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Voraussetzung für die Bewertung von Kosmetika ist zuallererst die Hautverträglichkeit.
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Konsequente Hautpflege kann den Zustand der Epidermis nachhaltig verbessern.

 
Dermatologie 14. Oktober 2013

Kein Placebo-Effekt

Zur wissenschaftlichen Beurteilung der Wirksamkeit von Kosmetika und Nahrungsergänzungsmitteln.

„Es gibt eine Anzahl von Messmethoden, mit denen die Wirksamkeit von Kosmetika und Nahrungsergänzungsmitteln nachgewiesen werden kann, wenn die Rahmenbedingungen genau definiert sind. Dennoch gibt es Unterschiede zwischen der subjektiven Einschätzung bei einer Probandenbefragung und objektiven Messverfahren“, erklärt Univ. Prof. Dr. Ulrike Heinrich, Institut für Experimentelle Dermatologie Universität Witten/Herdecke die Problematik von Untersuchungen. So kann etwa eine Pflegecreme mit Duft eine positivere Beurteilung des Pflegeeffekts erreichen als ein geruchloses Produkt. Was wird nun versprochen, was gehalten?

„Voraussetzung für die Bewertung von Kosmetika ist zu allererst die Hautverträglichkeit“, betont die Dermatologin. Die wissenschaftliche Beurteilung der Wirksamkeit von Kosmetika und Nahrungsergänzungsmitteln war Thema der Sommerakademie der Österreichischen Apothekerkammer in Pörtschach am Wörthersee. Dass konsequente und vor allem hauttypgerechte Pflege den Hautzustand nachhaltig verbessert, zeigen zahlreiche Langzeitstudien. Um die Wirkung objektiv zu testen, steht eine Vielzahl von nicht-invasiven Methoden zur Verfügung. Im Rahmen des sogenannten „claim support“ werden klinische Studien durchgeführt, um auch der neuen EU-Kosmetikverordnung gerecht zu werden, die mit Juli 2013 in Kraft getreten ist. Es werden vor allem Messungen der Hautfeuchtigkeit, Hautelastizität, der Barrierefunktion und Strukturanalysen der Hautoberfläche durchgeführt. „Einen Placebo-Effekt kann man damit ausschließen“, betonte Heinrich.

Bei der Auswahl der großen Zahl an Angeboten mit vielversprechenden Beschreibungen kann der Kunde leicht verunsichert werden. Sicher geht man, wenn man Rat beim Dermatologen einholt. Ebenso kann auch der Apotheker bei der richtigen Auswahl helfen, mit dem Vorteil, dass die meisten Produkte vorort sind und eventuell sogar Probepackungen erhältlich sind. Auch wenn der Kunde zu einem anderen Produkt wechseln will, findet er Rat beim Apotheker.

Hautpflege mit dem Löffel

Wie auch Hautpflege von Innen erreicht werden kann, bildet u.a. einen Schwerpunkt der Untersuchungen des Instituts für Experimentelle Dermatologie. Das Potential von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) steht auf dem Prüfstand. „Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass sie gut verträglich sind, eine hohe Bioverfügbarkeit, Synergien, z.B. mit Vitaminen, haben und dem Tagesbedarf angepasst sind“, beschrieb Heinrich die Voraussetzungen. Gesunder Haut und gesundem Haar tut gesunde Ernährung gut, vor allem viele Vitamine, Mineralien, Antioxidanzien und Ballaststoffe. Die Untersuchungen des Instituts zeigten äußerst positive Wirkungen mit NEM. So bewirkte die Einnahme eines Produktes mit Rotklee-Isoflavonen, Vitaminen und Mineralstoffen eine Glättung des Oberflächenreliefs der Haut. Sowohl die Rauigkeit als auch die Schuppigkeit der Dermis konnte im Verlauf einer zwölfwöchigen Prüfung reduziert werden und auch die Barrierefunktion verbesserte sich. Das fühlt sich gut an, die Haut ist nicht mehr so trocken, sie spannt und juckt nicht mehr.

Ein Anti-Aging Konzept

Diese Untersuchungen passen auch in ein Anti-Aging Konzept der Haut. Mit NEM kann die Hautdichte und Hautdicke verbessert und die Kollagenstruktur der Dermis gestärkt werden. Eine zwölfwöchige Anwendung eines Produktes mit natürlichen Karotinoiden in Kombination mit Selen und Vitamin E führte zu einer signifikanten Verbesserung des Hautzustandes, - kein Placeboeffekt, sondern mit Ultraschall nachgewiesen! Auch andere Wirkstoffe wie Kakao-Polyphone oder Grüntee-Extrakate, mit 60 freiwilligen Probanden angewendet, erbrachten beobachtbare Verbesserungen. Neben den üblichen hautphysiologischen Parametern wurde auch eine signifikante Verbesserung der Mikrozirkulation und der Sauerstoffversorgung beobachtet.

Die Bedeutung einer gesunden Ernährung mit viel Obst und Gemüse konnte schließlich auch bei einer kontrollierten Studie mit einem Obst-Gemüse-Extrakt verdeutlicht werden. Offensichtlich liefert die tägliche Ernährung trotz eines großen Angebotes an Obst und Gemüse nicht immer eine ausreichende Versorgung mit Antioxidantien, Vitaminen und Mineralien, besonders bei älteren Menschen. Alle Studien wurden mit Vergleichsgruppen, die keine Wirkstoffe erhielten (Placebo-Gruppe) durchgeführt. Die statistischen Analysen zeigen die Veränderungen innerhalb der Behandlungsgruppen sowie den Vergleich zwischen den Gruppen auf.

Die Wirkung nachhaltiger Hautpflege und gesunder Ernährung lässt sich schließlich nicht nur in Analysen, sondern auch durch einen Blick in den Spiegel erkennen.

Quelle: Sommerakademie der Österreichischen Apothekerkammer, 21.- 23. Juni 2013, Pörtschach am Wörthersee, Kärnten.

Gerta Niebauer, Apotheker Plus 8/2013

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