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© Ramona Heim/Fotolia
Wenn ein Ekzem nicht weichen will, könnten die Tabletten schuld sein.
 
Dermatologie 17. Juni 2013

Unklares Ekzem im Alter

Hartnäckige ekzematöse Hautausschläge bei älteren Menschen können arzneimittelbedingt sein.

Zum Kreis der Verdächtigen gehören Kalziumkanalblocker.

Wenn ältere Menschen an chronischen Ekzemen unklaren Ursprungs leiden, sollten auch ihre Medikamente ins Visier genommen werden. Die Abklärung eines entsprechenden Verdachts ist allerdings mitunter schwierig: Epikutan- und Pricktests besitzen selbst bei nachgewiesener Medikamentenreaktion eine äußerst geringe Sensitivität. Andererseits kann der Goldstandard zur Bestätigung einer Medikamentenüberempfindlichkeit – Absetzen des Wirkstoffs und Reexposition – eine Gefährdung des Patienten mit sich bringen. Deshalb ist es gerade bei Patienten mit mehreren Therapien hilfreich zu wissen, auf welche Medikamente man achten sollte.

Kalziumkanalblocker als mögliche Auslöser

Eine Verbindung zwischen Kalziumkanalblockern und chronischen ekzematösen Hautausschlägen im Alter (Chronic Eczematous Eruptions in the Ageing, CEEA) wurde bereits 2007 in einer französischen Studie hergestellt. CEEA-Patienten waren nicht nur häufiger als Kontrollpersonen mit einem Medikament aus dieser Substanzklasse behandelt worden: Das Absetzen und die erneute Provokation bewirkten außerdem bei vielen eine Abheilung bzw. ein Wiederauftreten des Hautausschlags.

Einen weiteren Hinweis auf Kalziumkanalblocker als mögliche Übeltäter liefert nun eine neue Studie, in der retrospektiv die medikamentöse Begleittherapie von 94 Patienten mit symmetrischem CEEA unklarer Genese und die von 132 Patienten gleichen Alters und Geschlechts mit anderen dermatologischen Diagnosen (97% aktinische Keratosen) verglichen wurde. Ein statistisch signifikanter Unterschied fand sich nur bei zwei Medikamentenklassen: Kalziumkanalblocker hatten 34 Prozent der CEEA-Patienten und zehn Prozent der Kontrollen erhalten, entsprechend einer Odds Ratio (OR) von 4,21. Thiazide standen ebenfalls bei Ekzempatienten häufiger auf der Medikamentenliste (29% vs. 15%, OR 2,07).

Hilfe bei der Suche nach Verdächtigen

Untersucht wurde auch eine Subgruppe von 30 CEEA-Patienten mit spongiotischer und Interface-Dermatitis, weil diese histologischen Befunde als Hinweis auf eine Medikamenten-Hypersensitivität gelten. Wider Erwarten waren jedoch im Vergleich zu 48 Kontrollen keine signifikanten Unterschiede bei den Arzneiverordnungen festzustellen. Dies könnte aber auch mit den kleinen Patientenzahlen zusammenhängen.

„Die Ergebnisse stützen den Zusammenhang von CEEA mit Kalziumkanalblockern und sprechen darüber hinaus für eine Assoziation mit Thiaziden“, lautet das Fazit der US-Dermatologen. Epidemiologische Studien könnten zwar keine Kausalität belegen, sie seien aber eine wichtige Hilfe bei der Entscheidung, welche Medikamente bei älteren Patienten mit ekzematösen Hautausschlägen abgesetzt werden sollten.

Originalpublikation: Summers EM et al.: JAMA Dermatol 2013; May 1:1–5. doi: 10.1001/jamadermatol.2013.511

springermedizin.de, Ärzte Woche 25/2013

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