zur Navigation zum Inhalt
© (C) ECH (European Council for Homeopathy)
Wie funktioniert Akupunktur? Forscher sind dem Mechanismus auf der Spur.
 
Komplementärmedizin 6. April 2013

Nadeln gegen Heuschnupfen

Weltallergiewoche 8. bis 14. April: Wissenschaftler haben ein theoretisches Modell entwickelt, das den möglichen Wirkmechanismus von Akupunktur erklären kann.

Um die Wirkung von Akupunktur bei allergischer Rhinitis besser verstehen zu können, haben australische Forscher aktuelle Studienergebnisse zusammengetragen und ausgewertet.

Viele Patienten mit allergischer Rhinitis suchen nach langen Leidensjahren ihr Heil in der Alternativmedizin. Für die Akupunktur gibt es in der Literatur zahlreiche Hinweise auf einen möglichen Nutzen, man weiß nur nicht genau, wie es funktioniert. Australische Forscher haben jetzt Fakten zum Wirkmechanismus zusammengetragen und daraus ein theoretisches Modell entwickelt.

Komplexe Kaskade

Demnach bewirkt das Nadeln, dass auf neuronaler, immunologischer und hormoneller Ebene eine Reihe komplex ineinandergreifender Kaskaden in Gang gesetzt wird, die dazu beitragen, dass die Entzündungsreaktion auf das Allergen eingedämmt wird. Vor allem werden offenbar proinflammatorische Neuropeptide, Neurotrophine und Zytokine herunterreguliert. Bei den T-Helferzellen ergibt sich eine Verschiebung in Richtung der Th1-Population. Man könne sich vorstellen, dass dieses Zusammenspiel dazu führt, dass sich die Schnupfensymptomatik bessert, spekulieren die Forscher um John L. McDonald von der Griffith University im australischen Southport.

Im Herunterfahren der Neuropeptide besteht den Autoren zufolge einer der wichtigsten klinischen Effekte der Akupunktur bei allergischer Rhinitis. In der Frühphase der allergischen Reaktion wird dadurch die Degranulation der Mastzellen und damit die Histaminfreisetzung gehemmt. Nicht-Opioid-Neuropeptide wie die Substanz P, CGRP (Calcitonin-Gene-Related Peptide) und VIP (Vasoactive Intestinal Peptide) sind beim Allergiker in großer Zahl in der Nasenschleimhaut vorhanden. Sie tragen – ebenso wie Leukotriene und Prostaglandin D2 – dazu bei, dass sich Gefäße erweitern und Plasmaflüssigkeit ins Gewebe austritt. Beides bewirkt das lästige Symptom der verstopften Nase. Aber auch die laufende Nase, so die Autoren, ist teilweise eine Folge einer neurovaskulären Aktivierung.

Nasenschleimhaut besonders stark innerviert

Neurotrophine bewirken vor allem Nervenwachstum. Bei Patienten mit allergischer Rhinitis ist die Nasenschleimhaut etwa doppelt so stark innerviert wie bei gesunden Menschen. Bei den Allergikern sprießen neue Nervenfasern vor allem um arterielle Blutgefäße; dabei handelt es sich bevorzugt um parasympathische Fasern, die vasoaktive Peptide freisetzen können. Wird dieser neuronale Überschuss eingedämmt, bremst man auch die Entzündungsreaktion. In der Literatur gibt es nach McDonald et al. Hinweise darauf, dass die Akupunktur – vermittelt durch die Neurotrophine – die Lebensdauer von Eosinophilen und Mastzellen verkürzt und die Expression und Sensitivität sogenannter TRPV1-Rezeptoren senkt (TRPV1 = Transient Receptor Potential Vallinoid 1). Letztere sind mitverantwortlich für klassische Frühphasereaktionen wie Niesen und Nasenjucken. Die TRPV1-Rezeptoren tragen aber auch zur vermehrten Freisetzung von Neuropeptiden bei.

Erfolg oft nur bescheiden

McDonald et al. zitieren klinische Studien, die den – oft allerdings nur bescheidenen – Effekt der Akupunktur bestätigen: So zeigten sich in einer Metaanalyse über zwölf Studien mit über 1.000 Patienten therapeutische Erfolge, die Nadelungen waren teilweise gängigen medikamentösen Strategien überlegen.

Eine weitere Metaanalyse (ebenfalls zwölf Studien) fand Hinweise für die Wirksamkeit der Akupunktur bei persistierender allergischer Rhinitis. Bei jahreszeitlich abhängigen Beschwerden war jedoch das echte Verfahren einer Scheinakupunktur nicht überlegen.

Autoren einer deutschen Studie aus der Charité mit über 5.000 Patienten hatten 2008 einen Zusatznutzen für die Kombination Akupunktur plus medikamentöse Therapie gefunden. In einer kleineren Studie schließlich genügte eine einzige Akupunktursitzung, um sowohl das Nasenvolumen als auch den minimalen Nasenquerschnitt (MCA = Minimal Cross-sectional Area) signifikant zu vergrößern. Der Effekt hielt allerdings nur etwa 15 Minuten an.

 

basierend auf: McDonald JL et al. The Anti-Inflammatory Effects of Acupuncture and Their Relevance to Allergic Rhinitis: A Narrative Review and Proposed Model. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2013; Article ID 591796

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 14/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben