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Pulmologie 11. Mai 2010

Der allergische Marsch

Frühzeitige Diagnose von Allergien verhindert die Ausweitung auf weitere Organe.

Je länger eine Allergie unbehandelt andauert, desto mehr Organe werden betroffen. Das beeinträchtigt die Lebensqualität der Patienten aufgrund von Schlafproblemen, Abgeschlagenheit und gestörtem Geruchs- und Geschmackssinn. Anlässlich des von der „Global Initiative for Asthma“ (GINA) ausgerufenen Welt-Asthma-Tags am 4. Mai 2010 wurde bei einer Pressekonferenz einmal mehr auf die Bedeutung einer frühzeitigen Allergiediagnose und -behandlung hingewiesen.

Als „allergischen Marsch“ bezeichnen die Experten den typischen Verlauf der Prävalenzkurven entlang der Achse „Lebensalter“: Die „Wellenberge“ der Kurven der Erkrankungshäufigkeit wechseln sich im typischen Muster ab. Es beginnt mit der Nahrungsmittelunverträglichkeit im Säuglingsalter, gefolgt von der atopischen Dermatitis, danach steigt die Häufigkeit von Asthma typischerweise an und am Ende folgt die allergische Rhinitis, offenbar wie das Amen im Gebet. Denn der chronische Schnupfen gehört zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt, weiß Prof. Dr. Verena Niederberger von der HNO-Klinik der MedUni Wien.

Arztkonsultation oft zu spät

Der Grund liegt darin, dass Patienten oft erst den Weg zum Arzt finden, wenn der Leidensdruck bereits sehr groß ist. Weil die saisonale Belastung durch Gräser- und Blütenpollen aber unterschiedlich stark ausfällt – nicht jedes Jahr werden solch große Mengen an Birkenpollen in die Luft freigesetzt wie heuer –, vergehen oft mehrere Saisonen. Auch bedeute eine Asthmaerkrankung für die Betroffenen nicht immer Atemnot, wie oft – und fälschlich – angenommen wird, betont Dr. Waltraut Emminger, ärztliche Leiterin des Allergie-Ambulatoriums Rennweg, sondern bereits die Symptome Husten und Atemgeräusche zeigten Asthma an.

Etagenwechsel

30 bis 40 Prozent aller von einer Allergie Betroffenen entwickeln Asthma. Die Allergie der Atemwege gehört wegen des typischen Etagenwechsels sowohl zum Arbeitsgebiet von Lungenärzten wie auch von HNO-Fachärzten. Diesem Zusammenhang zwischen Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege wurde früher zu wenig Beachtung geschenkt – nun wird das Thema, das unter dem Begriff „united airway disease“ zusammengefasst wird, seit einigen Jahren intensiv erforscht.

Laut Österreichischem Patientenbericht ist Asthma bronchiale bei rund zehn Prozent der Erkrankten nicht unter Kontrolle, wird also unzureichend behandelt. Niederberger weist auch auf die Wichtigkeit einer kombinierten Behandlung der Nasen- und Lungensymptome hin.

Oft fehlt es an Grundlegendem, wie einer ausreichenden Patientenschulung. Gerade Asthma kann vom informierten Patienten in gewissen Grenzen selbst „gemanagt" und die Therapie angepasst werden. Prof. Dr. Wolfgang Popp, Leiter der 11. Medizinischen Abteilung mit Lungenkrankheiten und Langzeitbeatmungszentrum im Geriatriezentrum Am Wienerwald, bedauert, dass der größte Teil der Patienten eine entsprechende Ausbildung nicht genossen hat. Um Fehler bei der Benutzung von Inhalatoren zu vermeiden, sollte der Arzt sich zeigen lassen, wie der Patient seine Medikamente nimmt, fordert Popp.

Ein Disease Management Programm für Asthma, wie es in Deutschland seit vielen Jahren eingeführt ist, ist in Österreich nicht in Sicht, antwortet Sozialmedizinerin Prof. Dr. Anita Rieder auf die Frage der Ärzte Woche. Zuvor arbeiten die Sozialversicherungen an der Einführung von integrierten Programmen für Demenzerkrankte und KHK-Patienten. Allergie-Erkrankte können in der Zwischenzeit auf Selbstheilung hoffen, die bei etwa fünf Prozent der Betroffenen festzustellen ist.

Von Inge Smolek, Ärzte Woche 19 /2010

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