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Verbreitet sich explosionsartig und ist hochallergen: das beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia).
 
Immunologie 3. Juli 2012

Ambrosia-Allergie im Vormarsch

Wenn Globalisierung und Klimawandel zusammenspielen.

Es hat gefiederte grüne Blätter, kann bis zu zwei Meter hoch werden und wird oft mit dem gemeinen Beifuß verwechselt: das beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia), auch Beifuß-Ambrosie genannt.

 

Das unscheinbare Kraut macht den Menschen auch in unseren Region zunehmend zu schaffen, obwohl es ursprünglich in Europa gar nicht beheimatet ist.

„Die Ambrosia ist zum einen hoch allergen, zum anderen verlaufen Ambrosia-Allergien oft sehr schwer. Das kann ein starker Heuschnupfen sein, eine Bindehautentzündung, ein juckendes Ekzem bis hin zum Asthma“, sagt Dr. Christiane Pfeiffer, Allergologin an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Ulm.

Projekt ATOPICA

Um Ausbreitung, Auswirkungen und Möglichkeiten der Bekämpfung des Ambrosia-Bewuchses zu erforschen, haben sich Institute verschiedener Disziplinen aus ganz Europa zu dem EU-geförderten Projekt ATOPICA zusammengeschlossen (www.atopica.eu).

Die Ulmer Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie leitet den klinischen Teil der wissenschaftlichen Studie, wie Pfeiffer erläutert: „Wir möchten herausfinden, ob man auch im Alter noch Allergien neu entwickeln kann. Deshalb nehmen wir Menschen ab 60 Jahre in unsere Studie auf.“

Klimaerwärmung fördert die Ausbreitung

Dass Menschen hierzulande überhaupt unter Ambrosia-Allergie leiden, ist Ergebnis des Zusammenspiels von Globalisierung und Klimawandel: Die ursprünglich in Nordamerika beheimatete Pflanze wurde vermutlich bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach Europa eingeschleppt. Zwischen Getreide und Kleesaat erreichten Ambrosia-Samen die Häfen Europas und breiteten sich von dort über die Landwege weiter aus. Doch die klimatischen Bedingungen in Mitteleuropa ließen zunächst keine dauerhaften Ambrosia-Bestände zu. Die zunehmende Klimaerwärmung Ende des 20. Jahrhunderts änderte dies jedoch.

Im Vogelfutter

Heute finden sich Ambrosia-Pflanzen an Wegesrändern und auf Schutthalden, auf Baustellen wie am Waldrand. Und auch in vielen Gärten, wie Pfeiffer bestätigt: „Neben der Verbreitung über Gütertransporte ist ein Großteil der erhältlichen Vogelfuttermischungen mit Ambrosia-Samen verunreinigt“, so die Studienleiterin. In einer Untersuchung des Verbrauchermagazins Ökotest aus dem Jahr 2007 waren nur drei von 18 Vogelfutterprodukten frei von Ambrosia-Samen.

Meldepflicht in der Schweiz

Via Pollenflug konnte sich die Ambrosia außerdem über die Westschweiz bis in den Oberrheingraben ausbreiten. Der Schaden ist so beträchtlich, dass die Schweiz eine Melde- und Bekämpfungspflicht eingeführt hat. Einfaches Abmähen genügt allerdings nicht, da die Wurzeln erneut austreiben und die Ambrosia bis zu vier Mal pro Jahr blüht – und ihre Pollen verbreitet.

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