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Pflege 23. Juni 2009

Testosteron ist kein Demenzschutz

Wiener Studie untersuchte den Einfluss des Hormonspiegels.

Immer wieder gab es Hinweise darauf, dass Androgene die kognitive Funktion und Stimmung beeinflussen. Insgesamt ist die Datenlage allerdings widersprüchlich. Im Rahmen der VITA-Studie (Vienna Transdanube Aging) wurde der Zusammenhang untersucht.

Die VITA-Studie ist eine prospektive, populationsbasierte Kohortenstudie, die alle 75-jährigen Bewohner im 21. und im 22. Wiener Bezirk umfasst. Von den angeschriebenen 1.920 Personen antworteten 606, von denen wiederum 247 Männer waren. Ziel der vom Ludwig Boltzmann Institut durchgeführten Studie war es, Prädiktoren für eine spätere Demenz zu identifizieren. In die Analyse wurden nur Männer eingeschlossen, die keine Krebserkrankung hatten und nicht mit Hormonen behandelt wurden.

Zu Studienbeginn hatte etwa ein Drittel der Männer erniedrigte Serum-Testosteron-Spiegel (unter 350 ng/100ml), ein Drittel erniedrigte DHEAS (Dehydroepiandrosteron Sulfat)-Spiegel. 7,5 Prozent der Männern litten gemäß standardisierter und validierter Tools an einer Depression, 4,7 Prozent an einer Alzheimer-Demenz. Am Ende der fünfjährigen Beobachtungszeit war der Anteil der Männer mit vermindertem Serum-Testosteron-Spiegel bzw. erniedrigtem DHEAS-Spiegel nur leicht angestiegen. Dagegen waren zu diesem Zeitpunkt sehr viel mehr Männer depressiv (23,3 Prozent) und dement (29,5 Prozent).

Wie sich bei genauerer Analyse ergab, waren die Testosteronspiegel aber ohne Einfluss auf die Prävalenz und Inzidenz einer Depression oder Demenz. Der mittlere Testosteronspiegel hatte zu Beginn 398,1 ng/100 ml bei depressiven Männern und 431,7 ng/100 ml bei nicht-depressiven betragen. Auch zur Unterscheidung von Männern, die im weiteren Verlauf eine Demenz entwickeln, eignete sich der Testosteronspiegel nicht. Der Mittelwert hatte zu Beginn bei Männern mit Alzheimer Demenz 406,3 ng/100 ml betragen gegenüber 429,5 ng/100 ml ohne Demenz. Die zu Beginn gestellte Frage muss demnach verneint werden.

Quelle: Ponholzer, A. et al. Int J Impot Res. 2009; 21(3): 187–91 .

Uro-News/PH, Ärzte Woche 25 /2009

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