zur Navigation zum Inhalt
 
Chirurgie 18. August 2015

Falscher Operateur

Eine besorgte Mutter aus Österreich ließ einen Beauty-Pfuscher auffliegen. Der 31-Jährige hatte zuvor Dutzende Männern und Frauen behandelt, ohne Arzt zu sein.

Vier Jahre und drei Monate Haft lautet das Urteil gegen einen falschen Schönheitschirurgen in Deutschland. Der 31-Jährige hatte an Dutzenden Männern und Frauen Schönheitsoperationen durchgeführt, dabei war er gar kein Arzt. Das vergleichsweise milde Urteil verdankt er vor allem seinem umfangreichen Geständnis.

„Er hat mehrfach seine Reue zum Ausdruck gebracht“, erklärte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung Ende Juli. Lange war es für den falschen Arzt ein einträgliches Geschäft. Mehrere zehntausend Euro soll er mit den Operationen verdient haben. Meist spritzte er Silikon und Botox in Wangen, Lippen und Stirn. Erste Patientin war eine Clubsängerin aus Hannover. Die angeblich erfolgreiche Behandlung sprach sich schnell in sozialen Netzwerken herum, die Kunden standen fortan Schlange. Mehr als 50 listet die Anklage auf.

Die Täuschung des Mannes wirkte offenbar echt. „Alle Patienten ließen sich nur deshalb behandeln, weil sie dachten, es mit einem Arzt zu tun zu haben“, sagte die Richterin. Mit gefälschten Dokumenten und Urkunden hatte er sich einen medizinischen Werdegang zugelegt, warb im Internet mit Behandlungserfolgen.

Schließlich war es eine besorgte Mutter aus Österreich, die den Betrug auffliegen ließ. Ihr kamen Zweifel an der Echtheit der Arztzulassung, sie schaltete die Behörden ein. Zahlreiche Geschädigte hatten von schmerzhaften Schwellungen und Taubheitsgefühlen berichtet. „Gravierende Folgen sind bisher Gott sei Dank nicht eingetreten“, sagte die Richterin. Der Ertappte selbst hatte vor Gericht gesagt, er sei froh, aufgeflogen zu sein.

Gänzlich unvorbereitet ging der Regensburger nicht ans Werk. Mehrfach hatte er sich zunächst selbst kosmetischen Operationen unterzogen und Korrekturen am eigenen Gesicht durchgeführt. Die aufgespritzten Lippen des Mannes waren bei der Urteilsverkündung gut zu erkennen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben