zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 13. Juni 2016

Gehacktes Hintertürl

Das Internet der Dinge: Sicherheitsmaßnahmen gegen Hardware-Trojaner gesucht.

Ob das Internet der Dinge eine Bereicherung oder eine Gefahr ist, entscheidet die jeweilige IT-Sicherheitsstrategie. Bevor Hacker menschliches Leben bedrohen, wollen Kryptologen dies proaktiv verhindern. Dafür erhalten sie den Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats.

In wenigen Jahren wird es kaum mehr einen Bereich des alltäglichen Lebens geben, der nicht mit dem Internet der Dinge vernetzt ist. Auto, Haus, Smartphones und Fabriken werden über und mit dem Internet verbunden sein und massenhaft Daten austauschen. Für die Kommunikationsprofis und Springer-Autoren Dieter Schweer und Jan Christian Sahl gehören schon heute mobiles Internet, soziale Medien und digitale Serviceleistungen zum Alltag. „Jetzt beginnt das Zeitalter des Internets der Dinge.“

Und sie sind fest der Ansicht, dass „ganze Wertschöpfungsketten durch digitale Technologien, teils evolutionär, teils disruptiv, verändert werden“. Wie sehr sich dadurch die Wertschöpfung ändert, wissen die beiden Autoren auch. So zitieren sie eine Studie von Roland Berger Strategy Consultants, die im Auftrag des BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie) erstellt wurde, dass „bis zum Jahr 2025 Europa infolge der digitalen Transformation der Industrie einen Wertschöpfungszuwachs von rund 1,25 Billionen Euro erzielen – aber auch einen Verlust von 605 Milliarden Euro industrieller Bruttowertschöpfung erleiden könnte.

Noch größere Verluste aber können durch eine mangelhafte IT-Sicherheit verursacht werden. So warnt Professor Christof Paar: „Das Gefahrenpotenzial der Angriffe steigt dramatisch“. Und die Gefahren nicht nur für die Industrie sind seiner Ansicht nach erheblich. „Es gehe zum einen um den Schutz der Privatsphäre der Bürger; aber Hacker könnten im schlimmsten Fall auch menschliches Leben bedrohen“. Als besonders gefährlich gelten Angriffe, die nicht auf die Software, sondern auf die Hardware abzielen. Durch Manipulation der integrierten Schaltkreise können Angreifer kryptografische Algorithmen aushebeln. So können sie Sicherheitslösungen umgehen und Kontrolle über wichtige Geräte und Systeme erlangen.

Paar, der an der Ruhr-Universität Bochum lehrt, will dem mit ausgeklügelten Verfahren zuvor kommen und spezielle Sicherheitsmaßnahmen gegen Hardware-Trojaner entwickeln. Für sein Vorhaben erhält er nun einen Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats. Mit den 2,5 Millionen Euro Fördermitteln möchte der IT-Sicherheitsexperte gefährliche Hintertüren für Angriffe im Internet der Dinge schließen. Für den Kryptologen ist dies ein großer Erfolg. Immerhin ist der Advanced Grants des Europäischen Forschungsrats (ERC) hart umkämpft. Das Forschungsvorhaben „Exploring and Preventing Cryptographic Hardware Backdoors: Protecting the Internet of Things against Next-Generation Attacks“ von Christof Paar soll am 1. Oktober 2016 starten und für fünf Jahre laufen.

Die Forscher wollen zunächst umfassend analysieren, auf welchen Wegen eine Manipulation der Hardware möglich ist. Basierend auf den Erkenntnissen wollen sie dann wirksame Gegenmaßnahmen entwickeln, die Angriffe durch Hardware-Trojaner proaktiv verhindern. Solche Sicherheitsmaßnahmen sind nicht nur für Geräte im Internet der Dinge wichtig. Hardware-Trojaner können zum Beispiel auch Bankterminals oder Netzwerk-Router gefährden.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben