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© DarkoNS / Getty Images / iStock
Ragweed-Flur: Neues Ambrosia-Allergen entdeckt.
 
Dermatologie 25. August 2015

Rabiates Ragweed

Die stärkere Belastung von Ambrosia-Allergikern entlang von Straßen ist geklärt.

Abgase verändern die Protein-Zusammensetzung des Pollens, verstärken dessen allergene Wirkung und machen die Ambrosie für manche zur Hochrisikopflanze.

Pollen des Beifußblättrigen Traubenkrauts weisen gesteigerte Allergenmengen auf, wenn die Pflanze Stickstoffoxidhalten Abgasen ausgesetzt ist. Das fanden Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums München heraus. Zudem liefert die in der Fachzeitschrift Plant, Cell & Environment veröffentlichte Studie Hinweise auf ein mögliches neues Allergen der Pflanze.

Die Forscher begasten die Pflanzen mit verschiedenen Mengen NO₂, was beispielsweise bei der Verbrennung von Treibstoff entsteht. „Unsere Daten zeigen, dass der durch NO₂ verursachte Stress auf die Pflanze die Protein-Zusammensetzung der Pollen verändert“, sagt Erstautor Dr. Feng Zhao. „Verschiedene Formen des bekannten Allergens Amb a 1 waren deutlich erhöht.“ Außerdem beobachteten die Wissenschaftler, dass die Pollen von NO₂-behandelten Pflanzen deutlich stärker an spezifische IgE-Antikörper von Ambrosia-Allergikern banden. Dies ist oft der Beginn einer allergischen Reaktion beim Menschen.

Und noch etwas fiel auf: Die Botaniker entdeckten ein Protein, das speziell bei erhöhten NO₂-Werten auftrat. Dieses war bisher als Ambrosia-Allergen unbekannt und habe starke Ähnlichkeit mit einem Protein aus Gummibäumen, schreiben die Forscher. Dort sei es zuvor als Allergen beschrieben worden, und auch in Schimmelpilzen und weiteren Pflanzen sei diese Wirkung bekannt.

Ausbreitungsgeschwindigkeit

„Letztlich ist damit zu rechnen, dass die ohnehin schon aggressiven Ambrosia-Pollen durch die Luftverschmutzung in Zukunft noch allergener werden“, erläutert Studienleiterin Dr. Ulrike Frank. Sie und ihr Team vom Institut für Biochemische Pflanzenpathologie untersuchen die Ambrosie seit Jahren. Dieser Korbblütler kam vermutlich über Vogelfutter nach Europa und breitet sich entlang der Hauptverkehrsrouten aus. „Ragweed schafft eine Ausbreitungsgeschwindigkeit von ein bis zwei Kilometern pro Jahr“, sagt Dr. Franz Essl vom Umweltbundesamt in Wien.

Ragweed ist in Österreich blühbereit, die ersten Pflanzen stäuben schon. „Da Ragweedpollen bereits in geringer Konzentration allergische Beschwerden verursachen können, sind geringe Belastungen in den betroffenen Gebieten in Österreich ab sofort zu erwarten“, sagt Katharina Bastl vom österreichischen Pollenwarndienst an der MedUni Wien. Erste allergische Beschwerden sind bereits ab 3 bis 5 Pollen pro Quadratmeter möglich.

Betroffen ist vor allem der Südosten: Allergiker im Burgenland, in Niederösterreich, Wien, Steiermark, Kärnten, aber auch in Teilen Oberösterreichs müssen sich auf den Pollenflug von Ragweed einstellen. Die große Hitze im Juli und August hatte aber positiven Einfluss auf die Verbreitung der Ragweed Pflanzen, die heuer weniger großflächig und auch zahlenmäßig geringer auftreten als in den vergangenen Jahren. Generell, so Bastl, werde die Ragweed-Pollensaison 2015 daher basierend auf der lokalen Produktion an Ragweedpollen nicht die durchschnittlichen Pollenmengen erreichen.

„Europaweit betrachtet hat die Ragweed-Pollensaison in Ungarn schon früher begonnen, in Frankreich hat die Blüte ebenfalls vergangene Woche eingesetzt.

Belastungskarten für Europa und Prognosekarten für Österreich gibt es auf der Website des österreichischen Pollenwarndiensts der MedUni Wien unter www.pollenwarn dienst.at.

Betroffene berichten

Ragweed öffnet die Blüten von ca. 8 bis 14 Uhr. Daher ist die Belastung am Vormittag nicht zu unterschätzen. Der Wiener Physiotherapeut Alexander Baillou musste jahrelang vormittags in geschlossenen Räumen bleiben. „Ich litt unter Niesattacken, juckenden Augen und leichtem allergischen Asthma und wurde dadurch auch schnell müde.“ Die Symptome sind mittlerweile durch eine erfolgreiche Immuntherapie stark zurückgegangen, sagt der Physiotherapeut. Seinen Österreich-Urlaub verbringt er in höheren Lagen, über 700 Meter hat sich der Neophyt (pflanzliche Neubürger) bisher nicht etablieren können.

Maximilian Kmenta aus NÖ., ist Mitarbeiter des Pollenwarndienstes und Ragweed-Geplagter. „Ich bin schon lange Allergiker, aber Ragweed-Allergiker bin ich erst seit ein, zwei Jahren. Bei mir kommt zum Heuschnupfen dazu, dass ich vermehrt in der Lunge reagiere, was ziemlich unangenehm ist. Es ist eine Art Reizhusten, vor allem, wenn ich länger draußen bin.“

Ein Tipp: Wer sich über Pollen und Allergien informieren möchte, kann seit April dieses Jahres einen neuen, leicht lesbaren und verständlichen Ratgeber zur Hand nehmen: „Pollen und Allergie – Pollenallergie erkennen und lindern“, von Uwe E. Berger und Katharina Bastl vom österreichischen Pollenwarndienst der MedUni Wien (www.manz.at), online ohne Versandkosten bestellbar.

Helmholtz-Zentrum München / MedUni Wien, Ärzte Woche 35/2015

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