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Infektiologie 3. Dezember 2010

Händewaschen statt Antibiotika?

Hygiene leistet einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung potenzieller Keimübertragung.

Internationale Studien behaupten, dass in den Ländern der industrialisierten Welt – also jenen mit Hightech-Medizin – in den Spitälern nur zu 30 Prozent korrekte Händehygiene eingehalten wird.

Seit 2002 kommt es in fast allen europäischen Ländern zu einem dramatischen Anstieg der ESBL (Extended-spectrum [beta]-lactamase) produzierenden Escherichia coli. Gleichzeitig verminderte sich seine Empfindlichkeit gegen Fluochinolone und Cephalosporine der 3.  Generation. Das ist von Bedeutung, da E. coli zu den häufigsten Verursachern von „community acquired infections“ gehört. Die wachsende Unempfindlichkeit gegen Carbapeneme stellt damit eine besondere Bedrohung dar, weil das bislang die „Reservewaffen“ der Medizin im Kampf gegen die Erreger waren und bleiben werden.

Eine rezente Arbeit in Clinical Microbiology and Infection weist ebenfalls deutlich auf die Bedeutung dieser ESBL-Keime nicht nur im Krankenhaus, sondern auch im Kommunal- und Pflegebereich hin. Übertragen werden diese natürlich vorkommende Darmbakterien durch „Schmierinfektion“, und ein häufiger Träger dieses Infektionsweges sind Hände. Schon 2006 wurde im Spitalsbereich die erhebliche Besiedelung der Fingerspitzen mit ESBL-Keimen nachgewiesen.

Ein weiterer ubiquitär vorkommender Erreger ist der (multidrug resistant) Acinetobacter, der ebenfalls über Hände, aber auch über die Luft übertragen wird. Im Spitalsbereich reichen die Übertragungsmöglichkeiten daher von medizinischen Geräten bis zur Computertastatur.

Aus dem Umgang mit den H1N1-Viren ist bekannt, welche Bedeutung der Händehygiene zukommt. Bereits durch einfaches Händewaschen ist eine Eliminationsrate von nahezu 100  Prozent möglich.

Was im Spitalsbereich Bedeutung hat, gilt auch für das „tägliche Leben“. Hygiene und Sauberkeit im Kommunalbereich wie etwa öffentlichen Toiletten, in Restaurants, Schulen oder Kindergärten werden eine steigende Bedeutung erlangen. „Das bedeutet nicht, dass unzählige Händewaschungen bis zur Zerstörung der Haut notwendig sind. Aber wer ein gesundes Bewusstsein für Hygiene entwickelt, leistet einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung potenzieller Keimübertragung“, so Dr. Oskar Janata, Emirate of Abu Dhabi.

Besondere Bedeutung hat dies vor allem bei ubiquitär vorkommenden Keime wie dem genannten Acinetobacter, dessen Bekämpfung wegen seiner generellen Verbreitung mit Antibiotika weitgehend sinnlos ist.

 

Quelle: Pressekonferenz zum Europäischen Antibiotikatag, 17. November, Wien

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