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© Klaus Rose
Bei der „kleinen Spirometrie“ atmet der Patient in ein kleines Gerät, das den Luftstrom misst und Obstruktionen der Lunge aufzeigt.
 
Pulmologie 11. April 2014

Zu spät zum Facharzt

Die Österreichische Ärztekammer fordert COPD-Früherkennung beim Hausarzt für alle Versicherten.

Derzeit werden die Kosten für die sogenannte „kleine Spirometrie“ beim Hausarzt nicht in allen Bundesländern von den Krankenkassen übernommen. Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) fordert Gleichbehandlung.

Eine halbe Million Österreicherinnen und Österreicher leide an chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) im fortgeschrittenen Stadium. Das reiche von Kurzatmigkeit bei körperlicher Anstrengung, was gern verdrängt werde, bis zu lebensbedrohlicher Atemnot und starken Einschränkungen im Alltag.

Bei weiteren 500.000 bis 700.000 Betroffenen seien die Symptome noch wenig ausgeprägt. „Insgesamt gehen wir von mehr als einer Million Patienten aus, Tendenz steigend“, sagte Heinz Stolz, Obmann der Bundesfachgruppe Lungenkrankheiten in der ÖÄK, in einer Aussendung.

Dabei lasse sich die Krankheit mit einem einfachen Lungenfunktionstest schon beim Hausarzt diagnostizieren. „Nach wie vor übernehmen aber nicht alle Kassen diese wichtige Leistung, weshalb mehr als 1,9 Millionen Versicherte überhaupt nicht auf COPD getestet werden können“, kritisierte ÖÄK-Vizepräsident und Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte, Johannes Steinhart.

Chance auf rechtzeitige Therapie beim Facharzt

Bei der „kleinen Spirometrie“ atmet der Patient unter Anleitung durch den Mund in ein kleines Gerät, das den Luftstrom misst und Obstruktionen der Lunge aufzeigt. Es sei nicht einzusehen, dass die Gebietskrankenkassen in Wien und Kärnten diesen einfachen, aber aussagekräftigen Test beim Hausarzt nicht übernehmen, sagte der Leiter der Bundessektion Allgemeinmedizin, Gert Wiegele. „Wir reden hier von fast einem Viertel der Bevölkerung, dem ein niederschwelliger Zugang zur Diagnose einer schweren Erkrankung verwehrt wird.“ COPD-Experte Stolz ergänzte: „Zum Lungenfacharzt kommen die COPD-Patienten meist erst dann, wenn die Krankheit schon fortgeschritten ist – die einen, weil sie ihr COPD-Risiko unterschätzen, die anderen, weil sie es aus Angst vor der Diagnose verdrängen.“ Der Hausarzt hingegen kenne seine Patienten und könne sie wenn nötig im persönlichen Gespräch zur Abklärung bzw. zur Behandlung beim Facharzt motivieren.

„COPD ist nicht heilbar. Wir brauchen daher Prävention und forcierte Früherkennung. Immerhin haben gut 40 Prozent der Patienten, die aufgrund von COPD ins Spital mussten, noch nie einen Atemfunktionstest gemacht. Die ÖÄK setzt sich seit Jahren dafür ein, dass die ,kleine Spirometrie´ in die Vorsorgeuntersuchung integriert wird“, so Steinhart.

Nicht nur für Raucher

Zwar seien 90 Prozent der Betroffenen Raucher oder Exraucher. „Das heißt aber nicht, dass nur diese Gruppe gefährdet ist. Durch die Frühdiagnostik beim Hausarzt können auch nichtrauchende Risikopatienten herausgefiltert werden“, betonte Wiegele. Dazu gehörten vor allem Passivraucher und Personen, die in der Kindheit häufig unter Atemwegsinfekten gelitten haben.

Komplex, so Fachgruppenobmann Stolz, sei auch der Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen: „COPD-Patienten leiden oft auch an Diabetes, Übergewicht oder Bluthochdruck, also Erkrankungen, die nicht wehtun und meist auch zu spät diagnostiziert werden.“

Eine wichtige, noch nicht gänzlich erforschte Rolle spiele auch die genetische Veranlagung. Wiegele: „Grundsätzlich haben ältere Menschen ein höheres COPD-Risiko. Mit der demografischen Entwicklung steigt also auch die Zahl der COPD-Kranken. Das ist volkswirtschaftlich eine große Herausforderung.“ Bis dato fehle es an konkreten Zahlen, man schätze aber, dass die Hälfte der diagnostizierten 45- bis 65-Jährigen nicht mehr arbeitsfähig sei. Deutschen Berechnungen zufolge koste die Behandlung eines COPD-Patienten bis zu 3.000 Euro jährlich.

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