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Foto: ©iStockphoto.com/Andy445
Den Lauf der Zeit umkehren – ein alter Menschheitstraum.
 
Dermatologie 2. März 2010

Die Spuren der Zeit verwischen

Salzburger Forscher untersuchen die Ursachen der Hautalterung auf molekularer Ebene und suchen nach Arzneien, die Alterungsprozesse regulieren können.

Forscher der Universitätsklinik für Dermatologie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg starten das Projekt „Hautalterung“, in dem sie die Alterungsphänomene analysieren, um neue Behandlungsansätze zur Regeneration zu finden.

 

Die zellulären Veränderungen, die während der Alterung der Haut vor sich gehen, sind trotz intensiver Forschung noch weitgehend unbekannt. Die Hautalterung kann in vier Phasen aufgeteilt werden. Die muskuläre Hautalterung setzt ab einem Alter von rund 25 Jahren ein und hat ihre Ursache in der ständigen Anspannung und Entspannung der Gesichtsmuskulatur, die zu dauerhaften Fältchen führen kann. Die chronologische Hautalterung beginnt im Alter von etwa 40 Jahren. Ab diesem Alter werden unter anderem Kollagen und Elastin vermindert produziert, wodurch das Stützgerüst der Haut geschwächt wird. Die hormonelle Hautalterung beginnt mit dem Einsetzen des Klimakteriums; die Haut wird dünner. Ab 60 Jahren verlangsamt sich die Aktivität der Hautzellen deutlich. Sehr reife Haut produziert immer weniger Talg und kann austrocknen.

Genexpression und Stammzellen

Der Hautalterungsprozess kann mit medikamentösen Behandlungsstrategien beeinflusst werden. Diese beschränken sich aber teilweise auf rein physikalische Maßnahmen wie das Einspritzen von Kollagenprodukten. Andere Präparate sind mit Nebenwirkungen behaftet. Hier sind vor allem Retinoide zu nennen.

Im angekündigten Forschungsprojekt wollen die Forscher an der Universitätsklinik für Dermatologie die Alterungsphänomene von Grund auf analysieren, um im Anschluss daran Ansatzpunkte für eine medikamentöse Therapie zu erhalten. Dazu werden von menschlicher Oberhaut und Unterhaut separat Proben hergestellt und auf Unterschiede in der Gen-Expression untersucht. Wie schnell und auf welche Art die Haut altert, ist schließlich, neben Umweltfaktoren und der Lebensweise, auch wesentlich vom genetischen Profil abhängig. Von ausgewählten Genen werden das molekulare Umfeld und die Stoffwechselwege näher untersucht.

„Ziel ist, in naher Zukunft durch Erkenntnisse aus dieser Forschung neue Strukturen in Medikamenten zu ermöglichen, die den Alterungsprozess regulieren“, sagt Projektleiter Dr. Johann Bauer. Ein vielversprechender Ansatzpunkt sind G-Protein-gekoppelte Rezeptoren, auf die rund die Hälfte aller Medikamente wirken.

„In unseren Labors wurde jetzt herausgefunden, dass die Rezeptoren bisher unbekannte Verbindung zu Stoffwechselwegen in der Zelle haben“, so Bauer. „Diese haben einen direkten Einfluss auf die Festigkeit der Haut.“

Darüber hinaus wollen die Forscher das Potenzial von induzierten Stammzellen verstärkt nutzen und die Möglichkeit untersuchen, aus körpereigenem Fettgewebe Stammzellen zu gewinnen: „Diese können dann in verschiedenen Organen zur Regeneration eingesetzt werden“, erklärt Bauer. „In der Dermatologie zeichnen sich bereits einige Einsatzgebiete ab, wie alternde Haut oder Hautverbrennungen schon bald von diesbezüglichen Innovationen profitieren können.“

Die geplante Laufzeit dieses Projekts beträgt ein Jahr. Das Projekt wird von der DM Drogerie Markt GmbH unterstützt. Es ist das erste Mal, dass DM sich an Grundlagenforschung beteiligt. Weitere Projekte, die in den letzten Jahren in Kooperation mit der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität realisiert worden sind, waren unter anderem die Aufklärungsoffensive „Sonnenkinder“, die „Leichter-Leben-Tour“ mit Gesundheitscheck und die Vorsorgekampagne „Gesundes Salzburg 2010“, eine Langzeitstudie, mit der Mediziner und Wissenschaftler bei tausenden Salzburgerinnen und Salzburgern in zehn Gemeinden den Nachweis erbringen wollen, dass durch einen geänderten Lebensstil das kardiovaskuläre Risiko (Herzinfarkt, Schlaganfall) erheblich gesenkt werden kann. Die Ergebnisse werden heuer zur Jahresmitte präsentiert. Der Fonds Gesundes Österreich, das Land Salzburg und die Ärztekammer unterstützen ebenfalls diese einzigartige gesundheitsfördernde Initiative.

 

 

Quelle: Pressegespräch in der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg am 19. Februar 2010

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