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APA-Artikel 22. August 2013

Verschreibungsdaten: Ärztekammer fordert Konsequenzen für alle Beteiligten

"Tief beunruhigt" zeigt sich Wiens Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres über die offensichtliche Ausweitung der Affäre rund um den Verkauf von Patientendaten. Die Tatsache, dass offensichtlich jedes zweite Spital und jede fünfte Apotheke in Österreich hochsensible Patientendaten weitergegeben haben könnte, zeige die riesige Dimension der ganzen Affäre. Szekeres fordert nun ein rasches Gipfelgespräch mit Vertretern des Gesundheitsministeriums, des Hauptverbands, der Apothekerkammer, der Pharmaindustrie sowie der Datenschutzkommission, um in Zukunft solche Praktiken bestmöglich verhindern zu können.

Was Szekeres derzeit vermisst, sind klare Worte seitens der Apothekerkammer sowie der Spitalserhalter. "Sofort als bekannt wurde, dass Ärztinnen und Ärzte in diesen Skandal verwickelt sind, hat die Ärztekammer unmissverständlich ihre Haltung gegenüber diesen Kolleginnen und Kollegen auch öffentlich zum Ausdruck gebracht. Wir werden jede Ärztin und jeden Arzt, von der beziehungsweise dem wir erfahren, dass sie oder er in einem einschlägigen Vertragsverhältnis mit IMS Health beziehungsweise Compu Group gestanden ist, beim Disziplinaranwalt beziehungsweise dem Ehrenrat der Österreichischen Ärztekammer anzeigen sowie eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft übermitteln."

Zu keinem Zeitpunkt habe sich die Ärztekammer auf die Argumentationslinie zurückgezogen, dass lediglich 1 oder 2 Prozent der österreichischen Ärzteschaft widerrechtlich Patientendaten weitergegeben haben könnten. Nun stehe im Raum, dass 50 Prozent der Krankenhäuser sowie 20 Prozent der Apotheken ebenfalls in die Datenaffäre verwickelt sein könnten. Szekeres erwartet sich nun eine ähnlich klare Stellungnahme seitens der Apothekerkammer und der Spitalserhalter, so wie er es für die Ärztekammer getan habe.

"Es muss rasch geklärt werden, wer welche Daten weitergegeben hat, und wir müssen sicherstellen, dass höchst sensible Patientendaten in Zukunft in jeder nur erdenklichen Weise geschützt werden." In diesem Sinne fordert Szekeres einmal mehr scharfe Konsequenzen für alle beteiligten Ärztinnen und Ärzte, aber auch für Krankenhausmanager und Apotheker. Hier fehle es offensichtlich am entsprechenden Bewusstsein, dass Daten von Krankheiten und Patienten "noch sensibler sind als etwa die Daten über Bankgeschäfte".

Von einem möglichen "Datengipfel" erwartet sich Szekeres einerseits die Aufarbeitung des derzeitigen Skandals, andererseits aber auch eine Weichenstellung für ein zukünftiges Prozedere, vor allem hinsichtlich der geplanten elektronischen Gesundheitsakte (ELGA). Hier sei auch der Hauptverband gefordert, "denn auf dessen Lippenbekenntnisse über maximale Datensicherheit gebe ich zum jetzigen Zeitpunkt noch weniger als sonst", so Szekeres. 

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