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© daniel mathys/iStock/Thinkstock
Die Pollen von Ragweed sind besonders aggressive Allergie-Auslöser und können sogar Asthma einleiten.
 
Allgemeinmedizin 5. September 2014

Kriegsgewinnler im letzten Anflug

Die späte Blüte der aggressiven Kräuter Beifuß und Ragweed macht Allergikern zu schaffen.

Keine Ruhe für Heuschnupfen-Geplagte: Die miteinander verwandten Pflanzen Beifuß und Ragweed haben Hochsaison. Ihre Pollen sind äußerst aggressiv und können schwere Allergie-Symptome und oft auch Asthma auslösen. Laut Berechnungen des Österreichischen Pollenwarndienstes könnte das von Allergikern besonders gefürchtete Unkraut Ragweed, das mit Hilfslieferungen nach dem Zweiten Weltkrieg einwanderte, heuer stärker belasten als üblich.

Mit der Blüte von Beifuß und Ragweed (auch bekannt unter Ambrosia oder Traubenkraut) nähert sich das Ende der heurigen Pollensaison. Soweit die gute Nachricht. Die schlechte: Die beiden miteinander verwandten Kräuter sind äußerst aggressive Allergieauslöser und rufen bei Allergikern Beschwerden wie etwa Fließschnupfen, rote, juckende Augen, Niesreiz, Atemnot und sehr häufig auch Asthma hervor. „Beide Pflanzen machen ihre Blühbereitschaft und -intensität nicht nur von der Temperatur, sondern auch von den Lichtstunden und der Regenmenge abhängig“, erklärt Uwe Berger, MBA, Leiter des Österreichischen Pollenwarndienstes sowie der Forschungsgruppe Aerobiologie und Polleninformation an der Wiener HNO-Klinik die Voraussetzungen für die Stärke der Pollenbelastung. „Die Witterungsentwicklung der vergangenen Monate hat ein recht positives Klima für Ragweed geschaffen.“

Beifuß hat Mitte August Hochsaison

Die Blüte der allergologisch sehr bedeutsamen Wildkräuterart Beifuß ist fast überstanden. „Der Beifuß erreicht Mitte August seine Hauptblüte. Die Belastungen dauern aber kaum länger als bis Ende August“, so Berger. „Es ist in den Tieflagen des Ostens, aber auch entlang der großen Flusstäler (mit Ausnahme des Rheintals) und überall dort, wo verwahrloste Industrieflächen sind, mit einem starken Pollenflug zu rechnen.“ Bereits geringste Mengen können örtlich zu starken allergischen Beschwerden führen. „Der Schwellenwert für allergische Beschwerden liegt bei etwa zehn bis Pollen pro m3 Luft, sensible Patienten reagieren bereits ab drei Pollen pro m3.“

Etwa jeder zehnte Beifuß-Pollen-Allergiker reagiert neben den Beschwerden aufgrund der Pollenallergie zusätzlich beim Verzehr von bestimmten Lebensmitteln. Hierzu zählen insbesondere Sellerie, Karotten und Gewürzen, wie beispielsweise Kümmel, Koriander, Anis und Zimt. Typische Symptome dieser Kreuzreaktion sind Kribbeln und Schwellungen von Zunge, Rachen oder Lippen, Übelkeit und Durchfall, warnt Prof. Dr. Reinhart Jarisch vom Floridsdorfer Allergiezentrum in Wien. „Diese Unverträglichkeitsreaktionen sind sehr unangenehm und können in Einzelfällen massive Beschwerden mit sich bringen. Sie sollten beim Allergietest deshalb dringend abgeklärt werden.“

Ragweedsaison dauert etwa bis Oktober

Der Blütenstaub des Unkrauts Ragweed ist ein besonders aggressiver Allergie-Auslöser. Die sehr anpassungs- und widerstandsfähige Pflanze wurde ursprünglich durch Hilfslieferungen nach dem Krieg aus Nordamerika eingeschleppt und breitet sich vom Osten her auch in Österreich von Jahr zu Jahr weiter aus. Wien, Burgenland und Niederösterreich sind demnach die Gebiete mit dem höchsten Ragweed-Vorkommen. Hat sich Ragweed in einer Gegend erst einmal etabliert, breitet es sich in Massen aus. „Hot spots“ sind die Straßenränder der Hauptverkehrsrouten, aber auch in Gebieten mit Feldwirtschaft, Schutthalden, Großbaustellen sowie an Plätzen, an denen Vögel im Winter gefüttert werden, tauchen die Pflanzen auf.

