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Prof. Dr. Rudolf Valenta, Leiter der Abteilung für Immunpathologie am Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der MedUni Wien
 
25. Jänner 2011

Erfolgreicher Kongress trotz Wetterkapriolen

Jung und Alt, aber auch Ost und West trafen sich bei der ÖGAI-Jahrestagung in Wien.

Das Wetter spielte den Organisatoren einen bösen Streich. Just zu Beginn der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI) Anfang Dezember brach der Winter unerwartet früh und heftig über Mitteleuropa herein und hinderte unter anderem den Festredner, Nobelpreisträger Prof. Dr. Harald zur Hausen, Heidelberg, Deutschland, am Flug nach Wien. Doch die Wetterunbilden konnten dem Erfolg des Kongresses letztendlich nur wenig anhaben.

 

Tagungspräsident Prof. Dr. Rudolf Valenta, Leiter der Abteilung für Immunpathologie am Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der MedUni Wien, sprach mit der Ärzte Woche über den Verlauf des Kongresses.

 

Wer hielt statt Professor zur Hausen die Festrede?

 

Valenta: Wir fanden einen würdigen Ersatz in Prof. Dr. Wilfried Ellmeier vom Institut für Immunologie, der über seine jüngsten Arbeiten zur Rolle des Transkriptionsfaktors MAZR in der Differenzierung von CD4+- und CD8+-Zellen berichtete. Diese Arbeit wurde auch in Nature Immunology publiziert.

Der zweite wichtige Vortrag an diesem Abend war jener von Prof. Dr. Vlacka Curin-Šerbec, Ljubljana, Slowenien, die mit ihrer Gruppe erstmals Antikörper herstellte, die bestimmte Prionen erkennen können. Möglicherweise könnte auf Basis dieser Arbeiten eine passive Impfung erzeugt werden. Ich war selbst überrascht von dem, was ich da zu hören bekam, wie weit die Arbeiten schon fortgeschritten sind, wenn es auch noch ein weiter Weg bis zur praktischen Anwendung ist.

 

Was waren in Ihren Augen die wichtigsten Themen?

 

Valenta: Wir achten auf eine breite Streuung mit Vorträgen und Abstracts zu verschiedensten Themen der Immunologie und Allergologie, von Grundlagenforschung bis zur klinischen Anwendung.

Neben den schon erwähnten Vorträgen möchte ich auch jenen von Prof. Dr. Shigeo Koyasu, Tokio, Japan, herausstreichen, der über „natural helper cells“ berichtete. Das sind neu entdeckte Immunzellen, die zum angeborenen, also unspezifischen, Immunsystem zählen, aber dennoch Th2-Zytokine produzieren.

Ein weiteres Highlight am Kongress war Prof. Dr. Stephen Durham, London, England, mit seinem Vortrag über Immuntoleranz. Er hat sich sehr intensiv mit allergen-spezifischer Immuntherapie befasst und auch aufsehenerregende Studien zum Thema veröffentlicht. Dieser Vortrag erinnerte an das Jubiläum „100 Jahre Spezifische Immuntherapie“, denn die erste Arbeit, in der Allergiker mit Allergenen geimpft wurden, wurde 1911 von Leonard Noon im Lancet publiziert.

Neben vielen anderen hervorragenden wissenschaftlichen Vorträgen sprach Prof. Dr. Fritz Melchers, der ehemalige Leiter des Basler Instituts für Immunologie, aus dem schon drei Nobelpreisträger hervorgegangen sind, über „Wa(h)re Wissenschaft“, also über Ethik in Grundlagen- und Anwendungsforschung und insbesondere über die Unterschiede zwischen Grundlagenforschung und sogenannter angewandter Forschung. Die These, dass aus reiner Grundlagenforschung oft mehr bahnbrechende Entdeckungen für die Diagnose, Prävention und Behandlung von Erkrankungen als aus der sogenannten angewandten Forschung kommen, löste angeregte Diskussionen aus.

 

Was zeichnet die Jahrestagung der ÖGAI aus?

 

Valenta: Wir haben ein sehr einfaches Modell gefunden, indem wir benachbarte Gesellschaften einladen, sowohl deren Mitglieder als auch Vortragende. Nach erfolgreichen Tagungen mit den Gesellschaften aus Italien und Deutschland haben wir nun die Gesellschaften aus der Tschechei, Ungarn, Slowakei, Slowenien und aus Kroatien eingeladen.

Das Prinzip ist immer: ein oder zwei Keynote-Lectures von bekannten Professoren und anschließend präsentieren die jungen Forscher ihre Ergebnisse. Die beste Präsentation wird prämiert. Es ist uns wichtig, dass auch die Jungen zu Wort kommen. Bei der gesamten Tagung legen wir großen Wert auf die Begegnung von etablierten Professoren mit jungen Kollegen.

Weiters wird in Postersessions bei Bier und Wein nicht nur angeregt diskutiert: Gutachter wählen die besten Präsentationen aus, und wir vergeben dafür dann Posterpreise. Bei der Tagung im Dezember wurden 15 Poster- und sieben Vortragspreise vergeben.

Dazu kommen eine Reihe von Sunrise- und „Meet the Professor“-Sessions, die vor allem den jungen Kollegen die Möglichkeit geben, mit etablierten Experten wissenschaftliche Themen zu diskutieren, aber auch Karrierefragen zu besprechen.

 

Vergeben Sie noch andere Preise?

 

Valenta: Die Karl-Landsteiner-Medaille wird an Personen verliehen, die nicht nur in der Immunologie Herausragendes geleistet haben, sondern auch für die ÖGAI. Diese Medaille ging diesmal an den Rheumatologen Prof. Dr. Josef Smolen, der als früherer Präsident der Gesellschaft ein erfolgreiches Meeting mit den deutschen Kollegen die größte Tagung in der bisherigen Geschichte der ÖGAI organisiert hat. Diese Erfahrung wird uns auch bei der Organisation des Vierten Europäischen Immunologie Kongresses 2015 helfen, den wir für Wien einwerben konnten.

Die Clemens-von-Pirquet-Medaille wurde an Prof. Dr. Thomas Platts-Mills, Charlottesville, USA, überreicht, ein wirkliches „Urgestein“ der Allergologie. Thomas Platts-Mills hat bereits mit den Entdeckern der IgE-Antikörper zusammengearbeitet und bahnbrechende Arbeiten auf dem Gebiet der Allergencharakterisierung, der Pathomechanismen der Allergie und der Epidemiologie allergischer Erkrankungen veröffentlicht. Kürzlich entdeckte er auch IgE-Antworten auf bestimmte Kohlehydrate, die anaphylaktische Reaktionen auf Biologika erklären könnten.

 

www.oegai.org

Von Livia Rohrmoser, Ärzte Woche 4 /2011

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