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Gastroenterologie 5. März 2013

Das Biotop im Darm als Gesundheitsschutz

Bakterienvielfalt beugt Allergien und Übergewicht vor

Sie schützen vor Infektionen, helfen bei der Regulierung des Immunsystems und sorgen für die Verwertung von Nährstoffen: Schätzungsweise 100 Billionen Bakterien besiedeln den Darm des Menschen. Zwar weiß man bislang wenig über Eigenschaften und Funktionen einzelner Mikrobenstämme, doch immer mehr Studien zeigen, wie wichtig die Zusammensetzung der Darmflora für die Gesundheit ist.

Demnach begünstigen Störungen der Bakterienkolonien nicht nur verschiedene Allergien, sondern auch Übergewicht und Stoffwechselstörungen. Welche Mechanismen daran beteiligt sind und wie sich die Darmflora therapeutisch verändern lässt stand im vergangenen Herbst auf dem Programm des Kongresses „Viszeralmedizin 2012“ in Hamburg.

Billionen Bakterien finden sich auf der Haut, im Mund oder in den Atemwegen. Die weitaus meisten Mikroorganismen leben jedoch im Darm - vor allem im Dickdarm. Mit molekularbiologischen Verfahren können Mediziner inzwischen die Zusammensetzung dieser Darmflora detailliert untersuchen und die Funktionen einzelner Stämme klären. „Diese Untersuchungen zeigen zunehmend, wie wichtig diese Bakterien für den Erhalt der Gesundheit sind“, sagt Professor Dr. med. Stephan C. Bischoff, Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin an der Universität Hohenheim.

Antibiotika und Übergewicht

So deuten etliche Studien darauf hin, dass Störungen der Darmflora sowohl die Anfälligkeit für manche Allergien als auch die Neigung zu Übergewicht fördern. Kürzlich untersuchten Mediziner der Universität New York die Entwicklung von mehr als 11.000 Kindern, die 1991 oder 1992 in der britischen Region Avon zur Welt kamen. Jene, die während der ersten fünf Lebensmonate Antibiotika bekommen hatten, hatten im Alter von zehn bis 20 Monaten im Verhältnis zu ihrer Größe mehr Gewicht als die übrigen Kinder. Und mit etwa drei Jahren waren sie eher übergewichtig. Jene Kinder, die im Alter von sechs bis 14 Monaten Antibiotika bekamen, hatten allerdings kein erhöhtes Risiko für späteres Übergewicht. Im „International Journal of Obesity“ vermuten die Forscher, dass die Medikamente gerade im Säuglingsalter die Entwicklung der Darmflora verändern.

Umgekehrt scheint eine Veränderung der Darmflora auch Übergewicht und Krankheiten wie Diabetes Typ 2 zu bessern. Dies zeigt eine Studie aus den Niederlanden an Menschen mit dem metabolischen Syndrom. In deren Verdauungstrakt pflanzten Mediziner Darmbakterien ein, die von schlanken Spendern stammten. Sechs Wochen später hatte sich bei den Empfängern nicht nur die Darmflora verändert, sondern sie reagierten auch empfindlicher auf das Hormon Insulin, wie die Forscher in „Gastroenterology“ berichten.

„Je besser wir die Bedeutung und Eigenschaften der verschiedenen Darmbakterien kennen, desto gezielter können wir sie einsetzen, um die Gesundheit unserer Patienten zu fördern“, betonte Bischoff.

Presseaussendung Viszeralmedizin 2012

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