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Prof. Dr. Günther Janetschek, Prof. Dr. Rosemarie Forstner (Universitätsinstitut für Radiologie, PMU), Prof. Dr. Sangeet Ghai (Department of Medical Imaging, University of Toronto)
 
Urologie 28. November 2014

Gezielte fokale Therapie mit MRI

Bei der Diagnostik und in der Behandlung des Prostatakarzinoms steht ein Paradigmenwechsel bevor.

Urologen wird oft der Vorwurf gemacht, dass sie das Prostatakarzinom überbehandeln. Auch die Effizienz der Diagnostik wird häufig kritisiert. Jetzt könnte aber alles anders werden.

„Bisher haben wir in vielen Bereichen blind agieren müssen. Die neue Realität heißt gezielte Diagnostik und gezielte Therapie“, sagt Prof. Dr. Günther Janetschek, Vorstand der Universitätsklinik für Urologie und Andrologie, PMU.

Multiparametrisches MRI

Mithilfe eines speziellen Programmes bei der Magnetresonanztomographie (multiparametrisches MRI) wird das bisher in der Bildgebung nur ausnahmsweise darstellbare Prostatakarzinom nun plötzlich sichtbar. Das trifft vor allem für die aggressiven Karzinome zu, die unbedingt behandelt werden sollen. „Die Sensitivität und Spezifität des multiparametrischen MRI sind höher als bei jeder vergleichbaren Methode“, betont Janetschek. Die Pionierarbeit für dieses Verfahren, das vom Salzburger Universitätsinstitut für Radiologie seit längerem routinemäßig angeboten wird, wurde in Holland geleistet.

Bildfusion ermöglicht jetzt direkte Visualisierung

„Die einzige Möglichkeit, ein Prostatakarzinom definitiv zu diagnostizieren, ist die Biopsie der Prostata“, erklärt Janetschek. „Bisher musste diese Biopsie wegen der beschränkten Möglichkeiten der Bildgebung blind, das heißt letztlich zufällig erfolgen. Deshalb konnte durch eine negative Biopsie ein Karzinom nicht endgültig ausgeschlossen werden, was zu einer hohen Rebiopsierate und deshalb zu einem hohen Leidensdruck der Patienten führte.“

Eine spezielle Technologie, die Bildfusion, ermöglicht jetzt die direkte Visualisierung der Information des multiparametrischen MRI bei der ultraschallgesteuerten Biopsie, die dadurch nicht mehr blind, sondern gezielt erfolgt. Die Salzburger Universitätsklinik für Urologie und Andrologie ist die erste und derzeit noch einzige Urologie, die diese Technologie der Zukunft in Österreich anbietet.

Lymphknoten sichtbar mit fluoreszierendem Farbstoff

Bei der operativen Entfernung des Prostatakarzinoms werden auch die Lymphknoten entfernt, da hier das Risiko einer Metastasierung am größten ist. Auch diese Entfernung der Lymphknoten erfolgt blind. Janetschek: „Wir haben hier in Salzburg eine spezielle Technik entwickelt, um die Lymphknoten der Prostata während der Operation für die gezielte Entfernung sichtbar zu machen. Dafür wird direkt vor der OP ein fluoreszierender Farbstoff in die Prostata eingebracht. Mithilfe der Fusionstechnik konnten wir dieses Verfahren noch weiter verfeinern. Jetzt sehen wir ganz spezifisch die Lymphknoten des Karzinoms.“

Kombination eröffnet neue Optionen

Durch die Kombination von multiparametrischem MRI und der Fusionstechnologie eröffnet sich eine ganz neue Option, nämlich: die gezielte fokale Therapie des Prostatakarzinoms, ohne das gesamte Organ zu entfernen. „Die fokale Therapie des Prostatakarzinoms ist keine Zukunftsvision mehr, sondern wird bereits von mehreren Zentren in Europa angeboten“, sagt Janetschek. „Wir sind dabei, diese Therapieform auch bei uns in Salzburg einzuführen, und haben deshalb die weltweit renommiertesten Experten dieser fokalen Therapie – Prof. Mark Emberton aus London und Prof. Sangeet Ghai aus Toronto – zu uns eingeladen.“

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