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Ein eingeschleustes Allergen (Pferd samt Griechen) schlummert wie ein „trojanisches Pferd“ auf der Zelle (in Troja) – kommt es dann zu einem Kontakt mit dem entsprechenden Allergen (schlafendes trojanisches Volk), so ist der Körper immun gegen diesen „Ang
 
Immunologie 19. April 2016

Allergene als „trojanisches Pferd“

Künftig könnte es möglich sein, mit einer Impfung Allergien noch vor dem Auftreten zu verhindern.

Wissenschaftlern der Medizinischen Universität Wien ist es gelungen, Allergene an köpereigene Leukozyten zu binden, um bei einem zukünftigen, möglichen Kontakt mit dem betreffenden Allergen eine Toleranzreaktion auszulösen.

In einer Tiermodell-Studie haben sich die Forscher einer Methode bedient, die ursprünglich in der Transplantationsmedizin eingesetzt wird – nämlich das Auslösen einer immunologischen Toleranzreaktion für das Spenderorgan. Dementsprechend wurde die Studie in Kooperation der Universitätsklinik für Chirurgie mit dem Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der Medizinischen Universität Wien durchgeführt.

Das zentrale Ergebnis: Die Mäuse, deren Leukozyten mit den jeweiligen Allergenen – das sind Proteine, auf die das Immunsystem bei einer Allergie verstärkt reagiert – verbunden wurden, blieben auch nachhaltig gegenüber der Allergie resistent. Zuerst werden dafür die Leukozyten entnommen, mit dem Allergen „versetzt“ und anschließend gemeinsam mit einem Biologikum, das aus der Rheumatologie bekannt ist (Abatacept) und einem Mittel aus der Immunsuppression und Onkologie (Sirolimus) wieder in den Organismus injiziert.

Das derart eingeschleuste Allergen schlummert praktisch wie ein „trojanisches Pferd“ auf der Zelle – kommt es dann zu einem Kontakt mit dem Allergen, etwa mit Gräserpollen, ist der Körper immun gegen diesen „Angriff“ von außen.

Der Experte für Transplantationsimmunologie Prof. Dr. Thomas Wekerle von der Abteilung für Chirurgie der MedUni Wien: „Die nachhaltige Wirkung erweckt Hoffnung auf unsere Vision eines lebenslangen Schutzes vor Allergien mit nur einer einzigen Impfung. Für einen Einsatz in der Klinik ist es aber noch viel zu früh.“ Dazu seien noch weitere, jahrelange Studien notwendig. Generell könnten aber in Zukunft vor allem Risikogruppen geimpft werden, wie etwa Kinder, deren Eltern an Allergien leiden. Ziel dabei ist, die Allergie überhaupt nie zum Ausbruch kommen zu lassen, damit schwere Folgen, wie etwa Asthma, ausbleiben.

Gezielte Immunisierung

In Österreich leidet etwa jeder Fünfte an einer Allergie, Tendenz steigend. „Es beginnt oft mit einem Heuschnupfen, führt aber sehr oft zu Asthma und kann bis hin zu lebensbedrohlichen Symptomen führen“, erläutert der Allergieforscher Prof. Dr. Rudolf Valenta, Abteilung für Pathophysiologie und Allergieforschung, Zentrum for Pathophysiologie, Infektiologie and Immunologie der MedUni Wien. Umso wichtiger ist die Früherkennung und entsprechende Behandlung. Mit den neuen Erkenntnissen könnte ein wichtiger Schritt in diese Richtung getan sein. Das Praktische ist, dass es sozusagen eine Landkarte der Allergene gibt, so Valenta. „Man weiß ganz genau, welche Allergene bei einer Allergie wirken, daher könnte man das nützen, um die Zellen ganz gezielt zu immunisieren und tolerant zu machen.“

Originalpublikation:

Ulrike Baranyi et al., „Cell Therapy for Prophylactic Tolerance in Immunoglobulin E-mediated Allergy“,

EBioMedicine 2016.

DOI 10.1016/j.ebiom.2016.03.028

MedUni Wien, Ärzte Woche 16/2016

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