zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 3. April 2013

"Die angebliche Kassensanierung ist nur Propaganda-Trick"

Für die Ärztekammer ist die angebliche Sanierung der österreichischen Krankenkassen nur ein "politischer Propaganda-Trick der Sozialversicherungsbürokratie". Tatsächlich stecke speziell die Wiener Gebietskrankenkasse in einer bedenklichen Finanzkrise, betonte der Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, Johannes Steinhart. Dies gehe auch aus einem internen Kontrollbericht der Krankenkasse eindeutig hervor.

"Eigentlich ist es ein Skandal, dass der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger etwas offensichtlich Unzutreffendes behauptet und sich dann von der größten Gebietskrankenkasse Österreichs korrigieren lassen muss", kritisiert Steinhart. Denn schließlich gehe es hier um die Zukunft der medizinischen Versorgung vieler Menschen.

Hatte sich der Hauptverband in der Vorwoche in einer Pressemitteilung einmal mehr als "Sanierer der Krankenkassen" gefeiert und behauptet, "alle Kassen schreiben heute schwarze Zahlen", kam seither scheibchenweise die traurige Wirklichkeit ans Tageslicht. In einer jetzt öffentlich bekannt gewordenen Resolution der Kontrollversammlung der Wiener Gebietskrankenkasse vom 14. März 2013 heißt es wörtlich: "Entgegen der in den letzten Wochen medial verbreitenden Meldung über die erfolgreiche Sanierung der Gebietskrankenkassen ... besteht im Einzelfall und konkret für die Wiener Gebietskrankenkasse die Gefahr, dass sie ohne unterstützende Gegensteuerungsmaßnahmen ungebremst in ein weiteres Minus rutscht."

Die Kontrollversammlung der Wiener Gebietskrankenkasse appelliert in ihrer Resolution an den Bundesgesetzgeber, "im Rahmen der Bestrebungen zur Realisierung einer Gesundheitsreform auch die finanzielle Situation der Gebietskrankenkassen im Allgemeinen und der Wiener Gebietskrankenkasse im Besonderen in der Krankenversicherung der Pensionistlnnen durch geeignete Maßnahmen dauerhaft zu verbessern".

Zwtl.: Von versicherungsfremden Leistungen befreien

"Die Ärztekammer unterstützt die Forderung ausdrücklich, auf politischer Ebene dafür zu sorgen, dass den Gebietskrankenkassen ausreichend Mittel zur Verfügung stehen", sagt Steinhart. Der Bedarf an medizinischen Leistungen werde in einer immer älter werdenden Gesellschaft steigen, und damit auch der Bedarf an zusätzlichem Geld für die Gesundheit der Österreicher.

Mit zusätzlichen finanziellen Mitteln, so Steinhart, ließe sich zum Beispiel das von der Wiener Ärztekammer seit Langem geforderte Plus von 300 Kassenärzten finanzieren, das erforderlich ist, um auch in Zukunft die medizinische Versorgung in der Bundeshauptstadt sicherzustellen. Steinhart verwies in diesem Zusammenhang auf die besondere demografische Situation von Wien mit einem Mehr am Migranten und unweltbelastenden Faktoren für die Bevölkerung.

Für Steinhart ist die Lösung der Finanzmisere eigentlich ganz einfach: "Die Krankenkassen sollten endlich von der Belastung befreit werden, versicherungsfremde Leistungen zu finanzieren." Das Wochengeld und der Hebesatz bedeuteten massive Unterdeckungen bei Pensionisten. Weiters gebe es eine Unterdeckung bei den Arbeitslosen, deren Zahl sich gerade in wirtschaftlich schwachen Zeiten drastisch erhöhe. Insgesamt belaufe sich der jährliche Einnahmenausfall für die Wiener Gebietskrankenkasse auf mehr als 930 Millionen Euro jährlich.

Steinhart: "Wir befinden uns derzeit in keiner guten Konjunkturlage, sondern vielmehr in einer gewaltigen und tief greifenden Wirtschaftskrise." Von den Krankenkassen zu fordern, Rücklagen zu bilden, um für künftige neue Herausforderungen durch die Gesundheitsreform beziehungsweise neue Leistungen gerüstet zu sein, mute geradezu absurd an. "Die größte Krankenkasse des Landes, die Wiener Gebietskrankenkasse, kann schließlich nicht nur keine Rücklagen bilden, sondern steht vor einem ungebremsten Minus - und damit davor, ihre Versicherten nicht mehr ausreichend versorgen zu können."

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben