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Pulmologie 23. Februar 2010

Umprogrammierte T-Helferzellen

Berliner Entdeckung eröffnet neue Therapieoption bei Allergien.

Bisher galt die Prägung von T-Helferzellen auf einem bestimmten Erregertyp als unwiderruflich. Immunologen der Charité Berlin und des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums Berlin zeigten nun, dass sich diese Zellen umprogrammieren lassen.

 

Bislang waren fünf Untergruppen von Th-Zellen bekannt. Th1-Zellen bekämpfen krankmachende Keime und Viren innerhalb der Zellen des menschlichen Körpers. Th2-Zellen dagegen wehren außerhalb der Zellen vorkommende Erreger und Parasiten ab. Sie sind auch für die Entstehung von Asthma und Allergien verantwortlich. Jeder Th-Zelltyp wird von einem Schlüssel-Transkriptionsfaktor gesteuert. Nun konnten Prof. Dr. Max Löhning und sein Team nachweisen, dass sich bereits spezialisierte Th2-Zellen umprogrammieren lassen. Dafür injizierten sie Mäusen diese Zellen, die auf die Abwehr von Parasiten geprägt sind. Anschließend infizierten sie die Mäuse aber gezielt mit Viren. Die Virusinfektion löste bestimmte Immunsignale aus. Mit diesen Signalen gelang es den Forschern, die Th2-Zellen auch zur Bekämpfung der viralen Erreger anzuregen.

Sie fanden heraus, dass durch die neue Prägung auf Viren die anfängliche Spezialisierung auf Parasiten nicht verloren geht. Stattdessen entsteht ein neuer Zwischentyp, so genannte ‚Th2+1’-Zellen. Sie vereinen in sich das Abwehrpotenzial beider Untergruppen und erwiesen sich in der Studie als stabil: Auch Monate nach Abklingen der Virusinfektion war die neue Abwehrfunktion noch in den Gedächtnis-T-Zellen feststellbar. Jede der neuen Th-Zellen bildet zwei Schlüssel-Transkriptionsfaktoren – sowohl den Genregulator zur Parasitenabwehr als auch den Faktor zur Virusbekämpfung.

Diese grundlegenden Erkenntnisse fördern nicht nur das Verständnis von ‚Lernprozessen’ in Immunzellen. Sie eröffnen auch neue Wege zur Therapie von Asthma und Allergien. „Durch das Umprogrammieren in die neue Hybridform hoffen wir, die Allergie verstärkenden Eigenschaften dieser Helferzellen schwächen zu können“, sagt Löhning.

 

Quelle: Hegazy et al.: Immunity 2010; doi:10.1016/j.immuni.2009.12.004

Charité/PH, Ärzte Woche 08 /2010

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