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Höhere Honorare für Zuwendungsmedizin in Salzburg.
 
Praxis 26. Juli 2013

Salzburg: Einigung zwischen SGKK und Ärztekammer

Paket zur Leistungsverbesserung abgeschlossen.

Die Vertragsverhandlungen zwischen der Salzburger Gebietskrankenkasse (SGKK) und der Ärztekammer für Salzburg sind für die Jahre 2013 bis 2015 abgeschlossen. Diesmal standen nicht Honorarerhöhungen allein im Zentrum, sondern auch strukturelle Verbesserungen, vor allem für die Allgemeinmedizin.

 

So werden neue gesprächsmedizinische Leistungen eingeführt und bestehende ausgeweitet sowie die Visitenhonorare massiv angehoben. Neue fachärztliche Untersuchungsmethoden haben das Ziel, die Krankenanstalten zu entlasten. Die Schaffung von Teilgruppenpraxen soll es ÄrztInnen künftig ermöglichen, sich eine Kassenstelle zu teilen - eine Maßnahme, die vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zum Ziel hat. Mehr Unterstützung bekommen auch ÄrztInnen, die Zweitordinationen in entlegenen Regionen betreiben, um dort die ärztliche Versorgung zu garantieren. Die gesamte Leistungsausweitung führt bei den AllgemeinmedizinerInnen zu Honorarerhöhungen von zehn Prozent (bei den Fachärzten etwas weniger) innerhalb der nächsten drei Jahre. "Wir investieren die Beitragseinnahmen unserer Versicherten in die Verbesserung der Versorgung. Der Ausbau hausärztlicher Leistungen und die Sicherung der Versorgung am Land sind zwei zentrale Ziele der SGKK", erklärt SGKK-Obmann Siegfried Schluckner.

Zuwendungsmedizin

Die SGKK verhandelt die Verträge über alle ärztlichen Leistungen mit der Ärztekammer als Interessensvertretung. Der heurige Verhandlungsabschluss zeichnet sich zum einen durch eine deutliche Ausweitung von Leistungen, zum anderen durch spürbare Honorarsteigerungen aus. Die Honorare der niedergelassenen ÄrztInnen werden unter Einrechnung aller neuen Kassenleistungen im heurigen Jahr um 4% und in den nächsten Jahren um 3,75% bzw. 3,2% steigen. In Summe ergibt dies rund 11 % Plus bis zum Jahr 2015.

Die Mehrkosten für die SGKK für diese drei Jahre werden rund 23 Millionen Euro betragen. Ein erheblicher Teil entfällt auf die Verbesserung allgemeinmedizinscher Leistungen. Erst kürzlich zeigte eine Befragung des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger, dass es einer der zentralen Wünsche der Versicherten ist, beim Arzt mehr Zeit für Gespräche zu haben. Die hausärztliche Erstanamnese wurde für neue Vertragsärzte massiv erhöht; dasselbe erfolgt generell für den hausärztlichen Koordinationszuschlag - allein diese Maßnahmen kosten jährlich rund 740.000 Euro. Hingewiesen wird hier auf die Vorreiterrolle Salzburgs hinsichtlich der "Medikamentenvereinbarung", nun auch ergänzt um das "Heilmittelberatungsgespräch" als neue Honorarposition. Es ermöglicht gerade bei multi-morbiden PatientInnen mit vielen verschiedenen Medikamenten eine intensive und individuelle Betreuung. Diese neue Leistung kostet jährlich 770.000 Euro mehr.

Innovative Untersuchungen

Die technischen Entwicklungen machen neue Untersuchungen möglich, die die Früherkennung von Krankheiten fördern. Bei manchen dieser Untersuchungen ist es sinnvoll - sowohl für die PatientInnen als auch aus volkswirtschaftlichen Gründen - sie im ambulanten Bereich und nicht nur im Spital anzubieten. Die SGKK hat deshalb drei neue Untersuchungen als Honorarposition für niedergelassene ÄrztInnen eingeführt, die bisher (fast) nur im stationären Bereich angeboten wurden: Aufzeichnungen der Schlafaktivitäten bei Verdacht auf Schlafapnoe (Atemstillstände während des Schlafes), technisch neue Augenuntersuchungen zur Früherkennung von Netzhautablösung und Glaukomen. Farbcodierte Doppler-Duplex-Untersuchungen von Venen und Arterien bei Thromboseverdacht sollen zur Verbesserung der Versorgung vor allem "Innergebirg" auch von RadiologInnen und speziell ausgebildeten DermatologInnen angeboten werden. Die Gesamtkosten für diese Positionen werden sich auf 1,5 bis 2 Millionen Euro jährlich belaufen und werden zum Teil aus Honorarabsenkungen im Großlabor finanziert.

Arbeitssituation von Ärztinnen und Ärzten

ÄrztInnen empfinden ihre Arbeitssituation zunehmend als belastend - das ergab die "Landarzt-Studie" 2012 im Auftrag der SGKK relativ klar. Im diesjährigen Verhandlungspaket wurde zwischen SGKK und Ärztekammer daher die Möglichkeit der Gründung einer Teilgruppenpraxis beschlossen. In Zukunft können sich zwei ÄrztInnen eine Kassenstelle teilen - Beruf und Familie/Privatleben sollen sich damit besser vereinbaren lassen. Die Einrichtung einer normalen Gruppenpraxis von zwei oder mehr ÄrztInnen wurde attraktiver gestaltet.

Zur Absicherung der Versorgung im ländlichen Raum gibt es derzeit 28 Zweitordinationen in entlegenen Gebieten, die an einzelnen Wochentagen von ÄrztInnen zusätzlich zur Hauptordination betrieben werden. Dafür gibt es nun eine finanzielle Förderung.

Ärztekammer-Vizepräsident Dr. Walter Arnberger: "Mit diesem Vertragsabschluss ist den Verhandlungspartnern SGKK und Ärztekammer, Kurie niedergelassene Ärzte, gelungen, sich der akuten Probleme in der medizinischen Versorgung besonders am Land anzunehmen und hier einen weiteren Schritt zu setzen. Es muss sichergestellt werden, dass sich wieder mehr AllgemeinmedizinerInnen für die Nachbesetzung von Kassenstellen finden. Wesentliche Punkte können hier allerdings nicht alleine in der Partnerschaft SGKK/Ärztekammer gelöst werden, sondern ist die Politik gefordert, das Problem der verpflichtenden Ausbildung zur/zum AllgemeinmedizinerIn in der Lehrpraxis zu lösen." Weitere Themen wie die radiologische Versorgung durch Gruppenpraxen und organisatorische Änderungen bei den Bereitschaftsdiensten befinden sich in laufenden Gesprächen. "Das Projekt 'Mammographie-Screening' zur österreichweiten Brustkrebsvorsorge wird mit Hilfe unserer Salzburger Radiologen eingeführt. Es liegt nun an einer massiven Informationsarbeit, um die bisher bereits im Salzburger Pilotprojekt erzielten Erfolge abzusichern und zu verdichten. Dazu dürfen wir auch die Medien um ihre Mithilfe bitten."

SGKK-Obmann Siegfried Schluckner: "Wir wollen strukturelle Verbesserungen - sowohl für ÄrztInnen als auch für PatientInnen. Einfach nur Honorare zu erhöhen ist zu wenig. Wir haben deshalb ein Gesamtpaket ausverhandelt, das die Rahmenbedingungen für die ÄrztInnen - vor allem die HausärztInnen - und damit die Betreuung der PatientInnen verbessert. Zusätzlich bieten wir innovative Untersuchungen im ambulanten Bereich an, weil es für die Betroffenen angenehmer ist. In den Fällen, wo es auch günstiger ist, entlasten wir gerne die Spitäler - bereits als Vorgriff auf die kommende Gesundheitsreform."

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