicht fallender Tendenz auf niedrigem Niveau“, sagt der neue Leiter des Arbeitskreises „Infektiologie und Tuberkulose“ der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) Dr. Holger Flick, Oberarzt an der Klinischen Abteilung für Lungenkrankheiten, UKIM-LKH Universitätsklinikum/Medizinische Universität Graz.

„Österreich ist ein TB-Niedrigprävalenzland“

Im Vergleich zu 2008 erkrankten in Österreich 2009 um 130 Menschen weniger an Tuberkulose als im Jahr davor (2008: 830 Neuerkrankungen, 2009: 700 neue Erkrankungen). „Österreich ist eindeutig ein TB-Niedrigprävalenzland“, so Flick.

Unverändert handelt es sich bei knapp der Hälfte der von der Infektionskrankheit Betroffenen um Patienten mit Migrationshintergrund. Flick: „Es gilt nach wie vor, dass die Zahl der TB-Erkrankungen in jenen Ländern steigt, in denen Armut, Krieg und politische Instabilität vorherrschen. Dort sterben an dieser prinzipiell heilbaren Infektion mehr Menschen als in anderen Ländern. Weltgesundheitspolitisch ist die Tuberkulose damit ein Indikator für Armut, Elend und Unterernährung.

Antibiotika-Resistenz

Bedeutsam ist auch für Österreich die Zahl der Antibiotika-resistenten TB-Fälle. „Die Therapie multiresistenter (MDR-TB) und extrem resistenter (XDR-TB) Erreger ist deutlich komplizierter, langwieriger und mit mehr Nebenwirkungen behaftet“, betont Flick. „Sie verursacht hohe Therapiekosten und trotz aller Bemühungen kann in Einzelfällen eine Heilung nicht immer erreicht werden.“

In Österreich wurden im Jahr 2008 13 MDR- und vier XDR-TB, im Folgejahr (2009) 19 MDR- und zwei XDR-TB behandelt.

Diese komplizierten Infektionen wurden fast ausschließlich in Zusammenhang mit globalen Migrationbewegungen nach Österreich importiert. Die meisten dieser Patienten stammen aus ehemaligen Sowjetrepubliken, wo laut WHO in einigen Regionen der Anteil von MDR-TB bei neu diagnostizierter TB im Jahr 2010 bei bis zu 22 Prozent lag. „Das zeigt“, betont Flick, „dass die internationale Tuberkulose-Situation direkte Auswirkungen auf die nationale Situation in Österreich hat.“

Ausbreitung verhindern

Das Problem der antibiotikaresistenten TB habe sich inzwischen auch in Österreich etabliert, so Flick, eine Abnahme der Häufigkeit dieser Fälle sei derzeit nicht zu erkennen. Somit bedürfe die TB in Österreich trotz relativ niedriger Fallzahlen weiterhin größter gesundheitspolitischer Aufmerksamkeit. Flick: „Die TB-Häufigkeit muss weiter reduziert und die Ausbreitung von Antibiotika-resistenter TB in jedem Fall verhindert werden.“ Österreich ist gut aufgestellt: Die Therapie der TB erfolgt in spezialisierten und sehr erfahrenen Zentren. Seit 2009 werden alle TB-Fälle über ein elektronisches Meldesystem erfasst, es wird eng zwischen Ärzten, TBC-Fürsorgestellen, der TB-Referenzzentrale und dem Gesundheitsministerium zusammengearbeitet. „Dieses gut funktionierende Netzwerk muss auch in Zeiten der politischen Kostendiskussion erhalten, gepflegt und verbessert werden“, so Flick.

Frühdiagnose

In diesem Zusammenhang weist der Mediziner drauf hin, dass es vor allem in der Diagnostik viele Fortschritte gibt, die jetzt zunehmend Einzug in die Praxis halten. Konkret nennt er u.a. die Interferon-gamma Release Assays (kurz IGRAs), die vor allem bei Umgebungsuntersuchungen nach Kontakt mit ansteckender Lungen-TB helfen, infizierte, aber noch nicht erkrankte Kontaktpersonen frühzeitig zu erkennen und einer prophylaktischen Therapie zuzuführen. Als sehr effektiv bezeichnet Flick auch neue molekularbiologische Techniken. So können moderne PCR-Geräte bereits wenige Stunden nach Abgabe einer Sputumprobe die TB erkennen und zusätzlich sogar sofort multiresistente Erreger identifizieren. „Diese Neuerungen helfen“, resümiert Flick, „durch schnelle und sichere Identifizierung von TB-Erkrankten Therapieverzögerungen zu vermeiden und der Ausbreitung der TB effektiv entgegenzuwirken.“

 

Quellen:

WHO Report: Global Tuberculosis Control 2010

Nationale Referenzzentrale für Tuberkulose

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