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Sexuelle Probleme beim Mann können in einer Prostatitis begründet sein.
 
Urologie 25. Februar 2013

Asymptomatische Prostatitis

Unterschätzte Ursache für erektile Dysfunktion und Ejaculatio präcox.

Stecken Entzündungen der Prostata häufiger hinter sexuellen Problemen als bisher vermutet? Studien, die beim Europäischen Andrologenkongress (ECA) vorgestellt wurden, deuten zumindest in diese Richtung.

Experten der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Tartu in Estland haben bei 132 beschwerdefreien Männern, die sich einem Gesundheitscheck unterzogen haben, gezielt die Prostata untersucht und nach einem Zusammenhang mit erektiler Dysfunktion (ED) gefahndet. Unter anderem wurden weiße Blutkörperchen im Prostatasekret und im Urin gemessen. Außerdem wurden das Prostatavolumen und die maximale Flussrate bei der Miktion bestimmt. Für die Diagnose einer ED wurde der IIEF-5-Score herangezogen. Ein IIEF-5 unter 22 Punkten galt als ED.

Signifikanter Unterschied

Wie Studienleiter Kristo Ausmees erläuterte, wurden für die Auswertung drei Gruppen gebildet, je nach Menge an weißen Blutkörperchen im Prostatasekret. Es zeigte sich, dass der mediane IIEF-Score in der Gruppe mit hoher Leukozytenkonzentration (≥ 1x106 WBC/ml) mit 16 Punkten signifikant geringer war als in den beiden anderen Gruppen, wo im Median jeweils 19 Punkte erreicht wurden (p=0,021).

Prozentual gesehen hatten in der Gruppe mit hoher Leukozytenkonzentration 85 Prozent der Teilnehmer (mittleres Alter 59 Jahre) eine ED. In den beiden anderen Gruppen waren es 73 beziehungsweise 74 Prozent. „Diese Daten deuten darauf hin, dass eine asymptomatische Prostatitis im fortgeschrittenen Alter ein Risikofaktor für eine erektile Dysfunktion sein kann“, so Ausmees.

Assoziation mit Ejaculatio präcox

Sexualmediziner der Universität Florenz haben in einer etwas anders konzipierten Studie ebenfalls Hinweise darauf gefunden, dass eine Prostatitis mit sexuellen Problemen in Zusammenhang steht, in diesem Fall mit Unfruchtbarkeit. Sie haben 244 junge Paare (mittleres Alter 35 Jahre) evaluiert, die gerne Kinder wollten, aber keine bekamen. Im Rahmen der Beratungen wurden unter anderem Prostatitissymptome sowie das Vorliegen einer Ejaculatio präcox abgefragt.

Im Ergebnis lag bei 16 Prozent der Männer eine Ejaculatio präcox vor, zwei Drittel davon wurden als „erworben“ klassifiziert. Diese Quote sei um etwa die Hälfte höher als bei altersgleichen italienischen Kontrollprobanden, betonte Studienarzt Francesco Lotti. Die Italiener konnten außerdem einen klaren statistischen Zusammenhang zwischen Ejaculatio präcox und Prostatitis-Symptomen demonstrieren. Für letztere wurde der NIH Chronic Prostatitis Symptom Index herangezogen. Obwohl auch bei dieser Studie aufgrund des Studiendesigns keine Aussagen zum ursächlichen Zusammenhang zwischen sexueller Störung, Infertilität und Prostatitis möglich sind, halten die Experten den beobachteten Zusammenhang doch für relativ robust. Sie empfehlen, bei unfruchtbaren Paaren, bei denen eine erworbene Ejaculatio präcox im Spiel ist, nach einer Prostatitis zu fanden und sie gegebenenfalls zu behandeln.

Quelle: 7th European Congress of Andrology (ECA 2012), Abstract 25/28

springermedizin.de/gvg, Ärzte Woche 9/2013

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