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© Udo Gottschalk/imago
Ob Silikon oder Kochsalz: Brustimplantate erschweren die Krebsdiagnostik.
 

Tumor unterm Implantat

Wenn sich ein Mammakarzinom hinter einem Implantat versteckt, kann es sich der Röntgendiagnostik entziehen. Eine Metaanalyse bestätigt: Bei Trägerinnen von Brustimplantaten werden Tumoren der oft erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt.

Sowohl Brustimplantate aus Silikon als auch mit Kochsalzlösung gefüllte Kissen verschatten in der Mammografie Anteile des Brustgewebes. Dadurch wird im Ernstfall auch die Darstellung eines Mammakarzinoms erschwert, warnen die Autoren einer Metaanalyse. Das Ergebnis auf der Grundlage von zwölf auswertbaren Studien mit rund 900 Patientinnen: Bei Implantat-Trägerinnen war das Risiko eines fortgeschrittenen Stadiums (nicht lokalisierter Tumor) um den Faktor 1,26 gegenüber Frauen ohne Implantat erhöht. Schloss man die einzige Studie mit hoher Heterogenität aus, erhöhte sich der Faktor auf 1,42. Die kanadische Metaanalyse beschränkt sich allerdings auf invasive Karzinome.

Die Autoren betonen, dass sich das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, durch die Implantate nicht erhöht. Hierzu gebe es mittlerweile ausreichend Evidenz. Dass ein Brustimplantat bei der Mammografie stört, ist jedoch nicht von der Hand zu weisen. Dabei gehe es nicht nur um die mögliche Verschattung von Befunden, so die Forscher. Mit Implantat lässt sich die Brust schlechter komprimieren, außerdem kann es auf dem Röntgenfilm zu Artefakten kommen. Bis zu 20 Prozent der augmentierten Frauen zeigen zudem Kapselkontrakturen, was die Sensitivität der Mammografie um bis zu 50 Prozent herabsetzt. Besonders schwierig scheint die Darstellung bei Implantaten zu sein, die subglandulär sitzen. Solche machten in einer Studie deutlich mehr Probleme als submuskuläre Kissen.

Viele Untersucher wenden, um das Problem zu umgehen, beim Röntgen Verschiebemanöver an. Aber wie man es auch dreht und wendet: Immer bleibt ein erheblicher Teil des Parenchyms vom Implantat verdeckt. Mehrere Autoren haben daher vorgeschlagen, Implantatträgerinnen per Magnetresonanztomografie zu untersuchen; damit könne man das gesamte Gewebe rund ums Kissen darstellen. Inwieweit die Patientinnen jedoch davon profitieren, ist derzeit unklar.

Lavigne E et al.: BMJ 2013; 346: f2399

springermedizin.de, Ärzte Woche 21/2013

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