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Allgemeinmedizin 7. März 2013

Heuschnupfen auch mit 60

Alter schützt nicht vor Allergie

Allergien treten nicht nur in jüngeren Jahrgängen auf. Heuschnupfen, Kontaktdermatitiden oder allergisches Asthma können noch bis ins spätere Erwachsenenalter anhalten, sich verstärken oder auch neu auftreten. Bei Diagnose und Therapie ist dann besondere Sorgfalt erforderlich.

Knapp 15 Prozent der Bevölkerung leiden unter Heuschnupfen. Das mittlere Alter bei der Erstdiagnose liegt bei 26 Jahren, so ein Ergebnis des Survey 2000 der Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg (KORA) im Rahmen des Projekts „Monitoring Trends and Determinants in Cardiovascular Disease“ (MONICA). Das aber bedeute, so Prof. Dr. Thorsten Schäfer, Immenstadt, dass etwa die Hälfte der Befragten erst nach dem 26. Lebensjahr erstmals an einer allergischen Rhinitis erkrankt. Selbst bei Menschen jenseits des 60. Lebensjahrs kann Heuschnupfen zum ersten Mal auftreten.

Interessant ist auch der Blick auf die Partneranamnese: Das Risiko für eine allergische Rhinitis lag höher, wenn der Lebenspartner an Heuschnupfen litt (21 % vs. 14 %). Dabei galt: Je länger das Paar zusammenlebte, umso höher war das Risiko. Entscheidend dafür sind laut Schäfer die geteilten Umweltfaktoren. Therapeutisch kommt auch bei älteren Patienten noch eine subkutane Immuntherapie in Betracht. Besonders wichtig aber ist bei älteren Allergiepatienten der Blick auf mögliche Kontraindikationen aufgrund von Begleiterkrankungen oder Medikamenten.

Bei älteren Patienten mit Verdacht auf eine Allergie ist es besonders wichtig, Differenzialdiagnosen in Erwägung zu ziehen und abzuklären. Das gilt auch beim atopischen Ekzem, unter dem etwa drei Prozent der Erwachsenen leiden. Treten derartige Hautveränderungen bei älteren Patienten auf, muss auch ein kutanes T-Zell-Lymphom in Betracht gezogen werden.

Vorsicht vor Haselnuss und Sellerie

Viele Erwachsene klagen über Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Daten aus der KORA-Studie gibt es auch dazu. Verglichen wurden die Eigenangaben von 1537 Erwachsenen zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten mit der allergischen Sensibilisierung im Prick-Test. Etwa 20 Prozent der Befragten gaben eine Nahrungsmittelunverträglichkeit an, Frauen mit 27,5 Prozent signifikant häufiger als Männer mit 14 Prozent. Nüsse, Kernobst, Zitrusfrüchte und Steinobst standen ganz oben auf der „Hitliste“. Im Prick-Test reagierte etwa ein Viertel der Patienten auf mindestens eines der zehn getesteten Allergene. Haselnuss, Sellerie und Erdnüsse lagen hier ganz vorn. Milch, Fisch und Hühnerei belegten eher die hinteren Plätze. Eine Überempfindlichkeit auf Medikamente gaben 6,6 Prozent der Befragten an. Penicillin lag dabei an der Spitze, gefolgt von anderen Antibiotika.

Duftstoffe: besondere Gefahr im Alter

Nickel- und Duftstoffe sind Kontaktallergene, die auch im Alter häufig allergische Reaktionen auslösen. Daten einer Untersuchung, die das Auftreten von Kontaktallergien bei Erwachsenen untersuchte, zeigten bei 24 Prozent der 25- bis 34-Jährigen eine Nickelallergie, bei 18 Prozent der 35- bis 44-Jährigen, bei 12,5 Prozent der 45- bis 54-Jährigen und immerhin noch bei 5,6 Prozent der 55- bis 59-Jährigen. Kontaktdermatitiden ausgelöst durch Duftstoffe wurden dagegen mit zunehmendem Alter immer häufiger, mit zehn Prozent bei den 25- bis 34-Jährigen und 20 Prozent bei den 55- bis 59-Jährigen.

Tod durch Insektenstichallergie

Eine Sensibilisierung, aber keine allergische Reaktion zeigen etwa 25 Prozent der Gesamtbevölkerung auf Insektenstiche, zwei Prozent entwickeln einen anaphylaktischen Schock. Die Zahl der Todesfälle liegt bei 20 pro Jahr in Deutschland. Dabei trifft es vor allem Erwachsene, und unter diesen vor allem Männer. Verantwortlich machte Schäfer dafür eine höhere Exposition, aber auch Vorerkrankungen sowie die Einnahme von Betablockern und Hemmern des Angiotensin-konvertierenden Enzyms.

springermedizin.de/ki, Apotheker Plus 2/2013

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