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Innere Medizin 9. März 2015

Hyperurikämie und ED

Alle Männer mit Gicht sollten auf Potenzstörungen angesprochen werden.

Dass Männer mit Gicht ein erhöhtes Risiko für erektile Dysfunktion haben, überrascht nicht wirklich. Schließlich ist die symptomatische Hyperurikämie häufig Teil eines metabolischen Syndroms. Für den Rheumatologen könnte die Koexistenz beider Krankheiten aber ein Hinweis auf ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko des Patienten sein.

Wie eine Untersuchung von Prof. Dr. Naomi Schlesinger, Rutgers-Robert Wood Johnson Medical School, New Brunswick, USA, ergab, leidet der Großteil der männlichen Gicht-Patienten auch an einer erektilen Dysfunktion (ED), häufig sogar an einer schweren Form. Von den 201 untersuchten Männern hatten 83 eine Gicht. Im Vergleich zur Kontrollgruppe aus kranken Männern ohne Gicht wiesen sie mit 76 versus 52 Prozent signifikant häufiger eine ED auf. 43 versus 30 Prozent litten an schwerer ED. Bei Patienten mit tophöser Gicht oder einer Krankheitsdauer von mindestens 20 Jahren, also einer hohen Krankheitslast, war die Korrelation noch höher.

Die Rheumatologin plädierte daher beim EULAR-Kongress dafür, alle Männer mit Gicht auf eine ED zu screenen, und zwar nicht nur, weil dies die Möglichkeit eröffne, die Männer früher einer adäquaten Therapie zuzuführen. Für den Rheumatologen könne die ED ein Hinweis auf eine bereits bestehende stumme koronare Herzerkrankung sein. Dies sei vor dem Hintergrund zu sehen, dass die chronisch entzündliche Arthritis per se einen kardiovaskulären Risikofaktor darstellt und mit der ED eine weitere „red flag“ dazukomme. Ein Blick über den Zaun der eigenen Disziplin sei also sinnvoll. Ein Patient mit ED ist laut Schlesinger als kardiovaskulärer Risikopatient anzusehen.

Darüber hinaus zeigt das Ergebnis der Studie erneut, dass die Gicht keineswegs eine nicht ernst zu nehmende Stoffwechselerkrankung ist. Vielmehr ist sie eine immer häufiger anzutreffende Arthritisform, die konsequent und frühzeitig behandelt werden sollte. Nach der in derselben Sitzung vorgestellten neuen EULAR-Leitlinie zur Gicht sollte mit der Therapie bereits beim ersten Auftreten eindeutiger klinischer Zeichen begonnen werden. Es müssen also nicht mehr wie bisher drei Flares abgewartet werden, bevor pharmakologisch interveniert werden kann, wie Prof. Dr. Thomas Bardin, Department of Rheumatology at Hôpital Lariboisière, Paris, Frankreich, berichtete. Auch bei dem anzustrebenden Serumwert sind die Ziele nun höher gesteckt. Die EULAR plädiert nun für eine Senkung des Harnsäurespiegels auf einen Wert von < 6 mg/dl, in bestimmten Situationen sogar auf < 5mg/dl, und das bis alle Tophi verschwunden sind.

springermedizin.de, Ärzte Woche 11/2015

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