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Foto: wikipedia / Eric V from Greensboro/Chapel Hill
Der Einsatz von Para-Phenylendiamin (PPD) in Haarfärbemitteln geht zwar zurück, die Alternativen sind jedoch zum Teil ebenso problematisch.
 
Allgemeinmedizin 3. November 2009

Kein Krebs durch Haarefärben

Noch keine abschließende Bewertung zum Allergierisiko.

Haarfärbemittel stehen im Fokus der Aufmerksamkeit, seit die Auswertung epidemiologischer Untersuchungen aus den USA aus dem Jahr 2001 Hinweise auf ein erhöhtes Risiko von Harnblasenkrebs bei Frisören und Verbrauchern lieferte.

 

Am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin kamen rund 100 Vertreter aus Wissenschaft, Behörden, Industrie, Verbraucherverbänden und Medien zusammen, um den aktuellen wissenschaftlichen Stand zu Krebsgefahr und Sensibilisierung zu ermitteln und Forschungsbedarf zu diskutieren, nachdem die EU-Kommission eine systematische Sicherheitsbewertung aller in Haarfärbemitteln verwendeten Substanzen initiiert hat, mit dem Ziel, eine Positivliste gesundheitlich unbedenklicher Stoffe zu erstellen.

Bezügliche der Krebsgefahr kamen die Experten zum Schluss, dass die bislang vorliegenden epidemiologischen Erkenntnisse zu einem möglichen Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und Haarfärbemittelgebrauch kein einheitliches Bild ergeben – die Datenlage sei nicht ausreichend, um einen eindeutigen statistischen Zusammenhang abzuleiten. Für Verbraucherinnen und Verbraucher besteht also demnach kein Krebsrisiko durch Haarfärbemittel, weil die problematischen Substanzen bereits seit langem verboten sind.

Sensibilisierung hat viele Ursachen

Manche der kommerziell bedeutenden Substanzen, die in Haarfärbemitteln verwendet werden, wirken allerdings sensibilisierend und können in der Folge allergische Reaktionen der Haut auslösen. Allergische Reaktionen durch Haarfärbemittel, insbesondere auch bei Frisörinnen und Frisören, ist ein nach wie vor ungelöstes Problem, das weiterer Grundlagenforschung bedarf.

Als erstes kommerzielles Farbmittel kam übrigens 1907 Para-Phenylendiamin (PPD) auf den Markt. PPD hat stark sensibilisierende Eigenschaften und kann Kontaktallergien auslösen. In Haarfärbemitteln wird PPD als Vorstufe des Farbtons eingesetzt – die eigentliche Farbe bildet sich in einer chemischen Reaktion mit Oxidationskupplern im Haar. Der Einsatz von PPD in Haarfärbemitteln geht insgesamt zurück, die Alternativen sind jedoch zum Teil ebenso problematisch. In Hautkliniken in Europa sind drei bis fünf Prozent der Patientinnen und Patienten mit Kontaktallergien gegenüber PPD sensibilisiert, allerdings wird geschätzt, dass nur etwa ein Drittel dieser Fälle auf die Verwendung von Haarfärbemitteln zurückzuführen ist. Für die übrigen könnten Farben in Textilien und Leder sowie Henna-Tattoos oder klinisch-dermatologische Allergietests die Ursache sein. Aber auch die von einigen Haarfärbemittel-Herstellern empfohlene Selbsttestung wird als Faktor für die Sensibilisierung diskutiert. BfR/PH

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