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Gefährliches Handwerk: Nasses Arbeiten, Bleichmittel und Haarfarben fördern Kontaktekzeme.
 
Arbeitsmedizin 8. Juni 2013

Berufskrankheit Kontaktekzem

Für das Haar ihrer Kunden riskieren Friseure die eigene Haut. Die häufigsten berufsbedingten Dermatosen und ihre Ursachen wurden in einer Studie der Universität Melbourne erfasst.

Bis zu 50 Prozent aller Friseure haben oder hatten irgendwann ein berufsbedingtes Kontaktekzem, das damit auch einen Hauptgrund für die Aufgabe des Berufes darstellt.

Waschen, färben, bleichen, ondulieren: Kontaktekzeme bei Friseuren können vielfältige Auslöser haben. Das wird auch durch eine Untersuchung von Dr. Georgina Lyons und Kollegen aus Melbourne illustriert. Die Dermatologen haben die Krankenakten von 164 Friseuren und Friseurlehrlingen analysiert, die wegen einer mutmaßlichen Berufskrankheit in ihrer Abteilung vorstellig geworden waren.

Allergische und irritative Kontaktekzeme

Bei 158 (96,3%) Patienten wurde die Hauterkrankung tatsächlich als berufsbedingt eingestuft, 157 Patienten litten an einem Kontaktekzem, ein Patient hatte eine Nagelbettentzündung. Das Kontaktekzem war bei 75 Prozent der Patienten (n = 117) primär allergisch bedingt, bei 21 Prozent (n = 33) dominierte ein irritatives Kontaktekzem. Die übrigen vier Prozent der Patienten hatten eine Kontakturtikaria, überwiegend ausgelöst durch Latex-Handschuhe. Bei zwei von drei Patienten wurden gleich mehrere Diagnosen gestellt. Insbesondere allergisches und irritatives Kontaktekzem traten häufig gemeinsam auf.

Die häufigsten Auslöser

Als führende Auslöser für ein allergisches Kontaktekzem wurden im Epikutantest das zum Bleichen verwendete Ammoniumpersulfat und das in Haarfarben enthaltene P-Phenylendiamin identifiziert, weitere häufige Allergene waren Glycerylmonothioglykolat, Toluen-2,5-Diamin und 2-Nitro-4-Phenylendiamin. Zusammen steckten diese Substanzen hinter 50 Prozent aller positiven Testergebnisse. Eine Nickelallergie wurde zwar bei 31 Prozent der Friseure entdeckt, eine klinische Relevanz aber nur bei drei Prozent erkannt.

Die Kontaktdermatitis war in über 90 Prozent der Fälle an den Händen lokalisiert. Bei allergischer Ursache war signifikant häufiger als bei einem irritativen Kontaktekzem mindestens eine weitere Körperregion betroffen, meistens Arme (41%) oder Gesicht (38%). Allerdings manifestierte sich auch die allergische Kontaktdermatitis bei 34 Prozent der Patienten ausschließlich an den Händen.

Überdurchschnittlich schwere Symptome

Bei der Mehrzahl der Patienten waren die Symptome relativ stark ausgeprägt, im Occupational Dermatitis Disease Severity Index (ODDI), einer Skala von 1-5, erreichte die Hälfte einen Score von 3 und ein Drittel von 4. Die Berufsgruppe der Friseure hatte damit signifikant höhere ODDI-Werte als der Durchschnitt der Kontaktekzem-Patienten an der Melbourner Klinik.

„Die Studie zeigt, dass eine Vielzahl von Faktoren zur Entstehung von Kontaktekzemen bei Friseuren beiträgt“, schreiben Lyons und Kollegen. Diese Beobachtung habe wichtige Konsequenzen für die Behandlung: „Eine Verbesserung der Symptome ist kaum zu erwarten, solange nicht alle Diagnosen inklusive irritativer Kontaktekzeme und Latexproteinallergien erkannt und behandelt werden.“

Um das Berufsrisiko von Friseuren zu mindern, seien bessere Kenntnisse der Risiken und das Befolgen von geeigneten Schutzmaßnahmen notwendig. Einen wichtigen Beitrag können auch gesetzliche Vorgaben leisten, indem z. B. gepuderte Latexhandschuhe und Glycerylmonothioglykolat aus dem Verkehr gezogen werden

Originalpublikation: Lyons G. et al.: Hairdressers presenting to an occupational dermatology clinic in Melbourne, Australia; Contact Dermatitis 2013; 68(5): 300–306

springermedizin.de/CL, Ärzte Woche 23/2013

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