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Urologie 9. März 2015

Wiener Wahrscheinlichkeitsrechnung

Heimische Forscher entwickeln optimiertes PSA-Screening-Programm.

Der PSA-Test als Indikator für Prostatakrebs gilt in der Urologie als höchst umstritten, da er nicht immer eindeutig ist. Ein Forscherteam des Comprehensive Cancer Center der MedUni Wien hat nun ein Modell geschaffen, das mithilfe der Methoden der personalisierten Medizin die Schwächen des PSA-Screenings ausgleichen soll.

In Österreich erkranken laut Statistik Austria pro Jahr rund 4.700 Männer an einem Prostatakarzinom (Adenokarzinom). Im gleichen Zeitraum sterben 1.146 der Betroffenen. Das PSA (Prostata-spezifisches Antigen) ist der wichtigste Marker, der zur Diagnose des Prostatakarzinoms herangezogen wird. Er gilt in der Fachwelt allerdings als zu ungenau und daher lediglich als Indikator. Ein Team von Wissenschaftlern rund um Prof. Dr. Shahrokh Shariat, Leiter der Universitätsklinik für Urologie der MedUni Wien und des AKH Wien, hat nun ein Programm entwickelt, das das Testverfahren optimiert. Damit soll die Vorsorge im Bereich Prostatakrebs ganz entscheidend verbessert werden.

Noch immer der beste Biomarker in der Onkologie

„Das PSA ist zwar kein idealer Marker, aber dennoch der beste diagnostische Biomarker in der gesamten Onkologie“, , sagte Shariat anlässlich des Welt-Krebstags am 4. Februar. „Vor allem für Männer im jungen Alter, also um die 40 bis 45 Jahre, ist er sehr aussagekräftig, was die Risikovorhersage für Prostatakrebs betrifft.“ Das belegen auch die Daten: Seit Einführung des PSA-Screenings ist die Mortalität im Bereich Prostatakrebs um 40 Prozent gesunken. „Es stellt sich also nicht die Frage, ob man PSA-Screenings machen soll oder nicht. Es geht vielmehr darum, sie klug durchzuführen“, meint Shariat.

Personalisierte Medizin auch beim PSA-Test

Der wunde Punkt des PSA-Testes ist, dass ein erhöhter PSA-Wert nicht immer ein Hinweis auf ein gesteigertes Risiko für Prostatakrebs oder gar das Vorhandensein eines Karzinoms ist. Dennoch erfolgte bisher bei einem hohen PSA-Wert eine aggressive Therapie, die häufig mit hohen Risiken, wie Inkontinenz oder erektilen Funktionsstörungen, einherging. Um diesen Nebenwirkungen der „Übertherapie“ entgegen zu wirken, wurde von Shariat und seinem Team ein Programm entwickelt, das sich die Methoden der personalisierten Medizin zunutze macht.

Ist der Patient noch jung und der PSA-Wert nur wenig erhöht, wird er aktiv überwacht, das heißt, regelmäßig nachkontrolliert. Damit werden unnötige Eingriffe verhindert und gleichzeitig sichergestellt, dass eine bösartige Entwicklung des Tumors nicht unentdeckt bleibt. Ist der Wert so erhöht, dass man eine Biopsie in Erwägung ziehen muss, wird der Test innerhalb von längstens zwölf Wochen wiederholt und es werden weitere Biomarker und mathematische Rechenmodelle in die Entscheidungsfindung einbezogen.

Profil der Tumorzelle wird erstellt

„Zusätzlich zum PSA-Test erstellen wir mithilfe der neuen molekularen Verfahren in der Bildgebung und der Pathologie ein umfassendes biologisches Profil der Zelle. Das macht es uns möglich, im Tumorboard eine genaue Risikovorhersage zu treffen, den Tumor genau zu lokalisieren und seine molekulare Struktur zu bestimmen“, erklärt Shariat. „Zusätzlich ziehen wir spezielle Rechenmodelle zur Erstellung der Prognose heran.“

Die Ärzte können mit dieser Methode besser abschätzen, ob eine Behandlung nötig und sinnvoll ist und wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Patient auf eine chirurgische oder medikamentöse Therapie anspricht. Damit können Betroffenen unnötige Behandlungen und eventuell auch Nebenwirkungen erspart werden.

Sollte das Tumorboard doch eine Operation als Therapie der Wahl empfehlen, rät Shariat dringend dazu, die OP in einem Schwerpunktspital mit hoher Frequenz durchführen zu lassen, da dort das nötige Know-How der Ärzte, die erforderliche Routine und die entsprechenden Diagnoseverfahren vorhanden sind. Shariat: „In diesen Spitälern gibt es auch die neueste Spezialausrüstung. So verfügen MedUni Wien und AKH Wien beispielsweise über den neuesten Da Vinci Roboter, der den Eingriff präziser und für die Patienten verträglicher macht.“

MedUni Wien, Ärzte Woche 11/2015

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