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Ein gängiger Abluftschlauch
 
Pulmologie 30. März 2011

Grenzenlos verbreitet: Feinstaub

Ultrafeine Partikel und bodennahes Ozon bedeuten für Allergiker und Asthmatiker eine extreme Belastung.

Bereits im Februar zeichnete sich ab, dass 2011 zum Jahr der negativen Feinstaubrekorde werden könnte. Besonders kritisch ist die Situation in Graz, wo Anfang Februar 26 Mal die Grenzwerte überschritten wurden und die Feinstaubtoleranz für das ganze Jahr somit schon aufgebraucht ist. In der warmen Jahreszeit ist bodennahes Ozon eine zusätzliche gesundheitliche Beeinträchtigung. Im Rahmen des 8. P-AIR Presseclubs diskutierten Experten die Auswirkungen von Feinstaub und bodennahem Ozon auf die Entstehung und den Verlauf von Atemwegserkrankungen.

 

Als Feinstaub werden Partikel mit einem Durchmesser unter zehn Mikrogramm (PM10) bezeichnet. „Für die Ausprägung gesundheitlicher Effekte ist besonders die Partikelgröße entscheidend. Je kleiner die Teilchen, desto größer ihre gesundheitliche Bedeutung. Daher spielen gerade die ultrafeinen Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 0,1 Mikrometer (PM0.1) eine besonders problematische Rolle. Ihr gesundheitlicher Impact ist hoch, denn die ultrafeinen Partikel können tief in die Atemwege bis in die Lungenbläschen eindringen und von dort weiter in die Blutbahn gelangen, aber auch entlang des Riechnervs bis ins Gehirn vordringen“, sagte Doz. DI Dr. Hans-Peter Hutter vom Institut für Umwelthygiene der MedUni Wien beim 8. P-Air Presseclub.

Wirkungen auf die Gesundheit

Besonders gefährdet sind Kinder, Personen über 65 sowie Asthmatiker und Allergiker. „Die Teilchen dringen in das Lungengewebe ein, sie überwinden die Barriere zum Blutkreislauf und gelangen ins Blut und in alle Organe. Sie können Thrombosen verursachen, den Gasaustausch in den kleinen Lungenbläschen beeinträchtigen, Organzellen schädigen sowie zu Entzündungen und Wucherungen führen. Erkrankungen und Symptome wie Atemwegsentzündungen, Husten, Atemwegsinfekte, Bronchitis, Asthma, Herz-Kreislauferkrankungen bis zum Bronchial- und Lungenkrebs werden mit Feinstaub in Verbindung gebracht. Die durch Feinstaub verstärkte Arterienverkalkung erhöht die Herzinfarkt- und Schlaganfall-Gefahr und führt zu einer verkürzten Lebenserwartung“, erläuterte Prof. Dr. Wolfgang Pohl, Vorstand der Abteilung für Atmungs- und Lungenkrankheiten am Krankenhaus Hietzing.

Während Feinstaub als Hauptkomponente der winterlichen Luftverschmutzung gilt, ist Ozon ein typisches Sommerproblem, da es als sekundärer Schadstoff erst durch UV-Einstrahlung entsteht. Als aggressives Reizgas dringt Ozon aufgrund seiner geringen Wasserlöslichkeit tief in die Lunge ein und kann Zellmembranen sowie Nervenendigungen im Atemwegsepithel angreifen. In der Folge kommt es dort zu irritativen Veränderungen und Entzündungen. Problematisch ist das Zusammenwirken mit anderen Schadstoffen, beispielsweise können Feinstaub oder Pollen sowie Hitzebelastung die O3-Effekte verstärken. Akute Wirkungen der Ozon-Belastung sind Reizerscheinungen an den Schleimhäuten (Kratzen im Hals, Augenbrennen), Husten, Engegefühl und Schmerzen beim tiefen Einatmen sowie eine verminderte Lungenfunktion. Betroffen sind gesunde Personen, aber auch empfindliche Personen wie z.B. Kinder und Asthmatiker. Zuletzt zeigte eine Studie (Strickland et al. 2010), dass es bereits bei relativ niedrigen O3-Konzentrationen zu einem deutlichen Anstieg an Notfallaufnahmen für kindliches Asthma kommt.

Die Experten sind sich einig, dass neben der verstärkten Aufklärung von Risikopersonen vor allem langfristige Maßnahmen seitens der Politik notwendig sind, um die gesundheitlichen Auswirkungen zu verringern.

 

Quelle: 8. P-Air Presseclub am 16. März 2011.

welldone/IS, Ärzte Woche 13 /2011

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