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© World History Archive/dpa

Die Bison-Mensch-Vogel-Szene aus der Höhle von Lascaux in der Dordogne. Prachtvolle Bilder von einem Meister aus der letzten Eiszeit.

 
Arzt-Patientenbeziehung 20. Dezember 2015

Sprachkurs für das Auge

Die Geschichte der Schrift, von den irischen Bilderhöhlen bis zu den digitalen Emojis, kurzweilig zwischen zwei Buchdeckel gepackt.

Der Mensch ist die längste Zeit ohne ABC ausgekommen. Doch je komplexer seine Handelsbeziehungen wurde, desto mehr Ideogramme und Buchstaben bevölkerten seine Welt.

In bis zu 18.000 Jahre alten Bilderhöhlen finden Forscher vielfältige Muster eingeritzt, Spiral-, Kreis- und Wellenmotive. Wir können sie heute nicht mehr deuten, aber mit Sicherheit hatten diese Bilder und Zeichen eine über die reine Darstellung hinausgehende Bedeutung.

Die ältesten Schriftsysteme im heutigen Sinn tauchen auf Kreta auf. Dort blühte seit Beginn des 2. Jahrtausends v. Chr. die bronzezeitliche minoische Kultur. Diese zentral gelenkte Wirtschaft und Gesellschaft mit ihren vielfältigen Handelsbeziehungen und ihrer Lagerhaltung machte die Ausbildung einer Schrift erforderlich. In den Ruinen ihrer Paläste finden sich bis heute handtellergroße Tontäfelchen, auf denen ausführliche Listen über Schafe und Getreide, Wein und Feigen geführt wurden, eingeritzt in der noch recht bildhaften sogenannten „Linear-A-Schrift“. Das bekannteste Schriftzeugnis, der Diskos von Phaistos, ist bis heute unübersetzt. Ähnliches lässt sich über die Schrift der Etrusker sagen. 11.000 etruskische Schriftzeugnisse sind bekannt. Entziffert wurden u. a. kurze Besitzinschriften wie mi quitun karkanas – „Ich bin der Krug von Karkana“ oder mi arathiale zichuche – „Ich wurde eingeritzt von Arath“.

Martin Kuckenberg, Eine Welt aus Zeichen, Die Geschichte der Schrift, Theiss Verlag 2015, 208 S. Hardcover, 41,10 Euro. ISBN 978-3-8062-2627-0.

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