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Mag. Dr. Katharina Bastl war während ihres Biologie-Studiums von fossilen Pollenkörnern fasziniert. Sie ist beimPollenwarndiensttätig.F. Matern
 
Immunologie 1. Februar 2016

„Menschen, die auf Ragweed reagieren, könnten in Zukunft auch mit Solidago ein Problem bekommen“

3 Fragen, 3 Antworten

Zum Auftakt der Pollensaison richtet Katharina Bastl ihr Augenmerk auf mögliche zukünftige Bedrohungen für Pollen-Allergiker. Diese tragen recht exotisch klingende Namen wie „Baumhasel“, „Späths Erle“ oder „Kanada-Goldrute“. Einige breiten sich aus, andere wurden erst vor Kurzem ausgepflanzt.

Die Purpurerle, die Baumhasel und die Kanada-Goldrute sind teils eingebürgert, produzieren aber noch keine ernst zu nehmenden Pollenmengen – ganz anders als das Ragweed. Ist der Kampf gegen diese Pflanze zu gewinnen?

Bastl: Wir haben zwar mit den Straßenmeistereien im Burgenland und Niederösterreich gute Erfahrungen gemacht. Von den Pollenzahlen her ist zu sagen, dass Ragweed nicht zunimmt. Zurückstutzen wird man diese Art (Ambrosia artemisiifolia, Anm.) aber wohl nicht mehr können. Da müsste es zu einer radikalen Klimaänderung kommen, mit sehr heißen und trockenen Bedingungen. Es gibt Meldungen aus der Ukraine, wo im Vorjahr im Sommer viel Ragweed vertrocknet ist. Allerdings würde die Pflanze dann vermutlich nach Norden oder in höhere Lagen ausweichen, wo sie schon jetzt vereinzelt auftritt. Es gibt sogar rezente Fundangaben aus Tirol.

Welche neuen Arten sind schon so weit eingebürgert, dass sie eines Tages für Pollenallergiker zum Problem werden könnten?

Bastl: Der bekannte, aber seltene Riesen-Bärenklau ist ein Problem für die Haut. Vor allem im Westen Österreichs, westlich von Salzburg, macht sich die Kanada-Goldrute (Solidago canadensis, Anm.) breit. Die ist zwar insekten-bestäubt, was die absolute Pollenmenge in der Luft herabsenkt. Aber wenn sich dieses Kraut weiterhin so stark verbreitet, kann man nicht ausschließen, dass Menschen, die auf Ambrosie reagieren, auch mit Solidago ein Problem bekommen. Es gibt Berichte von Menschen, die in ihrem Garten auf diese Goldrute reagieren.

Welche Arten stehen noch unter Beobachtung?

Bastl: Interessant könnte nochSophora japonica, der japanische Schnurbaum werden, der in Großstädten angepflanzt wird, weil der die Schadstoffe in der Luft gut verträgt. Wir messen bereits geringe Konzentrationen im Sommer, ob diese in Zukunft zunehmen werden, hängt davon ab, ob sie noch häufiger gepflanzt werden. Ähnliches gilt für den Götterbaum (Ailanthus altissima), der ebenfalls im Verdacht steht Immunreaktionen hervorzurufen. Ebenfalls ein Thema ist die Baumhalse (Corylus colurna), auch sie verträgt Schadstoffe und ist bei Gärtnern beliebt. Ob sie zum Problem wird oder nicht, hängt auch vom Blühzeitpunkt ab. Blüht sie gleichzeitig mit der heimischen Strauch-Hasel (Corylus avellana), gibt es höhere Spitzenwerte. Blühen sie nacheinander, haben wir zwei Spitzen.

Die ursprünglich bei uns nicht heimische Baumhasel wurde bislang im Burgenland, in Wien, in Niederösterreich, Oberösterreich der Steiermark und in Salzburg-Stadt selten verwildert angetroffen (bit.ly/1TIJNRV).

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