Mehr Pollen

Aufgrund der heurigen Wetterentwicklung müssen wir mit einer erhöhten lokalen Produktion von Ragweed-Pollen rechnen. Laut Experten Berger traten die ersten Belastungen bereits ab Mitte August im Osten, Süden und Norden Österreichs sowie auch in den dortigen Flusstal-Landschaften auf. Speziell in Kärnten sind die Gebiete entlang der Autobahn nach Slowenien betroffen. Im Wiener Raum gibt es meist zwei Belastungsspitzen pro Tag: Berger: „In den Vormittags- und Mittagsstunden ist die lokale Pollenausschüttung, die heuer etwas stärker als im Jahr zuvor ausfielen, für die Beschwerden verantwortlich. Die Belastungen, die am späten Nachmittag und Abend bis in die Nachtstunden auftreten, sind an die Winde aus Südost gebunden, die zusätzliche Pollen aus Ungarn einwehen. Im Westen des Landes besteht kaum Gefahr. Die Ragweed-Blüte dauert je nach Wetterlage bis in den Oktober hinein.

Mehr Allergiker, höhere Kosten

Das Traubenkraut stellt aufgrund seiner außerordentlich hohen allergischen Potenz und seiner rasanten Ausbreitung ein zunehmendes Gesundheitsproblem dar. „Mittlerweile reagiert bereits mehr als ein Drittel aller Allergiker mit starken Heuschnupfensymptomen auf Ragweed – viele entwickeln Asthma. Die Pflanze kann bei Kontakt aber auch Hautreaktionen auslösen“, sagt Allergologe Jarisch. „Vor allem für Menschen mit einer bereits bestehenden Pollenallergie besteht ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.“ Anhaltende Erkältungssymptome von August bis Oktober können ein Indiz für eine Allergie gegen Ragweed-Pollen sein. Betroffene sollten dann einen allergologisch versierten Arzt aufsuchen, um die Beschwerden fachgerecht abklären zu lassen.

Maßnahmen gegen die Invasion

Mit der Häufigkeit der Allergien sind auch enorme volkswirtschaftliche Kosten verbunden: „Ein Allergiker verursacht jährliche Kosten in der Höhe von rund 700 Euro. Hochgerechnet ergibt das einen Betrag von rund 90 bis 100 Millionen Euro pro Jahr“, zitiert Berger eine Berechnung der Forschungsgruppe. Nicht zuletzt wegen dieser Ausgaben werden immer häufiger aktive Maßnahmen gegen die weitere Ragweed-Ausbreitung gesetzt. Kooperationen der Medizinischen Universität Wien mit den Landesregierungen von Niederösterreich und Burgenland scheinen erste Erfolge zu verzeichnen. Die Gesamtmenge an Ragweed-Pollen in der Luft hat in den vergangenen drei Jahren nicht mehr zugenommen. Zusätzlich zeigt auch die Beschwerdeintensität über die Jahre 2012 und 2013 keinen weiteren Anstieg. Dies belegen Symptomdaten von derzeit mehr als 50.000 Nutzern des Pollentagebuches (www.pollen tagebuch.at).

 

 

 

Tipps zur Allergenvermeidung

• Mithilfe des Pollenwarndienstes (siehe auch „Pollenampel“ auf dieser Seite) lassen sich Freizeitaktivitäten im Freien vorausschauend planen: Unter www.pollenwarndienst.at können Allergiker die aktuellen Pollenflugprognosen für Österreich und Europa abrufen und auch anhand von Pollen-Verbreitungskarten Ausweichmöglichkeiten abrufen.

• Pflanze – am besten schon vor der Blüte – mitsamt der Wurzel ausreißen (Achtung, Handschuhe tragen) und in einem Plastiksack im Hausmüll entsorgen.

• Machen Sie nach Möglichkeit Urlaub in Gebieten über 700 bis 1.000 Metern Seehöhe.

• Kein billiges Vogelfutter erwerben: Ragweed-Samen sind häufig in schlecht gereinigtem Vogelfutter zu finden (z. B. aus Ungarn, Serbien oder Kroatien).

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