zur Navigation zum Inhalt
 
Infektiologie 23. November 2010

Fortsetzung ungewiss

Ein Pilotprojekt in Oberösterreich zum kritischen Einsatz von Antibiotika droht zu scheitern.

Vor dem Hintergrund steigender Resistenzen aufgrund unkritischer Antibiotikagabe bedarf es kollektiver ABS(antibioticstewardship)- Bemühungen von staatlichen Einrichtungen und der Pharmaindustrie, von Krankenanstaltsträgern und Krankenhäusern, von Niedergelassenem Bereich und Patienten, um auch in Zukunft die Verfügbarkeit wirksamer Antibiotika sicherzustellen. Ein Pilotprojekt in Oberösterreich zeigt die Mühen der Ebene auf.

 

Seit mehr als 10 Jahren werden ABS-Aktivitäten für Krankenhäuser in Österreich durch die ABSGROUP durchgeführt. Diese Maßnahmen können jedoch nicht unabhängig von jenen der niedergelassenen Ärzte in einer Region betrachtet werden. Vor allem werden die meisten Antibiotika in Österreich extramural verordnet.

Im Mai 2009 wurde ein Pilotprojekt „ABS & Niedergelassener Bereich OÖ“ in den Regionen Linz, Kirchdorf und Rohrbach gestartet. Ziele sind die Entwicklung und Umsetzung von ABS-Maßnahmen einerseits für den Niedergelassenen Bereich (Broschüre, Fortbildungen etc.) und andererseits für die Kooperation Krankenhaus & Niedergelassener Bereich (Infektionsbogen, gemeinsame Workshops etc.). Projektpartner sind das Bundesministerium für Gesundheit, das Land Oberösterreich, das Nationales Referenzzentrum für nosokomiale Infektionen und Antibiotikaresistenz, die OÖÄK, OÖGKK, OBGAM und ÖGAM, die Kooperations-Krankenhausträger (gespag, KH Elisabethinen Linz, Vinzenz Gruppe) und analyse BioLab. Finanziert wurde dieses Pilotprojekt durch Eigenfinanzierung der ABSGROUP und durch Unterstützung von gespag (Oö. Gesundheits- und Spitals-AG), der A.ö. Krankenhaus Elisabethinen Linz sowie der Firma Sandoz.

Für jede Pilotregion wurde ein Koordinator definiert, der als Ansprechpartner für Allgemeinmediziner der Region fungiert, Informationen an die zentrale Projektstelle weiterleitet und regionale Veranstaltungen organisiert.

Ergebnisse des Pilotprojekts

Das erste Ergebnis stellt das Handbuch ABSantibioticstewardship im Niedergelassenen Bereich“ – Diagnose und Therapie von Infektionskrankheiten dar (siehe dazu Seite 4). Zur Vorstellung dieses Handbuches, des Pilotprojekts und vor allem der zugrunde liegenden Resistenzproblematik fanden in den drei Pilotregionen Informationsveranstaltungen für Niedergelassene Ärzte statt. Darauf aufbauend wurde eine vertiefende ABS-Fortbildung angeboten, die im April 2010 in Linz unter Teilnahme von 15 Personen stattfand. Das Konzept zur ABS-bezogenen Kooperation zwischen Krankenhaus und Niedergelassenem Bereich wurde in zwei Workshops im März und Juni 2010 zusammen mit Vertretern der Kooperations-Krankenhäuser und des Niedergelassenen Bereichs erarbeitet.

Als erstes Projekt im Bezirk Rohrbach wurde als Qualitätszirkelthema Harnwegsinfekte gewählt, um die Resistenzsituation in der Region und der einzelnen Praxis festzustellen. Dazu wurde der Beschluss gefasst, fünf Monate hindurch bei allen unkomplizierten Harnwegsinfekten ein Uricult einzusenden, deren Auswertung durch analyse Biolab erfolgen soll. „Derzeit nehmen 5 von 27 niedergelassenen Allgemeinmedizinern in der Region Rohrbach teil“, betonte Dr. Erwin Rebhandl, Arzt für Allgemeinmedizin in Haslach/Mühl und Projektkoordinator in dieser Region. „Faktum ist, dass die Wichtigkeit dieses Themas allgemein anerkannt ist, jedoch ein eher geringes Engagement der Kollegen zu beobachten ist. Auch besteht keine Finanzierungsbereitschaft. Folglich sind die Fortsetzung und ein Rollout fraglich“, so das Resümee von Rebhandl.

 

Quelle: Fortbildungsveranstaltung der ABSGROUP im Rahmen des European Antibiotic Awareness Day, 16. November 2010, Wien

Von Dr. Friederike Hörandl, Ärzte Woche 47 /2010

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben