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Ob der Bibliothekar noch Zeit hat, alle Bücher zu lesen?
 
Leben 2. November 2015

Rechenfehler

Kalkulation mit dem Tod: Wie viel Zeit bleibt noch? Mit dem Alter wächst der Optimismus.

Etwa jeder zweite alte Mensch hat keine realistische Vorstellung davon, wie lange er noch lebt. In einer US-Studie erwies sich ein objektives Prognose-Tool als deutlich zuverlässiger.

In vielen Leitlinien wird empfohlen, Diagnostik und Therapie der verbleibenden Lebenserwartung anzupassen. Damit soll vermieden werden, dass Patienten die mit einer Maßnahme einhergehenden Nachteile erdulden müssen, ohne jemals noch einen Nutzen aus der Behandlung ziehen zu können.

Um eine Entscheidung für oder gegen eine Therapie zu fällen, ist es wichtig, dass der Patient ein realistisches Bild seiner Prognose vor Augen hat.

Mit ihrer Analyse wollten Rafael Romo und Kollegen von der University of California in San Francisco herausfinden, wie gut ältere Menschen ihre Überlebenszeit selbst einschätzen können.

Basis der Untersuchung waren Daten der amerikanischen Health and Retirement Study (HRS) aus dem Jahr 2000.

Die Studienteilnehmer im Alter von 64 bis 89 Jahre hatten folgende Frage beantwortet: „Wie hoch schätzen Sie Ihre Chancen ein, 75, 80, 85, 90, 95 oder 100 Jahre zu werden?“ Die Selbsteinschätzungen der Probanden verglichen Romo und Kollegen mit den objektiven Berechnungen durch den „Lee Live Expectancy Calculator“ sowie mit den Daten des Sterberegisters aus dem Jahr 2010. Lagen die 1722 Teilnehmer um mehr als 25 Prozentpunkte daneben, wurden sie als „Unterschätzer“ oder „Überschätzer“ eingruppiert.

Die 64- bis 69-Jährigen waren relativ gut in der Lage, ihre verbleibende Lebenszeit einzuschätzen. Bei den Teilnehmern ab 74 Jahren war die Übereinstimmung der subjektiven Eigenprognose mit dem tatsächlichen Überleben allerdings eher zufällig.

Das Prognose-Tool dagegen war über alle Altersklassen hinweg zuverlässiger als die Eigenprognosen der Teilnehmer. Insgesamt schätzten 54,7 Prozent der Senioren ihre verbleibenden Lebensjahre ähnlich zutreffend wie die objektive Berechnung ein. Verschätzten sie sich, dann in der Regel eher zu ihren Ungunsten (32,7 %).

Der Anteil der Überschätzer (insgesamt 11,5 %) nahm mit steigendem Alter signifikant zu ( http://goo.gl/aHw39V ).

Insbesondere mit älteren Patienten sollten Mediziner über deren Eigeneinschätzung zu ihrer Restlebenszeit ins Gespräch kommen, sagen Romo und Kollegen. Danach müsse ein Weg gefunden werden, um dem Patienten die objektive Lebenserwartung näherzubringen.

springermedizin.de, Ärzte Woche 45/2015

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