zur Navigation zum Inhalt
© MedUni Wien
Persönliche Pollenwarnung mittels App und GPS.
© IGAV

Vier Belastungswellen erwarten auch heuer wieder Pollenallergiker.

 
Immunologie 19. April 2013

Gute und schlechte Nachrichten für Allergiker

Die Pollenbelastung wird voraussichtlich durchschnittlich, die Saison aber länger dauern. Und: eine neue App ermöglicht die persönliche Pollenwarnung.

Erle und Hasel haben die mit ihrer Blüte die heurige Pollensaison eröffnet, und die gefürchtete Birkenblüte steht unmittelbar bevor. Gefürchtet von rund 1,5 Millionen Österreichern die an einer Pollenallergie leiden (davon 500.000 Birkenpollenallergiker).

„Das gute Wetter Anfang März hat zu einem explosionsartig ansteigenden Pollenflug von Erle und Hasel geführt“, erläutert Uwe Berger, Leiter des Pollenwarndienstes der Medizinischen Universität Wien. Laut Voraussage für 2013 steht den geplagten Patienten ein ziemlich langer Leidensweg bevor, denn – so der Trend – jedes Jahr verlängert sich die Saison um ein paar Tage. Dafür soll zumindest die Intensität der Belastung nicht stärker als in den Jahren zuvor sein.

     

Atemwegsallergien sind in Europa ein Problem. Abgesehen von der rinnenden Nase und den juckenden und tränenden Augen leiden viele Betroffene unter Schlafstörungen und generellem Unwohlbefinden. Nach neuesten Erkenntnissen sollen gar Depressionen bei Allergikern verstärkt auftreten.

Bei bis zu einem Drittel der Patienten entwickelt sich außerdem im Lauf der Zeit Asthma bronchiale aus der Allergie. Die Folge sind Krankenstände, Problemen im Beruf, und zu Fehlzeiten in der Schule. In Europa sind geschätzte 10 Millionen Krankenstandstage direkte Atemwegsallergien zurückzuführen.

Desensibilisierung als kausale Therapie

„Die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Medikamente, welche die Symptome der Allergie bekämpfen, hat sich in den vergangenen Jahren verbessert“, sagt Univ.-Prof. Dr. Zsolt Szépfalusi. Die einzige kausale Therapie ist nach wie vor die spezifische Immuntherapie (Desensibilisierung), doch deren Erfolgsrate ist recht unterschiedlich: Bei Allergien auf Wespen- und Bienenstich liegt sie bei rund 90 Prozent, bei gewissen Blütenpollen immerhin bei 80 Prozent. Allerdings nicht bei allen.

Das Hauptproblem liegt aber in der Compliance der Patienten. Diese Desensibilisierung dauert drei bis fünf Jahre, in welchen in regelmäßigen Abständen die allergieauslösende Substanz entweder injiziert verabreicht oder sublingual verabreicht wird – und bei vielen Patienten mangelt es an Durchhaltevermögen. An neuen Applikationsmöglichkeiten wird laut Prof. DI Dr. Barbara Bohle, Leiterin des Instituts für Pathophysiologie und Allergieforschung an der Medizinischen Universität Wien, intensiv geforscht. Derzeit werde gerade die Möglichkeit geprüft, die Substanz direkt in die Lymphknoten zu injizieren statt subkutan, weil dadurch die Abstände zwischen den Injektionen erheblich verlängert werden könnten, was der Compliance in jedem Fall höchst dienlich wäre. Außerdem wird aktuell an der MedUni Wien an einer neuen Therapie für Birkenpollen-Allergiker gearbeitet, die auch an einer Kreuzallergie gegen Apfel leiden. Die zukünftige Entwicklung zielt jedenfalls auf exaktere Diagnosemöglichkeiten und darauf aufbauend auf effizientere und individuell auf den Patienten abgestimmte Behandlungsmöglichkeiten.

Pollentagebuch am Handy

Eine wichtige therapeutische Maßnahme ist die Vermeidung bzw. Reduktion des Allergenkontaktes. Bereits im Vorjahr wurde eine Applikation für iPhones, Androidhandys und sonstige mobile Devices entwickelt, die jedem Patienten eine persönliche Pollenwarnung liefert. Der Download der App ist unter www.pollenwarndienst kostenlos möglich. Danach muss der Patient über zumindest fünf aufeinanderfolgende Tage seine Beschwerden ins „Pollen-Tagebuch“ (erreichbar über die App oder auf www.pollentagebuch.at) eintragen. Dann erhält er eine auf ihn persönlich zugeschnittene Pollenwarnung; sofern das integrierte GPS eingestellt wird, passt sich diese Warnung bei einem Ortswechsel auch an die jeweilige Position an. Je regelmäßiger Allergiker ihre Beschwerden im Lauf der Saison eintragen, desto genauer ist auch die Vorhersage. Außerdem können die persönlichen Daten auch an den behandelnden Arzt gesendet werden (z. B. per Mail), was eine immense Hilfe bei der exakten Diagnose der Erkrankung liefert.

Download der Pollen-App auf www.pollenwarndienst.at und www.polleninfo.org.

Pressegespräch „Start in die Pollensaison 2013“, Wien, 13. März 2013

I. Schlager, Ärzte Woche 16/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben