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Urologie 25. März 2013

Androgenentzug per Pflaster

Beim Prostatakarzinom könnte das Östrogenpflaster eine unkomplizierte Variante der Androgendeprivation bieten.

Östrogenpflaster zum Androgenentzug scheinen bei Männern mit Prostatakarzinom eine ebenso effektive Strategie zu sein wie die Therapie mit GnRH-Agonisten. Dies legt eine Phase-II-Studie aus Großbritannien nahe.

Für die Androgendeprivation bei Prostatakarzinom werden gegenwärtig in erster Linie GnRH-Agonisten eingesetzt. Diese Therapie ist allerdings durch langfristige Risiken belastet. Dazu gehören Osteoporose, Dyslipidämien und Typ-2-Diabetes.

PATCH-Studie

Britische Forscher haben an 250 Patienten mit lokal begrenztem oder metastasiertem Prostatakarzinom die Effektivität eines Östrogenpflasters (100 Mikrogramm pro 24 h) mit der Standardtherapie verglichen.

In der PATCH-Studie (Prostate Adenocarcinoma: TransCutaneous Hormones versus luteinizing hormone-releasing hormone agonists), einer multizentrischen Phase-II-Studie, senkten beide Strategien den Testosteronspiegel in etwa gleichem Maße, aber nur, wenn in der Östrogengruppe die Dosis „stimmte“, das heißt, wenn mit vier Pflastern begonnen wurde, die zweimal wöchentlich gewechselt wurden. Nach vier Wochen konnten die Patienten auf drei Pflaster reduzieren, wenn die Testosteronkonzentration auf das erforderliche Niveau (1,7nmol/l oder weniger) gesunken war; dies entspricht einer chemischen Kastration.

Vergleichbare Kastrationsraten

Das Kastrationsniveau hatten in der Östrogengruppe nach drei Monaten 92 Prozent der Teilnehmer erreicht, in der GnRH-Gruppe lag die Erfolgsrate in dieser Zeit bei 93 Prozent. Die anfängliche Strategie mit drei Östrogenpflastern zu Beginn, die dann auf zwei reduziert wurden, führte dagegen nur in 69 Prozent zum Erfolg. Östrogen blockiert die Hypothalamus-Hypophysen-Achse, erklären die Autoren den zugrunde liegenden Mechanismus. Bei oraler Verabreichung steigt unter Östrogen das Risiko für Thrombembolien. Diese Gefahr ist bei transkutaner Applikation deutlich geringer.

Kardiovaskuläre Ereignisse in zehn Prozent

Zu kardiovaskulären Ereignissen, darunter auch Schlaganfälle und venöse Thromboembolien, kam es dennoch bei etwa zehn Prozent der Patienten, die ein Pflaster verschrieben bekommen hatten (in der GnRH-Gruppe waren es sieben Prozent). Der Unterschied war wegen des weiten Konfidenzintervalls jedoch nicht signifikant. In der Östrogengruppe hatte zudem die Hälfte der Betroffenen das Pflaster seit mindestens 30 Tagen abgesetzt und war zu GnRH-Analoga geswitcht.

Im Vorteil waren die Patienten mit Östrogenpflaster bei der Nüchternglukose und dem Gesamtcholesterin. Diese Werte waren in der GnRH-Gruppe um 0,33 bzw. 0,20 mmol/l gestiegen, in der Pflastergruppe um 0,16 bzw. 0,23 mmol/l gesunken. Dagegen führte die Östrogentherapie deutlich häufiger zu einer Gynäkomastie (75% vs. 19%), auch leichte Hautprobleme traten häufiger auf (42% vs.13%).

Kostengünstige Alternative

Das Östrogenpflaster ist möglicherweise eine kostengünstige Alternative zum Androgenentzug mit GnRH-Analoga, resümieren die Autoren. Die Patienten können die Pflaster selbst anlegen, zudem vermeiden sie damit einige Nebenwirkungen der GnRH-Therapie.

Eine große Phase-III-Studie ist in Vorbereitung. Sie soll klären, wie sich das Östrogenpflaster auf das progressionsfreie Überleben auswirkt, welche Risiken bei Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen bestehen und welche Effekte auf den Knochenstoffwechsel, die Lebensqualität (einschließlich sexueller Dysfunktion) und die kognitiven Fähigkeiten zu erwarten sind.

Quelle: Langley RE et al.: Lancet Oncol 2013, online 4. März 2013; doi: 10.1016/S1470-2045(13)70025-1

springermedizin.de , Ärzte Woche 13/2013

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