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Gastroenterologie 26. September 2016

Jucken durchs Schlucken

Expertenbericht. Eine generalisierte Nickeldermatitis in Kombination mit gastrointestinalen Beschwerden bei Kindern kann auf verschluckte Münzen hinweisen.

In der Literatur sind nur wenige Fälle einer kontaktallergischen Gastritis bei Menschen beschrieben. Tierexperimentell haben sich nur wenige Arbeitsgruppen mit der Thematik beschäftigt. In den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gelang es, in Magen- und Kolonschleimhaut von Meerschweinchen eine allergische Reaktion vom Spättyp zu induzieren. Durch intrakutane oder epikutane Applikation von u.  a. 2,4-Dinitrochlorbenzol wurde eine Sensibilisierung induziert und anschließend eine orale Challenge durchgeführt. Nakajima gelang es, durch das gleiche Procedere bei Meerschweinchen eine allergische Gastritis durch die Gabe von Natriumbichromat, Dinitrofluorbenzol oder Pikrylchlorid hervorzurufen.

Die wenigen publizierten Fallberichte von Menschen mit allergischer Gastritis betreffen fast ausschließlich Kinder, die Münzen verschluckt hatten. Im Jahr 1996 wurde der Fall eines 8 Jahre alten Mädchens aus Kanada veröffentlicht, das versehentlich eine nickelhaltige 25-Cent-Münze verschluckt hatte. In der Vergangenheit hatte das Mädchen nach Tragen nickelhaltiger Ohrringe und einer Brille ein Kontaktekzem an den Auflagestellen entwickelt.

Nach Verschlucken der Münze entwickelte sich innerhalb von 24 Stunden ein generalisiertes Exanthem, beginnend an den ehemaligen Ekzemarealen. Die Münze wurde mittels Gastroduodenoskopie entfernt. Biopsien, die im Rahmen der Prozedur entnommen wurden, zeigten histologisch eine Gastritis und Duodenitis mit einem Infiltrat aus Eosinophilen, Lymphozyten und Plasmazellen. Eine gastrointestinale Beschwerdesymptomatik hatte nicht bestanden. Nach Entfernen der Münze bildete sich das juckende Exanthem binnen weniger Stunden spontan zurück. Ein Fallbericht aus dem Jahr 2011 betraf einen 2 Jahre alten kanadischen Jungen, der mit einer stark juckenden Erythrodermie und Fieber in der Notaufnahme vorstellig wurde. Eine Röntgenuntersuchung des Abdomens zeigte Münzen im Magen.Im Rahmen einer Gastroskopie konnten ein kanadischer Quarter (nickelhaltige 25-Cent-Münze) und ein „Nickel“ (5-Cent) geborgen und entfernt werden. Unter kurzzeitiger systemischer Kortikosteroidgabe kam es rasch zu einer vollständigen Rückbildung der Hautveränderungen und des Juckreizes. Weitere Berichte dokumentieren eine generalisierte Nickeldermatitis in Kombination mit einer Gastritis bei Kindern, die Münzen verschluckt hatten. Fazit: Fälle einer generalisierten Nickeldermatitis in Kombination mit gastrointestinalen Beschwerden bei Kindern können auf verschluckte Münzen hinweisen.

Der Originalartikel „Kontaktallergische Gastritis. Seltene Manifestationen einer Metallallergie“ ist erschienen in „Der Hautarzt“ 67/2016, doi:10.1007/s00105-016-3773-7, ©Springer-Verlag Berlin Heidelberg.

Die Erstautorin, Prof. Dr. Claudia Pföhler, ist am Universitätsklinikum des Saarlandes, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, tätig.

Claudia PföhlerThomas Vogt, Cornelia S. L. Müller

, Ärzte Woche 39/2016

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