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Innere Medizin 17. Juli 2017

Im Test stinken Duftstoffe ab

Kontaktallergien. Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmittel sowie Weichspüler enthalten häufig Duftstoffe, die beim Verbraucher eine Überempfindlichkeitsreaktion hervorrufen können. Handelt es sich um eine Kontaktallergie, besteht diese in der Regel lebenslang; als Ausweg hilft nur das Meiden des Allergens.

In fünf europäischen Ländern konnten Allergologen jetzt das Ausmaß von Kontaktallergien gegen Duftstoffe in einer großen Querschnittstudie ermitteln. Zunächst befragten sie eine repräsentative Stichprobe von 12.377 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren. Eine der gestellten Fragen war, ob sie spezielle Kosmetikartikel wegen Hautreizungen oder allergischer Hautprobleme meiden würden. 37 Prozent berichteten, dass sie teilweise auf Hautpflegeprodukte verzichten würden, darunter vor allem Deodorants (17 %), Hautcremes (12 %), Lidschatten (9 %) und Parfüms (8 %). Fast 20 Prozent hatten Probleme mit Shampoos, Haarfärbemittel und Zahnpasten.

Aus der Gesamtstichprobe wurden dann randomisiert 3.119 Personen auf eine Duftstoffallergie getestet: zur Anwendung kamen als Testverfahren sowohl der „Thin-Layer Rapid Use Epicutaneous“-Test (TRUE) als auch der klassische Epikutantest (mit den Testsubstanzen in Vaseline verpackt und dann eingebracht in sogenannte Finn-Chambers). Als Substanzen wurden Duftstoffmischungen mit Atranol und Chloratranol (enthalten in Eichenmoos) sowie Zimtaldehyd, Geraniol, Eugenol und Bestandteile von Zitronenmelisse verwendet. Beim TRUE-Testverfahren wurde bei 1,8 Prozent eine allergische Reaktion auf Duftstoffe beobachtet, beim Test mit der Finn-Chamber bei 2,6 Prozent. Erwartungsgemäß zeigten sich Atranol und Chloratranol als die stärksten Allergene mit 39 Prozent der positiven Resultate (d. h. 32 von 82 positiv getesteten Personen), gefolgt von Zimtaldehyd mit 26 Prozent und Hydroxycitronella mit 15 Prozent. Frauen waren doppelt so häufig vertreten als Männer.

Auch Naturprodukte bedenklich

Aufgrund dieser Ergebnisse – vorgelegt von Diepgen et al. (Prevalence of fragrance contact allergy in the general population of five European countries: a cross sectional study. Br J Dermatol 2015; 173) – und vorangegangener Studien stufte die EU-Kommission diese Stoffe in Pflegeprodukten bereits als „nicht sicher“ ein, acht weitere Naturprodukte wurden ebenfalls aufgrund bedenklicher Testergebnisse als „besonders bedenklich“ bezeichnet. Insgesamt sind zwei bis drei Prozent der erwachsenen europäischen Bevölkerung gegen Duftstoffe allergisch; eine Zahl, die stetig im Anwachsen begriffen ist.

Für Eugenol, das natürlicherweise in Nelkenöl, Piment – und Zimtöl vorkommt sowie für Atranol und für Chloratranol – als Vertreter von den am meisten verwendeten Duftnoten in Parfüms – werden in nächster Zeit bei den Herstellern von Duftnoten Alternativen mit weniger Allergiepotenzial gesucht. Der Firma Guerlain sei es bereits gelungen, ein allergieauslösendes Molekül im Eichenmoos zu ersetzen, andere Parfümeure tauschen das Eichenmoos durch Patschuli-Noten aus. Möglicherweise werden in Zukunft rein synthetische Aromen hergestellt, um angenehme und erwünschte Duftnoten zu imitieren.

Der Originalbericht „Kontaktallergien gegen Duftstoffe mit klinischer Bedeutung“ ist erschienen in „pädiatrie: Kinder und Jugendmedizin hautnah“ 28/2016, DOI 10.1007/s15014-016-0654-6, © Springer Verlag

Frauen leiden öfter und heftiger unter Allergien.Einerseits erhöhen weibliche Sexualhormone das Risiko und die Symptomatik von Asthma und Allergien, andererseits haben auch Hormonpräparate wie die Anti-Baby-Pille eine Bedeutung.

Ulrich Mutschler

, Ärzte Woche 23/2017

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