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Immunologie 23. Februar 2010

Allergieforschung: Impfstoffe werden besser und sicherer

In Salzburg wird an der Entwicklung von Diagnostika und Impfstoffen bei Unkrautallergien gearbeitet.

Die Allergieforschung hat in Österreich eine lange Tradition. Das Konzept und das Wort Allergie wurden von Clemens von Pirquet vor fast 100 Jahren in Wien geprägt. Seither behauptet sich die österreichische Allergologie im Spitzenfeld der internationalen Forschung.

 

Heute stehen vor allem die molekulare Identifikation und die klinische Anwendung von rekombinanten Allergenen im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses. Prof. Dr. Fátima Ferreira-Briza, gebürtige Brasilianerin, derzeit Molekularbiologin an der Universität Salzburg, setzte einen neuen Meilenstein in der Allergieforschung: die Herstellung des ersten rekombinanten Birkenpollenallergens.

Als Ferreira-Briza Anfang der 1990er-Jahre nach Wien kam, arbeitete sie am Institut für Pathophysiologie der Universität Wien. Ihr Lehrmeister Prof. Dr. Dietrich Kraft, führend bei der Erforschung von Pollenallergien, band sie in das Projekt zur Entwicklung eines rekombinanten Birkenpollenallergens ein. Damit gelang ihr der wissenschaftliche Durchbruch. 2009 wurde sie vom Klub der Wissenschaftsjournalisten zur Wissenschaftlerin des Jahres gewählt.

Das Immunsystem noch einmal zur Schule schicken

Das Prinzip der Impfung hat sich seit der erstmals angewandten Hyposensibilisierung im Jahr 1911 nicht wesentlich geändert.

Die Impfung ist auch heute die einzige Möglichkeit, eine Allergie nicht nur symptomatisch zu behandeln, sondern auch zu heilen. „Die Impfung funktioniert beinahe so, als würde man das Immunsystem nochmals zur Schule schicken“, erklärte Ferreira im Rahmen einer Veranstaltung der Freunde der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wiener Vorlesungen. „Dem Patienten werden ansteigende Dosen des Allergie auslösenden Allergens verabreicht, damit der Organismus eine Toleranz entwickelt und nicht mehr mit überschießenden Reaktionen, sondern wie ein Nichtallergiker reagiert.“

Nur hochreine Impfstoffe

Allerdings enthalten diese Extrakte nicht nur die Allergie auslösenden Substanzen, sondern auch eine Reihe anderer Stoffe, gegen die der Patient nicht allergisch ist. „Bei der neuen Methode der Allergieimpfung mit rekombinanten Allergenen werden nur hochreine Impfstoffe verwendet. Damit lässt sich die Menge des Allergie auslösenden Stoffes genau dosieren und die Nebenwirkungen werden deutlich vermindert.“

Für die Herstellung eines rekombinanten Allergens muss zunächst festgestellt werden, auf welches Protein der Patient reagiert. Diese Strukturen werden dann genetisch charakterisiert und in die kodierende DNA von Mikroorganismen eingebracht, die dann die rekombinanten Allergene produzieren. Dieser speziell dafür erstellte Produktionsprozess ist hochrein, nicht toxisch und daher für die Impfstoffentwicklung besonders geeignet.

Der Forschungsschwerpunkt von Ferreira liegt derzeit in der Entwicklung von Diagnostika und Impfstoffen zur Bekämpfung von Unkrautallergien, vor allem Beifuß- und Traubenkrautallergien.

Neue Kontaktallergene
Neu in der europäischen Standardreihe sind seit 2008 die Duftstoffe Mix II und Lyral. Lyral wird als Duftstoff häufig für die Produktion von Parfums, Seifen und Deodorants verwendet. Bei einer Untersuchung konnte Lyral in 33 Prozent von über 300 Kosmetikprodukten und in 46 Prozent von 400 Parfumzubereitungen nachgewiesen werden. Für Duftstoffe gibt es in der EU mittlerweile eine Bestimmung, laut der 26 Duftstoffe wegen ihres allergischen Potentials deklariert werden müssen.

Von Dr. Gerta Niebauer, Ärzte Woche 08 /2010

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