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Menschen reagieren vor allem gegen spezielle Eiweißkörper der Faeces und des Milbenkörpers mit allergischen Symptomen.
 
Dermatologie 24. Oktober 2014

Der Feind in meinem Bett

Die Milbe ist ein altbekannter Begleiter der Menschheit. Die Spinnentiere lösen jedoch insbesondere im Kindesalter chronische Allergien aus.

Nicht alle Milben sind für den Menschen pathogen. Doch jene, die das humane Immunsystem reizen, können überaus unangenehme Erscheinungen provozieren, etwa das Asthma bronchiale. Eine Therapie muss patientenbezogen geplant werden und stützt sich in der Regel auf drei Säulen: Allergenkarenz, symptomatische Therapie und spezifische Immuntherapie.

Milben sind eine ubiquitär vorkommende Art von Spinnentieren. Nur eine geringe Anzahl von Subspezies davon sind für den Menschen pathogen. In unseren Breiten machen vor allem die beiden Formen der Hausstaubmilbe Dermatophagoides pteronyssinus und Dermatophagoides farinae Probleme, da immer mehr Menschen gegen spezielle Eiweißkörper der Faeces und des Milbenkörpers mit einer allergischen Reaktion reagieren. In manchen Populationen ist bereits jedes fünfte Kind gegen Milben sensibilisiert. Eine frühkindliche Sensibilisierung steigert dabei das Risiko für eine spätere allergische Erkrankung bis hin zum Asthma bronchiale signifikant. Auch bei Erwachsenen ist eine allergische Rhinitis verbunden mit einer Milbenallergie ein starker Risikofaktor für das Auftreten von Asthma bronchiale.

Die bisher etwa 30 bekannten Milbenallergene erfüllen bestimmte biologische Funktionen. Der p1, neben der p2 ein Hauptallergen der Milbe, ist beispielsweise eine Cystein-Protease und kann epitheliale Tight-junctions öffnen und damit das Eindringen weiterer Allergene in die Submukosa ermöglichen. Erst kürzlich wurden zwei neue Allergene, der p21 und 23 gefunden, beide könnten klinische Relevanz haben.

Die Therapieoptionen für einen Patienten mit einer diagnostizierten Milbenallergie ruhen auf drei Säulen: Allergenkarenz (Milbensanierung), symptomatische Therapie und spezifische Immuntherapie.

Allergenkarenz

Seit vielen Jahren werden verschiedene Milbensanierungsmaßnahmen untersucht. Ziel all dieser Maßnahmen ist eine Reduktion der Milbenallergene im Staub unter einen Schwellenwert, der ausreicht, die Beschwerden von Milbenallergikern deutlich zu reduzieren. Während ein Großteil dieser Sanierungsmaßnahmen bisher auf den Schlafbereich konzentriert war, gibt es erste Hinweise, dass die Belastung ebendort vermutlich nur einen geringen Teil der Gesamtbelastung durch Milben ausmacht.

Die am häufigsten empfohlenen Sanierungsmaßnahmen sind: Der Gebrauch von milbendichten, fein gewebten Matratzenhüllen, regelmäßige Anwendung von Akariziden etwa auf Polstermöbeln, spezielle Luftreinigungsgeräte und Staubsauger mit HEPA-Filter sowie allgemeine Maßnahmen, um die Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Schlaf- und Wohnbereich niedrig zu halten. Viele der Studien, die diese Maßnahmen prüften, konnten zeigen, dass eine Verringerung der Milbenallergene zu erreichen war. Wenige Untersuchungen zeigten allerdings einen klinischen Effekt dieser Maßnahmen.

Milbensanierung

Bei einer Cochrane-Analyse aus dem Jahr 2001, die 2010 aktualisiert wurde, konnten insgesamt neun randomisierte, kontrollierte Studien (n=501), die zwischen 1990 und 2008 veröffentlicht wurden, herangezogen werden. Die Untersuchungen beschäftigten sich mit der Fragestellung Milbensanierung bei Patienten mit allergischer Rhinitis. Der Großteil der Studien zeigte einen positiven Effekt sowohl auf die Allergenreduktion als auch auf die Beschwerden der Patienten. Vor allem eine Kombination von verschiedenen Maßnahmen schien hilfreicher zu sein als Einzelmaßnahmen.

Auch in Bezug auf Asthma gibt es eine Metaanalyse der Cochrane-Gruppe, an einer relativ großen Zahl von Patienten (n=3.121) in 55 randomisierten Studien, die im Vergleich zu den Rhinitis-Studien aber schlechter ausfiel. Diese Metaanalyse wurde aber auch in der Zwischenzeit von anderen Autoren kritisiert, da die eingeschlossenen Studien mehrere methodische Schwächen aufwiesen. So wurden in weniger als der Hälfte Matratzenhüllen inkludiert. Nur bei elf der 55 Studien konnte eine signifikante Reduktion der Allergenkonzentration im Staub erreicht werden, sodass eine abschließende Aussage hier noch nicht getroffen werden kann.

Insgesamt scheint die Milbensanierung einem guten Teil der Patienten, vor allem mit allergischer Rhinitis zu helfen, wenn auch sicher nicht allen. Weitere Therapieoptionen sollten daher noch zusätzlich gewählt werden.

Symptomatische Therapie

Diese wird nach den aktuellen Rhinitis- und Asthma-Guidelines durchgeführt und soll hier nicht im Detail behandelt werden. Bei der Rhinitis liegt der Fokus der medikamentösen Therapie bei den intranasalen Steroiden, orale oder intranasale Antihistaminika können ergänzend eingesetzt werden. Auch eine neue Kombination eines intranasalen Steroids mit einem Antihistaminikum zeigte gute Ergebnisse. Die Asthmatherapie fußt auf der Kombination von antiinflammatorischen Controller-Medikamenten (allein oder in Kombination mit langwirksamen Betamimetika) und kurzfristig wirksamen Relievern (Betamimetika), wobei durch die gezielte Stufentherapie eine bestmögliche Asthmakontrolle erreicht werden kann.

Spezifische Immuntherapie

Weiterhin ist die spezifische Immuntherapie (SIT) die einzige kausale Therapieform bei Milbenallergien, das heißt, hier wird die Ursache der überschießenden Reaktion des Immunsystems direkt behandelt.

Prinzipiell steht die SIT als subkutane (SCIT) und sublinguale (SLIT) Form zur Verfügung. Beide Formen werden in der Regel über drei Jahre ganzjährig durchgeführt. Je nach Präparat sind unterschiedlich lange Steigerungsphasen bis zu einer Erhaltungstherapie notwendig. In einer Metaanalyse zeigten sich positive Effekte sowohl für die SCIT als auch für die SLIT, wobei die Ergebnisse die SCIT bevorzugten. Hierbei wurde auch auf diverse methodologische Einschränkungen der Studien verwiesen, vor allem bezüglich des sehr heterogenen Studiendesigns. Größere, gut designte Studien werden hier noch eingefordert.

Eine ganz neue Entwicklung in den letzten Jahren ist die Anwendung von sublingualen Tabletten, wie sie schon für die Gräserpollenallergie eingesetzt wurden. Hier sind in letzter Zeit bereits einige Ergebnisse von Studien zweier Präparate erschienen, die sehr vielversprechend sind.

PD Dr. Fritz Horak ist Pädiater und als Ärztlicher Leiter im Allergiezentrum Wien West tätig.

Der Originalartikel ist im wmw-Skriptum 10/2014, © Springer Verlag erschienen.

Fritz Horak, Ärzte Woche 44/2014

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